Marvell Technology Aktie: Großdeal mit Preisschild

Berichte über Marvells mögliche Lumentum-Übernahme belasten den Kurs; Finanzierung, Kaufpreis und Vertragsbedingungen sind noch ungeklärt.

Die Kernpunkte:
  • Marvell verliert vorbörslich rund 9,6 Prozent
  • Lumentum-Aktie steigt zeitweise gut sechs Prozent
  • Übernahmegespräche bislang nicht offiziell bestätigt
  • Finanzierung und Kaufbedingungen bleiben offen

Ein Zukauf im Wert von rund 83 Milliarden Dollar, finanziert aus einer Kasse von knapp 3,9 Milliarden Dollar: Dieses Missverhältnis beschäftigt die Anleger bei Marvell. Berichte über weit fortgeschrittene Übernahmegespräche mit dem Optikspezialisten Lumentum haben die Aktie unter Druck gesetzt. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht.

Zweigeteilte Reaktion

Nach US-Börsenschluss am Mittwoch trennten sich die Wege der beiden Aktien deutlich. Lumentum zog an, Marvell gab nach, nachbörslich zunächst um etwa acht Prozent. Vorbörslich am Donnerstag weitete sich das Minus auf rund 9,6 Prozent auf 227,57 Dollar aus, Lumentum legte zeitweise gut sechs Prozent zu.

Das Muster ist klassisch: Der Zielkonzern wird mit Aufschlag gehandelt, der Käufer mit den Kosten. Eine Einigung könnte dem Bericht zufolge schon Anfang November verkündet werden. Beide Unternehmen äußerten sich zunächst nicht. Kaufpreis, Prämie und Zahlungsform sind offen, auch Bedingungen und Zeitplan können sich noch verschieben.

Dabei hatte der reguläre Handel für Marvell konstruktiv begonnen. Die Eröffnung der Analystenabdeckung durch SPDB International mit „Buy“ und einem Kursziel von 303 Dollar sowie starke Zahlen aus der Speicherbranche stützten den Kurs.

Strategie passt, Finanzierung nicht

Strategisch wäre der Schritt konsequent. Marvell zählt zu den Profiteuren des Rechenzentrums-Booms und hob Anfang Oktober sein Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2028 von 15 auf 20 Milliarden Dollar an. Den Vorstoß in die Optik hatte der Konzern bereits mit der Übernahme des Photonikspezialisten Celestial AI untermauert. Lumentum würde mit Lasern und optischen Komponenten die nächste Lücke schließen.

Lumentum wächst rasant. Der Umsatz im Juni-Quartal verdoppelte sich auf rund 1,01 Milliarden Dollar. NVIDIA sicherte sich zudem im März mit einer Investition von zwei Milliarden Dollar und einer mehrjährigen Abnahmezusage Zugriff auf künftige Laserkapazitäten.

Genau hier liegt der Knackpunkt. Bernstein hält zusätzliche Finanzierung bei einem Geschäft dieser Größe für wahrscheinlich und verweist auf Integrationshürden. Für Marvell-Aktionäre liefe das je nach Struktur auf neue Schulden, neue Aktien oder eine Mischung hinaus. Unklar ist auch, was ein Eigentümerwechsel für die NVIDIA-Vereinbarungen bedeuten würde.

Nächster Termin

Am 5. November legt Lumentum nach US-Börsenschluss Quartalszahlen vor, die Telefonkonferenz beginnt um 17 Uhr Ostküstenzeit. Liegt bis dahin kein unterschriebener Vertrag vor, dürften Fragen zu den Gesprächen mit Marvell einen Teil der Runde bestimmen. Charttechnisch gilt das jüngste Pivot-Tief als wichtige Unterstützung für die Marvell-Aktie.

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