Mercedes-Benz Aktie: China-Desaster schlägt durch!

Der weltweite Absatz gab im dritten Quartal nach, während vollelektrische Pkw um 61 Prozent zulegten; der Zwischenbericht folgt am 28. Oktober.

Die Kernpunkte:
  • Weltweite Auslieferungen um sechs Prozent gesunken
  • China-Verkäufe um 31 Prozent zurückgegangen
  • Elektro-Pkw mit 61 Prozent Absatzplus
  • UBS senkte Kursziel auf 45 Euro

Absatzflaute in China trifft die Kernmarke

Die Vorlage der weltweiten Absatzzahlen für das dritte Quartal 2026 hat die Bruchlinien im Geschäft von Mercedes-Benz offengelegt. Der Konzern setzte im Dreimonatszeitraum weltweit 491.700 Pkw und Vans ab, was einem Rückgang von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Bei der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars fiel das Minus mit acht Prozent auf 407.200 Fahrzeuge noch deutlicher aus.

Besonders schwer wiegt die Entwicklung im wichtigsten Einzelmarkt China. Dort sackten die Verkäufe um 31 Prozent auf 86.800 Pkw ab. Dieser Einbruch trifft das Unternehmen zur Unzeit. Vor der anstehenden Bilanzvorlage muss sich erweisen, wie stark der Mengenschwund im asiatischen Raum das finanzielle Fundament des Stuttgarter Konzerns belastet.

Für Anleger geht es jetzt um die Tragfähigkeit der Rendite. Jahrelang sicherte der chinesische Markt überdurchschnittliche Deckungsbeiträge für das Luxussegment. Bricht dieses Volumen weg, verschiebt sich das Gefüge im gesamten Modellportfolio.

Margendruck durch den regionalen Einbruch

Die entscheidende Frage für die kommenden Monate dreht sich um die operative Marge im Automobilgeschäft. Kann Mercedes-Benz die Ausfälle in Asien durch ein stabileres Geschäft in anderen Regionen kompensieren? Der Pkw-Absatz in China ist traditionell stark auf margenstarke Oberklasse-Limousinen ausgerichtet, deren Fehlen direkt auf das Konzernergebnis durchschlägt.

Gestern verwies Analyst Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS auf den wachsenden Gegenwind durch chinesische Wettbewerber. Hummel senkte das Kursziel für den Autobauer von 50 auf 45 Euro und stufte den Titel auf Neutral ein. Der lokale Konkurrenzdruck in China beschränkt sich längst nicht mehr nur auf das Volumensegment, sondern erreicht zunehmend die Premiumklassen.

Investoren müssen deshalb genau beobachten, ob der Konzern seine Preisdisziplin halten kann. Wenn Rabatte nötig werden, um Marktanteile zu verteidigen, geraten die Rentabilitätsziele unmittelbar in Gefahr.

Rekordwert bei Elektroautos und Kostensenkungen

Auf der anderen Seite existieren operative Faktoren, die das bullische Szenario stützen. Im Bereich der alternativen Antriebe gelang dem Konzern im dritten Quartal ein deutlicher Sprung.

Der Absatz vollelektrischer Pkw kletterte um 61 Prozent auf 68.400 Einheiten. Das markiert einen neuen Quartalsrekord für die Stuttgarter. Gelingt es, diese Dynamik fortzusetzen, könnte der Autobauer seine Transformation im Modellprogramm schneller vorantreiben als bisher erwartet.

Parallel dazu steuert das Management bei den Fixkosten gegen. Ein freiwilliges Abfindungsprogramm für Beschäftigte in indirekten Bereichen in Deutschland wurde neu aufgelegt. Der Start dieser personellen Restrukturierung ist für Dezember 2026 vorgesehen, um die Kostenbasis nachhaltig zu senken.

Zusätzlich setzt das Unternehmen auf Kapitaldisziplin und stützt die eigenen Anteile. Im Rahmen des laufenden Rückkaufprogramms erwarb Mercedes-Benz in der Woche bis zum 2. Oktober weitere 875.000 eigene Aktien. Diese Mittelverwendung signalisiert Vertrauen der Führung in die bilanzielle Stärke.

Wachsende Konkurrenz bedroht die Preisdurchsetzung

Dem positiven Szenario steht jedoch ein handfestes Abwärtsrisiko gegenüber. Sollte der Einbruch im chinesischen Markt keine vorübergehende Schwächephase sein, droht ein dauerhafter Verlust an Preissetzungsmacht. Heimische Konkurrenten gewinnen im Premiumsegment rasant an Boden und zwingen ausländische Hersteller zu Zugeständnissen.

Gleichzeitig bleibt der technologische Hochlauf kapitalintensiv. Elektrofahrzeuge werfen bei vielen Herstellern noch nicht dieselben Margen ab wie etablierte Modelle mit Verbrennungsmotor. Gelingt es nicht, Skaleneffekte bei den Batteriefahrzeugen rasch in bare Münze umzuwandeln, droht eine langanhaltende Margenverwässerung.

Hinzu kommt das Risiko allgemeiner Nachfrageschwächen in Europa und Nordamerika. Ein gleichzeitiger Dämpfer in mehreren Kernmärkten würde den Spielraum für Gegenmaßnahmen drastisch einengen.

Zwischenbericht am 28. Oktober liefert Fakten

Für die Marktteilnehmer spitzt sich die Lage nun charttechnisch wie fundamental zu. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 39,73 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier damit einen deutlichen Kursrückgang von 34 Prozent.

Solange sich die Notierung über dem jüngst markierten 52-Wochen-Tief von 38,90 Euro hält, besteht für Investoren die Chance auf eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Ein Abrutschen unter diesen Boden dürfte hingegen weiteren Verkaufsdruck auslösen, falls die Ertragserwartungen nach unten angepasst werden müssen.

Der nächste zentrale Meilenstein für die weitere Richtung ist klar terminiert: Am 28. Oktober 2026 veröffentlicht die Mercedes-Benz Group AG ihren Zwischenbericht zum dritten Quartal. Im Rahmen der anschließenden Telefonkonferenz wird das Management darlegen müssen, wie tief die Absatzdelle tatsächlich in die Erträge geschnitten hat.

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