Interviewmit Dieter Jaworski

Medtronic Aktie: Der Umtausch wirkt wie ein Aktienrückkauf mit MiniMed-Aktien als Währung

Der MiniMed-Tausch reduziert die Zahl der Medtronic-Aktien; die Margenentwicklung bleibt laut Interview der entscheidende Prüfstein.

Die Kernpunkte:
  • MiniMed-Anteile gegen Medtronic-Aktien
  • Umtausch mit sieben Prozent Abschlag
  • Cornerstone-Einstieg für 700 Millionen Dollar
  • Jahresziel: rund 50 Basispunkte mehr Marge

Medtronic trennt sich per Umtauschangebot von der Diabetes-Tochter MiniMed, steigt parallel für 700 Millionen Dollar bei Cornerstone Robotics ein und hat gerade die nächste Quartalsdividende beschlossen. Verdient ein Konzern, der einst 43 Milliarden Dollar für Covidien ausgab und heute auf kleine Zukäufe setzt, das Vertrauen, mit dem frei werdenden Spielraum richtig umzugehen? Die Fragen gehen an Dieter Jaworski.

Medtronic (IE00BTN1Y115) — Schlusskurse 07.04.2026 bis 30.09.2026, Angaben in EUR. Stand: 30.09.2026.

Medtronic (IE00BTN1Y115) — Schlusskurse 07.04.2026 bis 30.09.2026, Angaben in EUR. Stand: 30.09.2026.

Felix Baarz: Zuerst das größte Einzelrisiko, so wie ich es sehe. Nach der MiniMed-Trennung ist Medtronic schlanker und hat mehr Luft. Erliegt ein Haus, das 2015 den Covidien-Deal gestemmt hat, dann nicht fast zwangsläufig wieder der Versuchung, Größe zu kaufen?

Dieter Jaworski: Die Versuchung besteht, und sie hat sogar einen Namen: das neue Growth Committee. Ein Gremium, dessen erklärter Zweck es ist, Zukäufe zu beschleunigen, beruhigt mich wenig. Beschleunigung ist bei M&A selten eine Tugend. Allerdings sehe ich bisher keine Anzeichen für einen Rückfall.

Unter Geoff Martha hat Medtronic sogenannte Tuck-ins gemacht, also kleine Zukäufe, die man in ein bestehendes Geschäft einhängt, etwa CathWorks oder Pi-Cardia. Auch Cornerstone gehört in diese Kategorie. Für einen Konzern mit fast 39 Milliarden Dollar Jahresumsatz sind 700 Millionen ein Zugangsticket.

In der OP-Robotik ist Medtronic Herausforderer, und da kauft man sich lieber Technik ein, als sie zehn Jahre lang selbst zu entwickeln. Das halte ich für vernünftig. Nervös würde ich erst bei einem Deal, der die Bilanz umbaut, statt eine Lücke im Portfolio zu schließen.

Felix Baarz: Wie passt Ihr Vertrauen zu den Insidern? Zwölf Monate lang nur Verkäufe, auch vom CEO, kein einziger Kauf. Wer an die eigene Trendwende glaubt, legt doch selbst nach.

Dieter Jaworski: Sie werfen da zwei Dinge in einen Topf, die man auseinanderhalten muss. Das eine sind die Verkäufe. Die sind fast durchweg Steuerabführungen beim Vesting.

Wenn zugeteilte Aktien fällig werden, wird ein Teil sofort verkauft, um die Steuer zu zahlen, und dazu kommt ein einziger Verkauf aus einem 10b5-1-Plan, also einem Verkaufsplan, der Monate vorher festgelegt wurde. Daraus lese ich nichts. Das andere sind die fehlenden Käufe, und da geht Ihr Punkt auf. Die Insider halten zusammen rund 0,3 Prozent.

Ein Vorstand, der nach so einem Quartal mit eigenem Geld nachlegt, wäre ein Statement gewesen, und das Statement bleibt aus. Neutral, mehr nicht. Mein Warnlicht ginge an, sobald ein Vorstand außerhalb von Vesting und festem Plan in nennenswertem Umfang verkauft. Das wäre eine bewusste Entscheidung gegen die eigene Aktie.

Felix Baarz: Nach dem ersten Quartal haben die Broker ihre Ziele reihenweise angehoben. Wie viel Erwartung steckt jetzt im Kurs, die das Geschäft erst noch belegen muss?

Dieter Jaworski: Weniger, als die Anhebungswelle vermuten lässt. Ich sehe den fairen Wert bei rund 92 Euro, und damit liege ich praktisch auf dem Konsens. Einen Informationsvorsprung beanspruche ich also nicht. Mir gefällt etwas anderes: Die Gewinnprognose von 5,94 bis 6,00 Dollar je Aktie deckt sich fast exakt mit den Schätzungen. Da wird nichts herbeigeträumt.

Was noch belegt werden muss, ist die Marge. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das Ende Juli endete, lag die bereinigte operative Marge bei 23,7 Prozent, gerade zehn Basispunkte über dem Vorjahr. Fürs Gesamtjahr verspricht das Management rund 50 Basispunkte. Diese Zahl ist mein Fieberthermometer. Wenn der Umsatz stark wächst und die Marge trotzdem klebt, dann frisst die Lieferkette das Wachstum auf.

Die Zölle auf chinesische Komponenten kosten laut Planung etwa 250 Millionen Dollar in diesem Geschäftsjahr, eine mögliche Section-232-Runde für Medizinprodukte ist darin nicht enthalten, und in China drücken die staatlichen Sammelausschreibungen, das sogenannte Volume-Based Procurement, weiter die Preise.

An dieser Stelle würde ich falsch liegen. Das Herzgeschäft mit der Pulsed-Field-Ablation, dem Veröden von Herzgewebe per elektrischer Pulse, müsste diese Rechnung sonst allein bezahlen.

Felix Baarz: Medtronic galt jahrelang als behäbiger Riese, der Wachstum versprach und selten lieferte. Warum sollte ausgerechnet ein starkes Quartal daran etwas ändern?

Dieter Jaworski: Ein Quartal ändert daran nichts, da haben Sie recht. Was mich trotzdem bewegt, ist die Breite: Diesmal übertüncht nicht eine Sparte die Schwäche der anderen. Und ein Management, das ein Geschäft abgibt, statt es schönzureden, hat zumindest gelernt, Nein zu sagen.

Felix Baarz: Sie nennen die operative Marge Ihr Fieberthermometer. Die Jahresprognose enthält aber noch das Diabetes-Geschäft. Misst Ihr Thermometer dann gerade den falschen Patienten?

Dieter Jaworski: Teilweise, ja. Die Prognose rechnet MiniMed noch mit, und nach der Trennung kommt eine neue Basis. Ich schaue deshalb auf die Sparten, die bleiben, vor allem Kardiovaskulär und Chirurgie. Beim Umtausch selbst wird es für mich interessant. Aktionäre geben Medtronic-Aktien ab und bekommen dafür MiniMed-Anteile, mit einem Abschlag von sieben Prozent zu ihren Gunsten.

Der Umtausch wirkt wie ein Aktienrückkauf mit MiniMed-Aktien als Währung. Die Aktienzahl sinkt, ohne dass Bargeld abfließt, und den Abschlag zahlt Medtronic als Preis dafür, dass genug Aktionäre mitmachen. Das finde ich eleganter als einen klassischen Rückkauf.

Der Bravo-CF-Rückruf der höchsten Risikostufe betrifft dagegen eine Nische aus dem Given-Imaging-Umfeld. Finanziell ist das eine Randnotiz. Als Hinweis auf die Qualitätssicherung behalte ich ihn trotzdem im Auge, gerade weil die US-Behörde ihre Anforderungen an die Qualitätssysteme gerade verschärft hat.

Felix Baarz: Sie haben gesagt, Ihr Warnlicht ginge erst an, wenn ein Vorstand außerhalb von Vesting und festem Plan verkauft. Solange das ausbleibt: Reicht Ihnen das als Vertrauensvorschuss für dieses Management, ja oder nein?

Dieter Jaworski: Ja, aber nur auf Bewährung. Dass niemand opportunistisch verkauft, belegt keinen Glauben an die Aktie. Es heißt lediglich, dass niemand flieht. Mein Vertrauen stützt sich auf etwas Handfesteres.

Das Management trennt sich von MiniMed auf eine Weise, die die Aktienzahl drückt, es hält die Dividende und kauft in kleinen Portionen zu. Das ist die Kapitalallokation eines Hauses, das aus Covidien gelernt hat.

Verspielen kann Medtronic diesen Kredit an genau einer Stelle, nämlich wenn das Growth Committee den Spielraum nach MiniMed für einen großen Zukauf nutzt. Bis dahin halte ich das Management für besser als seinen Ruf. Den Beweis liefert dann die Marge.

Anzeige

Stand heute, 30. September: Medtronic – Kaufen, halten oder verkaufen?

Wer in Medtronic investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 30. September gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

Medtronic: Gratis-Analyse (PDF) öffnen …

Diskussion zu Medtronic