Marvell Technology Aktie: 80 bis 438 Dollar erwartet

Die implizite Volatilität von Marvell-Aktien deutet auf mögliche Kurse zwischen 80 und 438 Dollar hin. Analysten sind sich uneinig über die zukünftige Entwicklung des KI-Chip-Herstellers.

Die Kernpunkte:
  • Implizite Volatilität bei 88 Prozent
  • Mögliche Kursspanne von 80 bis 438 Dollar
  • Optionshändler bleiben mehrheitlich optimistisch
  • Analystenmeinungen stark gespalten

Ein Kurs bei 80 Dollar oder einer bei 438 Dollar — beide Szenarien gelten am Optionsmarkt für Marvell Technology derzeit als plausibel. Diese Spanne beschreibt keine vage Unsicherheit. Sie zeigt, wie tief die Verunsicherung nach dem jüngsten Kursrutsch sitzt.

Marvell schloss am Freitag bei 165,12 Euro, ein Plus von 0,30 Prozent zum Vortag. Über die vergangene Woche steht dennoch ein Minus von gut 20 Prozent, über den Monat ein Rückgang von fast 35 Prozent. Die Aktie notiert damit rund 43 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 290,35 Euro.

Zwei radikal unterschiedliche Zukünfte

Eine am 17. Juli veröffentlichte Analyse von Trefis rechnet die Optionspreise auf ein Jahr hoch. Das Ergebnis: Die implizite Volatilität liegt bei rund 88 Prozent für Optionen mit Laufzeit über die kommenden zwölf Monate. Daraus ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent, dass die Aktie in einem Jahr irgendwo zwischen etwa 80 und 438 Dollar landet.

Von einem Kurs nahe 188 Dollar aus bedeutet das eine mögliche Bandbreite von minus 58 Prozent bis plus 133 Prozent. Selbst für Marvell-Verhältnisse ist das ungewöhnlich breit. Die implizite Volatilität von 88 Prozent liegt beim 1,15-Fachen der realisierten Volatilität von 76 Prozent — jenem Wert, den die Aktie im vergangenen Jahr tatsächlich abgebildet hat. Der Markt rechnet also mit größeren Ausschlägen, als es die Historie nahelegt.

Trotz der breiten Streuung bleibt die Stimmung unter Optionshändlern mehrheitlich bullisch. Für Calls auf steigende Kurse zahlen Trader derzeit etwa das 2,8-Fache dessen, was sie für Absicherungen gegen fallende Kurse hinlegen.

Ein brutaler Monat frisst die KI-Rally auf

Der Ausverkauf Mitte Juli traf Marvell hart. Eine Kombination aus einer frischen Analysten-Herabstufung und einem branchenweiten Chip-Ausverkauf drückte die Aktie zeitweise um 4,5 Prozent nach unten. Der Philadelphia Semiconductor Index brach in derselben Woche um fast 8 Prozent ein, auch Konkurrenten wie Arm Holdings, Lam Research und Micron gerieten deutlich unter Druck.

Der 14-Tage-RSI von Marvell liegt bei 35,3 — ein Hinweis auf überverkaufte Bedingungen nach dem scharfen Rücksetzer. Trotz allem bleibt die Aktie seit Jahresbeginn klar im Plus. Das relativiert die Dramatik der jüngsten Wochen, ändert aber nichts an der Nervosität, die sich gerade am Optionsmarkt zeigt.

Analysten uneins wie selten

Die breite Optionsspanne spiegelt einen echten Meinungsstreit unter Wall-Street-Analysten wider. Laut einer Umfrage von S&P Global unter 43 Analysten trägt Marvell im Konsens ein „Strong Buy“-Rating, bei einem durchschnittlichen Kursziel von 252,56 Dollar. Das niedrigste Ziel liegt bei 110 Dollar, das höchste bei 385 Dollar.

Einige Analysten wurden zuletzt optimistischer. KeyBanc bestätigte seine „Overweight“-Einstufung und hob das Kursziel von 385 auf 400 Dollar an. Begründet wird das mit wachsender Dynamik im Geschäft mit kundenspezifischen KI-Chips. Der zuständige Analyst erwartet, dass Amazon sein Trainium-3-Programm in der zweiten Jahreshälfte 2026 hochfährt, während Marvell eine Variante von Amazons Trainium-4-Beschleuniger der nächsten Generation zuliefert. Zusätzlich hat sich Marvell einen Design-Win für Alphabets Google-LPU-Chip gesichert, intern „Merope“ genannt, der 2028 an den Start gehen soll.

Andere bleiben vorsichtiger. Erste Group stufte die Aktie Mitte Juli von „Buy“ auf „Hold“ zurück. Der Analyst verweist auf Bewertungssorgen — trotz starker Prognosen für das zweite Quartal mit rund 2,7 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn je Aktie von etwa 0,93 Dollar. Offen bleibt für ihn, ob die operativen Margen angesichts der starken Abhängigkeit von wenigen Großkunden aus dem Hyperscaler-Segment weiter wachsen können.

Was als Nächstes zählt

Die nächsten Quartalszahlen, die das im August endende zweite Fiskalquartal abdecken, dürften zum entscheidenden Test werden. Im ersten Quartal des Fiskaljahres 2027 erzielte Marvell einen Rekordumsatz von 2,418 Milliarden Dollar, ein Plus von 28 Prozent zum Vorjahr. Für das zweite Quartal peilt das Management im Mittel 2,7 Milliarden Dollar an — ein Wachstum von 35 Prozent. Das Unternehmen rechnet damit, dass sich das Umsatzwachstum in jedem weiteren Quartal des Fiskaljahres 2027 beschleunigt.

Bis dieser Bericht vorliegt, bleibt die Optionsmarkt-Bepreisung ein Signal in eine Richtung: Anleger müssen sich auf anhaltend hohe Schwankungen einstellen, nicht auf eine schnelle Klärung der Richtung.

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