Marvell: Rekordumsatz kann Kursrutsch nicht verhindern

Marvell übertrifft die Quartalserwartungen und hebt Ziele an, doch der Margenausblick belastet den Kurs trotz starker KI-Nachfrage.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz erreicht 2,739 Milliarden US-Dollar
  • Rechenzentrum wächst um 46 Prozent
  • Aktie verliert am Freitag 9,5 Prozent
  • Morgan Stanley hebt Kursziel auf 246 Dollar

Es ist eine merkwürdige Zeit für Anleger, die auf Halbleiter-Unternehmen setzen, die von der KI-Welle profitieren sollen. Man legt Rekordzahlen vor, hebt die eigene Wachstumsprognose an – und der Kurs bricht trotzdem ein. Genau das ist Marvell Technology am Freitag passiert, und die Aktie kämpft seither mit den Nachwehen.

Zahlen, die eigentlich überzeugen sollten

Am Freitag meldete Marvell für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Rekordumsatz von 2,739 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 37 Prozent zum Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,94 US-Dollar non-GAAP – beides über den Konsensschätzungen von 2,71 Milliarden Dollar und 0,93 Dollar.

Das Rechenzentrums-Geschäft, mittlerweile das Herzstück des Konzerns, wuchs um 46 Prozent auf 2,17 Milliarden Dollar und macht damit 79 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Auch der Ausblick klingt nach Zuversicht: Das Management hob die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr auf rund 12 Milliarden Dollar an, zuvor waren es 11,5 Milliarden. Für das Geschäftsjahr 2028 nennt Marvell erstmals eine Zielmarke von etwa 18 Milliarden Dollar.

Für das dritte Quartal rechnet der Konzern mit 3,15 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn je Aktie zwischen 1,05 und 1,15 Dollar – ebenfalls über den bisherigen Erwartungen.

Und trotzdem: Die Aktie verlor am Freitag 9,5 Prozent und schloss bei 187,50 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,7 Prozent, der Kurs liegt gut ein Drittel unter seinem 52-Wochen-Hoch von 290,35 Euro. Das ist die eigentliche Geschichte dieses Artikels: Warum reichen Rekordzahlen nicht mehr aus?

Die Marge als Stolperstein

Die Antwort liegt in der Bruttomarge. Investoren reagierten verschnupft auf einen schwächeren Ausblick, den das Unternehmen mit einem höheren Anteil an kundenspezifischen Chips begründete – Custom-Silicon-Geschäft ist margenschwächer als Standardprodukte, wächst aber schneller. Hinzu kam eine Klarstellung des Managements: Der erst im August verkündete KI-Deal mit Google sei bereits vollständig in die langfristige Prognose eingepreist. Wer auf einen zusätzlichen Umsatzschub aus dieser Partnerschaft gehofft hatte, wurde enttäuscht.

Das ist die Kehrseite der aktuellen KI-Rally: Erwartungen laufen den Fundamentaldaten davon. Ein Unternehmen kann fast alles richtig machen und trotzdem abgestraft werden, weil der Markt bereits mehr eingepreist hatte.

Strategische Weichenstellungen abseits der Bilanz

Parallel zu den Zahlen vermeldete Marvell den Abschluss zweier Übernahmen zum Ausbau der Konnektivitätssparte im Rechenzentrum: XConn und Celestial AI. Zudem stärkte Nvidia die Bindung an Marvell, indem der Grafikchip-Riese Wandelvorzugsaktien der Serie A im Volumen von 2 Milliarden US-Dollar zeichnete – ein Signal, dass die großen KI-Player Marvell als strategischen Partner sehen, nicht nur als Zulieferer.

Auch beim Kapitalmanagement bleibt Marvell aktiv: Nach Rückkäufen von 400 Millionen Dollar im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres stehen noch 5,1 Milliarden Dollar aus dem laufenden Aktienrückkaufprogramm zur Verfügung.

Die Analysten sind gespalten, aber selten pessimistisch

Am heutigen Montag folgte die erste Reaktion aus der Analystengemeinde nach den Zahlen: Morgan Stanley-Analyst Joseph Moore hob sein Kursziel von 224 auf 246 US-Dollar an, beließ die Einstufung aber bei „Equal-weight“.

Sein Argument: Das Rechenzentrumsgeschäft dürfte 2027 um 60 Prozent wachsen, statt der zuvor angenommenen 50 Prozent. Selbst ein zurückhaltend eingestufter Analyst sieht also strukturell mehr Wachstum – die Skepsis richtet sich gegen die Marge, nicht gegen die Story.

Was bleibt

Der Kursrutsch zeigt, wie nervös der Markt auf jedes Anzeichen von Margendruck reagiert, selbst wenn das Wachstum stimmt. Am 6. Oktober will Marvell auf einem Investorentag seine langfristige KI-Infrastrukturstrategie näher erläutern. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen Wachstumsfantasie und Margenskepsis pendeln – ein Muster, das für viele KI-Zulieferer inzwischen typisch geworden ist.

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