Mercedes-Benz Aktie: Belegschaft geht auf die Straße
In Sindelfingen demonstrierten 20.000 Mercedes-Beschäftigte gegen Sparpläne. Eine neue Tarifrunde könnte den Kostendruck weiter erhöhen.

- 20.000 Beschäftigte demonstrierten in Sindelfingen
- Betriebsrat kritisiert Mercedes-Vorstand scharf
- IG Metall beschließt Forderungen am 22. September
- Warnstreiks ab Ende Oktober möglich
Über 20.000 Beschäftigte, ein Werk mit Baujahr 1915 und ein Gesamtbetriebsratschef, der dem Vorstand jeglichen Verstand für die eigene Belegschaft absagt — der Ton in Sindelfingen ist rau geworden. Die Mercedes-Benz-Aktie ließ sich davon zeitweise nicht beirren und legte im XETRA-Handel leicht auf 44,11 Euro zu.
Aktionstag mit deutlicher Ansage
Die IG Metall hatte bundesweit zu einem Aktionstag aufgerufen, in Sindelfingen folgten laut Gewerkschaft mehr als 20.000 Beschäftigte dem Aufruf, Mercedes-Benz selbst bestätigte die Zahl von 20.000 Teilnehmenden. Am Standort, wo unter anderem die S-Klasse vom Band läuft, arbeiten nach Unternehmensangaben mehr als 30.000 Menschen.
Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali wählte scharfe Worte: Der Vorstand könne die Beschäftigten nicht einfach über den Tisch ziehen, man werde sich wehren.
IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch warf dem Management vor, sich zu lange ausgeruht zu haben, während die Belegschaft „Schicht für Schicht abgeliefert“ habe. Neben Mercedes-Benz beteiligten sich im Südwesten laut Gewerkschaftsangaben auch Beschäftigte von Porsche, Bosch, Mahle und Daimler Truck an Aktionen.
Tarifrunde mit Sprengkraft
Der Protest ist mehr als ein Ventil für aufgestaute Frustration über Sparprogramme und Jobabbau in der Autoindustrie. Er ist der Auftakt zu einer Tarifrunde, die für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg brisant werden könnte — rund 900.000 Beschäftigte arbeiten allein in dieser Region in der Branche.
Die IG Metall will ihre Forderungen für Baden-Württemberg am 22. September beschließen, einen Tag nach den Protesten. Die erste Verhandlungsrunde ist für den 7. Oktober in Ludwigsburg angesetzt. Zum 31. Oktober laufen die bestehenden Entgelttarifverträge aus — mit ihnen endet auch die Friedenspflicht, ab dann wären Warnstreiks möglich.
Für Mercedes-Benz trifft der Tarifstreit einen empfindlichen Nerv. Die Autoindustrie kämpft ohnehin mit Gewinneinbrüchen und reagiert vielerorts mit Sparprogrammen — eine harte Tarifauseinandersetzung würde die Kostenseite zusätzlich unter Druck setzen. Wie hart die Fronten tatsächlich verlaufen, dürfte sich erst zeigen, wenn am 7. Oktober die Verhandlungen in Ludwigsburg beginnen.
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