Marvell: S&P hebt Ausblick auf positiv

Die Aktie von Marvell Technology fällt stark, während S&P den Ausblick auf 'positiv' hebt. Die Investitionspläne großer Cloud-Kunden werden richtungsweisend.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert trotz positiver Rating-Aussichten
  • S&P Global Ratings hebt Ausblick an
  • Fokus auf Cloud-Investitionen der Tech-Riesen
  • Charttechnisch nähert sich Aktie überverkauftem Bereich

Ein Kursrutsch von sieben Prozent an einem einzigen Tag, und trotzdem stuft eine Ratingagentur den Ausblick nach oben. Bei Marvell Technology prallen gerade zwei Wahrheiten aufeinander, die sich eigentlich widersprechen sollten. Die eine sagt: kurzfristige Panik. Die andere sagt: langfristig läuft das Geschäft besser als gedacht.

Am Freitag brach die Aktie um 7,05 Prozent ein und schloss bei 171,06 Euro. Auf Monatssicht steht nun ein Minus von fast 30 Prozent zu Buche. Wer aber nur auf die letzten vier Wochen schaut, verpasst die eigentliche Geschichte: Seit Jahresbeginn liegt Marvell immer noch 134,68 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar 171,57 Prozent. Der Ausverkauf der vergangenen Wochen ist eine Korrektur innerhalb eines der stärksten Aufwärtstrends im gesamten Halbleitersektor – keine Trendwende.

Ein Vertrauensbeweis mitten in der Turbulenz

Während der Kurs also nach unten rutschte, kam am 24. Juli eine Nachricht, die eigentlich das Gegenteil signalisiert. S&P Global Ratings hob den Ausblick für Marvell von „stabil“ auf „positiv“ an. Begründung: Die Nachfrage nach KI-Rechenzentrumsinfrastruktur wachse über mehrere Jahre hinweg stärker, als die Agentur ursprünglich erwartet hatte.

Dahinter steckt ein technisches Problem, das zum Kerngeschäft von Marvell passt wie kaum ein anderes: der sogenannte Connectivity-Bottleneck. Selbst die schnellsten GPUs bringen wenig, wenn die Daten zwischen ihnen nicht schnell genug fließen. Genau hier setzt Marvell an. Der Wechsel von 800G- auf 1,6T-Verbindungen treibt das Geschäft an, und die „Ara“-Plattform des Unternehmens – ein optischer DSP-Chip in 3-Nanometer-Fertigung – läuft bereits in Massenproduktion. Große Cloud-Anbieter können damit die Bandbreite ihrer Rechenzentren verdoppeln. Für die nächste Generation großer Sprachmodelle ist das keine Nebensache, sondern eine Voraussetzung.

Die entscheidende Woche: Cloud-Riesen legen Zahlen vor

Für Marvell-Aktionäre wird die kommende Handelswoche zum Realitätscheck. Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet – die vier größten Cloud-Anbieter – legen ihre Quartalszahlen vor. Der Markt wird dabei weniger auf Umsatz und Gewinn schauen als auf eine einzige Kennzahl: die Investitionspläne für Rechenzentren.

Das ist keine akademische Frage für Marvell. Das Custom-ASIC-Geschäft des Unternehmens hängt direkt an den internen Chip-Entwicklungsprogrammen genau dieser Hyperscaler. Bestätigen die vier Konzerne ein anhaltendes oder gar beschleunigtes Tempo beim Ausbau ihrer Rechenzentren, dürfte der jüngste Kursrutsch bei Marvell im Rückblick wie eine gesunde Verschnaufpause wirken. Signalisiert dagegen auch nur einer der vier eine Verlangsamung bei Netzwerk-Investitionen, könnte das die charttechnischen Unterstützungszonen der Aktie auf die Probe stellen.

Aktuell notiert Marvell knapp 20 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 212,34 Euro. Der Markt sucht sichtlich nach einem Auslöser, der diese Lücke zum Analysten-Kursziel von 223,64 Euro schließen könnte.

Charttechnisch nah am Boden, fundamental unter Druck

Der 14-Tage-RSI liegt bei 39 – die Aktie nähert sich damit überverkauftem Terrain, nachdem sie seit ihrem Rekordhoch von 290,35 Euro Anfang Juni gut 41 Prozent verloren hat. Der 100-Tage-Durchschnitt bei 159,97 Euro dürfte als nächste Haltemarke dienen. Bemerkenswert bleibt: Selbst nach dem Sommer-Einbruch notiert die Aktie noch immer 47,26 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Der langfristige Aufwärtstrend ist intakt, auch wenn die Nerven der Anleger es gerade anders empfinden.

Mit einer Marktkapitalisierung von 166,50 Milliarden Euro handelt Marvell weiterhin mit einer Bewertungsprämie, die wenig Raum für Enttäuschungen lässt. Die eigenen Quartalszahlen Ende August werden zum nächsten internen Prüfstein. Bis dahin bleibt die entscheidende Frage im Raum: Können die Kapitalausgaben der größten Cloud-Kunden die Lücke schließen, die sich zwischen der positiven Rating-Entscheidung und der Kursschwäche aufgetan hat? Eine Antwort darauf gibt es erst, wenn Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet ihre Bücher öffnen.

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