Marvell Technology Aktie: Früh in der zweiten Halbzeit
Marvell-CEO sieht KI-Markt am Anfang und setzt auf Konnektivität. Vor den Q2-Zahlen wächst das Rechenzentrumsgeschäft auf über 75 Prozent.

- KI-Infrastrukturmarkt steht laut CEO am Anfang
- Rechenzentrumsanteil übersteigt bald 80 Prozent
- Konnektivität wird neuer Branchenflaschenhals
- Quartalszahlen am Donnerstag mit Spannung erwartet
Marvell-Chef Matt Murphy wählte einen ungewöhnlichen Moment für ein Bekenntnis: Einen Tag vor den Quartalszahlen trat er bei einem Tech-Gipfel auf und erklärte, der KI-Infrastrukturmarkt stehe erst am Anfang. Kein Wort zu konkreten Umsatzzielen für das anstehende Quartal — dafür ein Blick auf die Größenordnungen, die Marvell inzwischen bewegt.
Vom Nischenanbieter zum 80-Prozent-Rechenzentrumsgeschäft
Vor rund zehn Jahren machte das Rechenzentrumsgeschäft weniger als zehn Prozent von Marvells Umsatz aus. Heute liegt der Anteil bei über 75 Prozent, Murphy stellte in Aussicht, dass die Marke von 80 Prozent bald überschritten wird. Das KI-Rechenzentrumsgeschäft allein setzt inzwischen mehr als zwei Milliarden Dollar pro Quartal um — eine Größenordnung, die noch 2023 als ambitioniertes Jahresziel galt.
Den Wandel hat Marvell über Zukäufe vorangetrieben. Die Übernahme von Inphi im Jahr 2021 brachte optische Verbindungstechnologie, die 2019 erworbene Avera Semiconductor legte den Grundstein für das Custom-Silicon-Geschäft, und die kürzlich abgeschlossene Übernahme von Celestial AI ergänzte Chip-Package-Optik.
Murphy sieht in der Kombination dieser Technologien einen strukturellen Vorteil: Kunden bräuchten nicht nur Rechenleistung, sondern zunehmend maßgeschneiderte Verbindungs- und Speicherlösungen rund um ihre KI-Beschleuniger.
Der Blick nach vorn: Verbindung statt Rechenleistung
Nach Murphys Einschätzung hat sich der Flaschenhals der Branche verschoben. Rechenleistung und Speicher seien weitgehend adressiert, jetzt rücke die Konnektivität zwischen Chips, Racks und Rechenzentren in den Vordergrund. Die Massen-Skalierung von GPU- und Beschleuniger-Systemen habe noch gar nicht begonnen — ein Markt, den Marvell mit seinem CXL-Speichererweiterungsportfolio und XPU-Attach-Produkten adressieren will.
Konkret bezifferte Murphy die kumulierte Marktchance für kundenspezifische Rechenchips bis 2030 auf knapp 700 Milliarden Dollar, während die branchenweiten Investitionen in Rechenzentren für denselben Zeitraum inzwischen bei über zwölf Billionen Dollar taxiert werden — vor drei Monaten lag diese Schätzung noch 1,3 Billionen Dollar niedriger.
Bei den eigenen Kundenbeziehungen verweist Marvell auf 15 bis 18 Design-Wins über alle vier großen Hyperscaler hinweg, mit einem Umsatzpotenzial von 500.000 bis zwei Millionen Dollar Content pro Beschleuniger.
Die eigentliche Bewährungsprobe steht unmittelbar bevor: An diesem Donnerstag legt Marvell nach US-Börsenschluss die Zahlen für das zweite Geschäftsquartal vor. Der Konsens erwartet einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Dollar.
Entscheidend dürfte weniger die Punktlandung selbst sein als die Frage, ob das Management einen Ausblick liefert, der die milliardenschweren Wachstumsversprechen aus dem jüngsten Chip-Deal mit Google mit einem konkreten Zeithorizont unterlegt.
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