Medtronic Aktie: AVIM-Therapie vor Zulassung?

Die BACKBEAT-Studie nahm 330 Teilnehmende auf; erste primäre Ergebnisse wollen Medtronic und Orchestra BioMed 2027 vorlegen.

Die Kernpunkte:
  • 330 Teilnehmende an 81 Studienzentren
  • Rekrutierungsziel von 316 Personen übertroffen
  • Primäre Studienergebnisse für 2027 vorgesehen
  • Markteinführung abhängig von behördlichen Genehmigungen

Gemeinsam mit dem Entwicklungspartner Orchestra BioMed verzeichnet der Medizintechnikkonzern Medtronic einen wichtigen Etappensieg in der klinischen Forschung. In der globalen Zulassungsstudie BACKBEAT wurde das vorgegebene Rekrutierungsziel vorzeitig übertroffen.

Bis gestern wurden insgesamt 330 Patientinnen und Patienten an 81 Studienzentren in 13 Ländern in das Programm aufgenommen. Vorgesehen waren ursprünglich 316 Teilnehmende. Medtronic plant im Erfolgsfall die weltweite Vermarktung des innovativen Therapieansatzes.

Klinischer Testlauf für kardiale Bluthochdruck-Therapie

Die pivotale Studie untersucht die sogenannte AVIM-Therapie (Atrioventrikuläre Intervallmodulation). Sie richtet sich an Personen, die eine Indikation für einen Herzschrittmacher aufweisen und trotz medikamentöser Behandlung unter unkontrolliertem Bluthochdruck leiden. Das von der US-Gesundheitsbehörde FDA genehmigte Studienprotokoll verlangt mindestens 284 auswertbare Personen, um einen statistischen Nachweis zu führen. Die höhere Teilnehmerzahl federt mögliche Studienabbrüche während der Nachbeobachtung ab.

In der doppelblinden Untersuchung erfolgt die Zuteilung im Verhältnis 1:1. Eine Gruppe erhält die AVIM-Therapie in Kombination mit der bisherigen Medikation und Herzstimulation, während die Kontrollgruppe mit Standardstimulation und Arzneimitteln weiterbehandelt wird.

Als primäre Endpunkte sind die Veränderung des ambulanten 24-Stunden-Blutdrucks sowie die Gerätesicherheit nach einer Frist von drei Monaten definiert. Das Design ist darauf ausgelegt, einen systolischen Blutdruckunterschied von mindestens 5 mmHg zwischen beiden Armen mit einer statistischen Power von über 90 Prozent nachzuweisen.

Zeithorizont bis zur potenziellen Marktreife

Bis zu ersten belastbaren Daten müssen sich Anleger jedoch noch gedulden. Derzeit stehen das dreimonatige Follow-up sowie die anschließende Datenbanksperre aus. Orchestra BioMed und Medtronic beabsichtigen, die primären Resultate im zweiten Quartal 2027 zur Präsentation im Rahmen einer Late-Breaking-Sitzung einzureichen.

Sollten die Endpunkte erreicht werden, will Medtronic umgehend regulatorische Zulassungsanträge bei der FDA und weiteren internationalen Behörden stellen. Eine Markteinführung bleibt an diese behördlichen Genehmigungen gebunden.

An der Börse reagierte das Papier heute kaum auf den Forschungsfortschritt. Die Aktie notiert bei 76,12 Euro, was einem leichten Tagesverlust von 0,08 Prozent entspricht. Damit wird der Medizintechnikkonzern mit einer Marktkapitalisierung von 100,79 Milliarden Euro bewertet.

Strategische Schärfung des Portfolios

Die klinische Kooperation fügt sich in die strategische Neuausrichtung des Unternehmens ein. Im Rahmen der Portfoliobereinigung kündigte Medtronic die Abspaltung der Diabetes-Sparte MiniMed an (vor rund zwei Wochen, seither -6,3 %), deren Abschluss noch im laufenden Monat Oktober erwartet wird.

Parallel dazu verstärkte sich Medtronic in zukunftsträchtigen Segmenten durch Zukäufe. In diesem Jahr übernahm der Konzern die Unternehmen SPR Therapeutics, CathWorks sowie Scientia Vascular für ein Gesamtvolumen von knapp 1,8 Milliarden US-Dollar.

Zudem hob das Management die Ausschüttung an die Anteilseigner an: Im laufenden Jahr 2026 steigerte Medtronic die Dividende zum 49. Mal in Folge. Die Pipeline-Fortschritte im kardiovaskulären Bereich sollen künftig dazu beitragen, das Wachstum in den Kernmärkten nach Abschluss der Konzernabspaltung weiter abzusichern.

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