Mercedes-Benz Aktie: Gegenwind bleibt

Trotz wegfallender US-Zölle belasten rückläufige Absatzzahlen und Margendruck die Mercedes-Benz Aktie. Die Quartalszahlen im Februar werden als nächster Prüfstein erwartet.

Die Kernpunkte:
  • Absatzrückgang belastet Pkw-Segment und Profitabilität
  • Van-Sparte stabilisiert mit robuster Rendite
  • Aktie notiert mit moderater Bewertung und hoher Dividende
  • Volle Zahlen für 2025 werden im Februar erwartet

Zoll-Entlastung aus den USA auf der einen, spürbarer Absatzrückgang und Margendruck auf der anderen Seite: Für die Mercedes-Benz Aktie prallen derzeit widersprüchliche Signale aufeinander. Während der politische Druck kurzfristig nachlässt, rückt die operative Schwäche im Kerngeschäft stärker in den Vordergrund. Wie robust ist das Geschäftsmodell in diesem Umfeld?

Politische Entspannung, aber strukturelle Belastungen

Die Kehrtwende von US-Präsident Trump bei den angekündigten Importzöllen hat die europäische Autoindustrie in dieser Woche deutlich entlastet. Geplant waren ab dem 1. Februar 10-Prozent-Zölle auf Waren aus acht europäischen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und die Niederlande – mit einer Anhebung auf 25 Prozent im Juni. Nach einer Einigung mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte über eine Rahmenvereinbarung zur Arktis-Region wurden diese Maßnahmen jedoch zurückgenommen.

Davon profitierten vor allem die in den USA notierten Papiere der europäischen Hersteller. Die Mercedes-Benz ADRs legten im Anschluss an die Ankündigung um 3,6 Prozent auf 17,10 US-Dollar zu, Wettbewerber wie Stellantis (+6 Prozent) und Volkswagen (+5 Prozent) zogen noch stärker an. Für die Stuttgarter bedeutet der Rückzieher: Die ohnehin belasteten Margen werden nicht zusätzlich durch neue US-Zölle unter Druck gesetzt.

Trotz der Erleichterung bleibt die Aktie aber schwankungsanfällig. Am Freitag schloss sie bei 58,30 Euro, was einem leichten Tagesminus von 0,87 Prozent entspricht. Auf Sicht von 30 Tagen summiert sich der Rückgang auf rund 16 Prozent – ein klares Zeichen, dass die Anleger vor allem die operativen Themen im Blick haben.

Schwächerer Absatz und Margendruck

Im Fokus steht das Geschäftsjahr 2025, das klar von rückläufigen Stückzahlen geprägt ist. Die wichtigsten Eckpunkte:

  • Gesamtabsatz 2025: 2,16 Mio. Fahrzeuge (–10 % zum Vorjahr)
  • Q4 2025: 558.400 Pkw und Vans (–11 %)
  • Elektrifizierungsquote: 15,3 % TEV-Anteil, 20,5 % xEV-Anteil global
  • Aktienrückkauf: 7.116.122 Aktien bis Mitte Januar 2026 zurückgekauft

Der Absatzrückgang belastet insbesondere das Pkw-Segment. In einer Pre-Close-Telefonkonferenz wies das Management darauf hin, dass das vierte Quartal zusätzlich unter einer ungünstigen Kostenverteilung gelitten hat. Nach Einschätzung von Kepler-Cheuvreux-Analyst Michael Raab drückten „volle Zollbelastungen für das Jahr und ungünstiges Cost Phasing“ auf die Profitabilität.

Konkret bedeutet dies: Der bereinigte Return on Sales im Pkw-Bereich lag im Schlussquartal unter den 5,7 Prozent, die bis zum dritten Quartal erzielt wurden. Dennoch hält der Konzern an der Jahresprognose von 4 bis 6 Prozent fest. Das signalisiert, dass der Druck zwar spürbar ist, aber aus Sicht des Managements noch im Rahmen der eigenen Erwartungen liegt.

Beim Free Cash Flow zeichnet sich ein ähnliches Bild: Nach dem vierten Quartal lag der Free Cash Flow des Industriegeschäfts bei rund 5,6 Milliarden Euro – in etwa auf dem Niveau nach neun Monaten. Das Schlussquartal war damit praktisch cash-neutral und lieferte keinen zusätzlichen Impuls.

Vans-Sparte als Stabilisator

Positiver fällt die Entwicklung im Van-Geschäft aus. Hier dürfte der bereinigte Return on Sales am oberen Ende der Prognosespanne von 8 bis 10 Prozent liegen. Damit erweist sich die Sparte als wichtiger Stabilisator innerhalb des Konzerns und federt die schwächere Entwicklung im Pkw-Segment teilweise ab.

Bewertung, Kursbild und Kennzahlen

Trotz der Belastungsfaktoren ist die Bewertung im Branchenvergleich moderat. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 56 Milliarden Euro. Mit einem KGV von etwa 8,5 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,57 notiert die Aktie deutlich unter dem historischen Durchschnitt.

An der Börse spiegelt sich die Zurückhaltung in den jüngsten Kursbewegungen wider. Auf Wochensicht hat der Titel leicht nachgegeben, in den letzten 30 Tagen summiert sich das Minus jedoch auf etwa 16,7 Prozent. Vom 52‑Wochen-Hoch bei 70,10 Euro ist der Kurs damit rund 17 Prozent entfernt, gleichzeitig liegt er noch klar über dem 52‑Wochen-Tief von 47,05 Euro.

Charttechnisch bewegt sich die Aktie knapp unter dem 50‑Tage-Durchschnitt von 60,38 Euro, bleibt aber über der 200‑Tage-Linie bei 54,86 Euro. Der 14‑Tage-RSI von 36,3 deutet auf eine fortgeschrittene Konsolidierungsphase hin, ohne bereits in klar überverkauftes Terrain zu rutschen. Die annualisierte 30‑Tage-Volatilität von über 70 Prozent unterstreicht die derzeit hohen Schwankungen.

Ein wichtiger Bestandteil der Investmentstory bleibt die Ausschüttung: Auf Basis einer erwarteten Dividende von 4,30 Euro je Aktie ergibt sich eine Rendite von rund 7,3 Prozent. In Kombination mit dem laufenden Aktienrückkaufprogramm – bislang wurden über 7,1 Millionen Aktien eingezogen – setzt der Konzern weiterhin auf eine aktionärsfreundliche Kapitalallokation.

Ausblick: Quartalszahlen als nächster Test

Entscheidend für die weitere Kursentwicklung werden die vollständigen Zahlen zum vierten Quartal und zum Gesamtjahr 2025 sein, die am 12. Februar 2026 vorgelegt werden. Dann wird klarer sichtbar, wie stark die Margen im Pkw-Geschäft tatsächlich gelitten haben und wie das Management die Profitabilität im laufenden Jahr stabilisieren will.

Besonderes Augenmerk dürfte auf dem Ausblick für 2026 liegen – insbesondere mit Blick auf die weiterhin bestehende Zoll-Grundbelastung von 15 Prozent im Rahmen des aktuellen EU-Abkommens und den Fortschritt bei der Elektrifizierung der Flotte. Gelingt es, die Kostenbasis zu glätten und die Van-Stärke zu nutzen, könnte sich die derzeit gedrückte Bewertung als Chance erweisen; bleiben die Margen jedoch unter Druck, dürfte der Markt die Aktie vorerst in der Defensive halten.

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