MDAX-Momentum: Aixtron, Thyssenkrupp und Delivery Hero mit Kursexplosion
Fünf MDAX-Unternehmen erzielten im April Kursgewinne von bis zu 40 Prozent. Treiber sind spezifische Katalysatoren wie Halbleiterboom und grüner Stahl.

- Aixtron führt mit 40,5 Prozent Plus
- Thyssenkrupp profitiert von grünem Stahl
- Delivery Hero erreicht operative Gewinnzone
- Redcare Pharmacy durch E-Rezept beflügelt
Fünf MDAX-Werte haben im April Renditen zwischen 24 und 40 Prozent erzielt. Hinter den Kurssprüngen stecken mehr als kurzfristige Spekulation — von Halbleiter-Boom über grünen Stahl bis zum E-Rezept reichen die Treiber. Ein Blick auf die stärksten Mid-Caps des Monats.
| Rang | Unternehmen | 30-Tage-Rendite |
|---|---|---|
| 1 | Aixtron | 40,5 % |
| 2 | Thyssenkrupp | 35,6 % |
| 3 | Delivery Hero | 30,0 % |
| 4 | Redcare Pharmacy | 29,9 % |
| 5 | Gerresheimer | 24,4 % |
Die Spannbreite fällt auf: Selbst der fünfte Platz bringt fast ein Viertel Kursgewinn in nur 30 Tagen. Das gesamte Quintett profitiert von jeweils eigenen Katalysatoren — ein Zeichen dafür, dass das Momentum breit gestreut und nicht auf einen einzelnen Sektor beschränkt ist.
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Aixtron: Halbleiter-Nische als Kursturbo
Mit 40,5 Prozent Plus führt Aixtron das Ranking souverän an. Der Spezialist für Depositionsanlagen reitet auf einer Welle, die weit über den klassischen Halbleiterzyklus hinausgeht. Während Teile der Chipbranche Sättigungseffekte spüren, erlebt die Nachfrage nach Galliumnitrid- und Siliziumkarbid-Technologie einen regelrechten Schub.
Der Grund liegt in zwei Megatrends. Elektromobilität verlangt nach effizienteren Leistungshalbleitern, und KI-Rechenzentren benötigen Komponenten mit geringerem Energieverbrauch. Große Automobilhersteller skalieren ihre Produktion für 2026 hoch — das hat die Umsatzvisibilität bei Aixtron deutlich verbessert. Die Auftragseingänge im Bereich Leistungselektronik haben sich beschleunigt.
Ein Monatsplus von über 40 Prozent birgt naturgemäß Korrekturrisiken. Sollten die nächsten Quartalszahlen die eingepreisten Erwartungen an den Auftragsbestand nicht vollständig bestätigen, drohen Gewinnmitnahmen. Das tiefe Vertrauen in die Marktführerschaft bei MOCVD-Anlagen hält den Kurs vorerst oben.
Thyssenkrupp: Grüner Stahl als Bewertungshebel
35,6 Prozent Kursgewinn — für einen Industriekonzern mit der Geschichte von Thyssenkrupp eine bemerkenswerte Zahl. Die Rallye speist sich aus zwei Quellen: operative Fortschritte bei der Konzernumbauung und eine Stabilisierung der Stahlpreise.
Im Zentrum steht die Dekarbonisierungsstrategie. Die Direktreduktionsanlage zur Herstellung von grünem Stahl nimmt Gestalt an und zieht Investoren an, die auf die Transformation der Schwerindustrie setzen. Gleichzeitig haben Spekulationen über eine endgültige Verselbstständigung der Stahlsparte zugenommen. Der Markt honoriert solche Schritte typischerweise mit einem Bewertungsaufschlag, weil sie Komplexität aus dem Konglomerat nehmen.
Allerdings relativiert die niedrige Ausgangsbewertung das prozentuale Plus. Die Zyklizität des Stahlgeschäfts bleibt ein Risikofaktor. Entscheidend wird sein, ob die operative Marge mit der Kursentwicklung Schritt halten kann. Aktuell preist der Markt die Restrukturierung zunehmend positiv ein — ein Signal, das lange auf sich warten ließ.
Delivery Hero: Vom Wachstumswahn zur Profitabilität
30 Prozent Kursplus markieren eine Zeitenwende bei Delivery Hero. Nach Jahren extremer Volatilität und aggressiver Expansion steht nicht mehr das Umsatzwachstum im Vordergrund, sondern der freie Cashflow. Genau das belohnen Anleger.
Die Schlüsselmeldung: In wichtigen Kernmärkten, besonders in der MENA-Region, hat der Lieferdienst operative Break-even-Punkte erreicht. Die Strategie wurde konsequent von Wachstum um jeden Preis auf Effizienz umgestellt. Die wichtigsten Hebel im Überblick:
- Logistik-Optimierung: Kostensenkungen bei der Zustellung zeigen messbare Wirkung
- Marktselektion: Rückzug aus unrentablen Regionen zugunsten profitabler Kernmärkte
- Kapitalstruktur: Keine weiteren Kapitalerhöhungen zur Betriebsfinanzierung absehbar
Gerade der letzte Punkt hat dem Kurs kräftigen Rückenwind gegeben. Momentum-Trader sind wieder eingestiegen. Das Risiko liegt weiterhin in der Abhängigkeit von Konsumausgaben und Inflationsentwicklung. Solange die Profitabilitätsstory intakt bleibt, hat der Aufwärtstrend Substanz.
Redcare Pharmacy: E-Rezept als Wachstumsmotor
Mit 29,9 Prozent liegt Redcare Pharmacy knapp hinter Delivery Hero — und profitiert von einem ganz anderen Katalysator. Die flächendeckende Einführung des E-Rezepts in Deutschland verändert die Spielregeln im Apothekenmarkt grundlegend.
Die vereinfachte digitale Einlösung von Rezepten senkt die Hürde für Online-Bestellungen verschreibungspflichtiger Medikamente erheblich. Redcare investiert massiv in Automatisierung und Logistikkapazitäten, um das steigende Volumen effizient zu bewältigen. Zusätzlich liefert das margenstarke Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und Beauty-Produkten Cross-Selling-Potenzial.
Charttechnisch hat der Ausbruch über wichtige Widerstandszonen das Momentum zusätzlich befeuert. Die regulatorische Landschaft verdient dennoch Aufmerksamkeit: Änderungen in der Apothekenvergütung oder Gegenoffensiven stationärer Apotheken könnten das Wachstum bremsen. Vorerst gilt die Online-Apotheke als einer der klarsten Profiteure der Digitalisierung im Gesundheitswesen.
Gerresheimer: Defensiver Wert mit offensivem Momentum
24,4 Prozent Monatsrendite bei einem Verpackungshersteller für die Pharmaindustrie — das fällt aus dem Rahmen. Gerresheimer verbindet defensive Stabilität mit einem hochaktuellen Wachstumsthema: GLP-1-Medikamente.
Die sogenannten Abnehmspritzen gehören zu den am schnellsten wachsenden Medikamentenklassen weltweit. Gerresheimer liefert die dafür notwendigen Pens und Autoinjektoren. Die Erweiterung der Produktionskapazitäten für diese Speziallösungen hat eine Neubewertung der Aktie ausgelöst. Langfristige Lieferverträge mit großen Pharmakonzernen sorgen für Planungssicherheit.
Für einen typisch defensiven Titel ist das aktuelle Kursniveau ambitioniert. Falls das Wachstum bei Injektionssystemen stagniert, könnte die Bewertung im Vergleich zum historischen Durchschnitt unter Druck geraten. Die Kombination aus stabilen Grundeinnahmen und einem dynamischen Wachstumssegment macht Gerresheimer im aktuellen Umfeld allerdings zu einem ungewöhnlichen Hybrid — defensiv genug für unsichere Zeiten, wachstumsstark genug für Momentum-Portfolios.
Fünf Branchen, ein gemeinsamer Nenner
Die fünf MDAX-Spitzenreiter kommen aus völlig unterschiedlichen Sektoren: Halbleitertechnik, Schwerindustrie, Plattformökonomie, E-Health und Pharmaverpackung. Was sie verbindet, ist jeweils ein klar identifizierbarer Katalysator — keine vage Sektoreuphorie, sondern konkrete operative oder regulatorische Wendepunkte.
Genau das unterscheidet nachhaltiges Momentum von bloßer Spekulation. Solange die jeweiligen fundamentalen Narrative intakt bleiben, haben diese Titel gute Chancen, den breiten MDAX weiter zu schlagen. Gewinnmitnahmen nach derart steilen Anstiegen sind allerdings jederzeit möglich. Wer auf den fahrenden Zug aufspringt, sollte die nächsten Quartalszahlen bei jedem der fünf Titel genau im Blick behalten — dort entscheidet sich, ob aus kurzfristigem Momentum ein nachhaltiger Trend wird.
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