Interviewmit Dieter Jaworski

Medtronic Aktie: Trägt die Marge von 23,7 Prozent die MiniMed-Bewertung?

Herzablation wächst, doch Zölle und Preisdruck belasten die Ertragsaussichten; die MiniMed-Trennung ist noch nicht im Gewinn abgebildet.

Die Kernpunkte:
  • Herzablation wächst weltweit um 88 Prozent
  • Bereinigte operative Marge bei 23,7 Prozent
  • Rund 250 Millionen Dollar Zollkosten erwartet
  • MiniMed-Umtausch mit sieben Prozent Abschlag

Wie viel Ertrag bleibt Medtronic nach der Trennung von MiniMed, wenn Zölle die Kosten erhöhen und China die Preise für Medizinprodukte drückt? Das Umtauschangebot läuft noch, während die Prognose das Diabetes-Geschäft weiterhin einschließt. Felix Baarz fragt Dieter Jaworski.

Medtronic (IE00BTN1Y115) — Schlusskurse 10.04.2026 bis 07.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 07.10.2026.

Medtronic (IE00BTN1Y115) — Schlusskurse 10.04.2026 bis 07.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 07.10.2026.

Felix Baarz: Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet Medtronic mit rund 250 Millionen Dollar Zollbelastung. Ist das nicht der größte Einwand gegen eine höhere Bewertung?

Dieter Jaworski: Die Zölle treffen die Herstellungskosten. Das ist ein ernstes Hindernis für höhere Gewinne. Beim Kurs von 78,28 Euro am 7. Oktober halte ich die Bewertung trotzdem für tragfähig, weil das Geschäft mit Herzablation stark wächst. Ob dieses Wachstum den Kostendruck tatsächlich auffängt, muss sich in der Marge zeigen.

Felix Baarz: Sie sagen, das Geschäft mit Herzablation könne den Kostendruck auffangen. Chinas zentrale Ausschreibungen drücken gerade bei solchen Produkten die Preise. Wie soll Ihre Rechnung aufgehen?

Dieter Jaworski: Da werden chinesische Ausschreibungspreise und weltweiter Absatz vermengt. Der Preisdruck in China bleibt; den rechne ich nicht weg. Das weltweite Geschäft mit Herzablation, zu dem auch Geräte für die gepulste Feldablation gehören – eine Behandlung von Herzrhythmusstörungen mit elektrischen Impulsen –, wuchs im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 88 Prozent.

Ich messe meine These an der bereinigten operativen Marge, also am Anteil des Umsatzes, der nach laufenden Kosten und bereinigt um Sondereffekte als Betriebsgewinn bleibt. Im Quartal bis zum 31. Juli 2026 lag sie bei 23,7 Prozent. Steigt sie im laufenden Geschäftsjahr trotz dieser Nachfrage nicht wie vom Management erwartet, habe ich die Ertragskraft überschätzt.

Felix Baarz: Ihr faires Niveau liegt bei rund 93 Euro und damit praktisch beim Analysten-Konsens. Wo unterscheiden Sie sich in der Bewertung?

Dieter Jaworski: Der ähnliche Zielwert ist mir weniger wichtig als der Weg dorthin. Medtronic bietet für den Umtausch in MiniMed-Aktien einen Abschlag von sieben Prozent; das kann die Trennung voranbringen. Die angehobene Prognose enthält das Diabetes-Geschäft aber noch.

Wer die künftige Konzentration auf Herz-Kreislauf-, Neurologie- und Chirurgieprodukte schon als höheren Gewinn verbucht, greift vor. Ich gewichte die tatsächliche Margenentwicklung stärker als die Vereinfachung des Konzerns.

Felix Baarz: Sie sagen selbst, die Trennung sei noch nicht im Gewinn belegt. Ist MiniMed damit in Ihrer Bewertung zu viel wert?

Dieter Jaworski: Ja, diese Gefahr besteht. Ein saubereres Geschäft auf dem Papier rechtfertigt noch keinen höheren Preis. Ich will sehen, was nach der Trennung tatsächlich übrig bleibt.

Felix Baarz: Die US-Behörde FDA hat dem Gefäßballon IN.PACT BTK den Status eines bahnbrechenden Medizinprodukts gegeben. Was müsste folgen, damit dieses Ereignis Ihre Einschätzung spürbar verändert?

Dieter Jaworski: Zunächst klinische Belege und eine Zulassung; der Status beschleunigt das Verfahren, ersetzt beides aber nicht. Ein solches Produkt könnte Medtronics Angebot für Gefäßerkrankungen stärken. Für meine Bewertung zählt später, ob sich daraus ein Geschäft mit Ertrag entwickelt. In China können staatliche Ausschreibungen selbst wirksamen Produkten die Preise drücken.

Felix Baarz: Die bereinigte operative Marge lag im Quartal bis zum 31. Juli bei 23,7 Prozent. Rechtfertigt diese Ausgangslage Ihr faires Niveau für Medtronic?

Dieter Jaworski: Ja, als Bewertung einer Chance, die Medtronic noch belegen muss. Das wachsende Herzablationsgeschäft gibt mir dafür mehr Substanz als die bloße MiniMed-Trennung. Bleibt die Marge stehen, kippt mein Urteil. Ein Rabatt beim Umtausch bezahlt schließlich keine Zollrechnung.

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