Mercedes-Benz Aktie: High Court weist Diesel-Vorwürfe ab
High Court weist Dieselvorwürfe gegen Mercedes-Benz weitgehend ab. Aktie erholt sich, doch Absatzrückgang und China-Schwäche belasten weiter.

- High Court weist Dieselklagen weitgehend ab
- Aktie legt nach Urteil um 3,77 Prozent zu
- Absatz im zweiten Quartal um 6 Prozent gesunken
- China-Geschäft bricht um 30 Prozent ein
Das Gericht wies am 10. Juli 2026 die meisten zentralen Vorwürfe der rund 1,6 Millionen Sammelkläger im britischen Verfahren um Diesel-Abschalteinrichtungen ab. Für den Konzern, der seit Jahren mit Milliardenforderungen aus verschiedenen Dieselverfahren konfrontiert ist, markiert das Urteil eine spürbare Entlastung – auch wenn der Rechtsstreit damit nicht vollständig beendet ist.
Die Aktie reagierte auf die Nachricht mit Erholung: Binnen sieben Handelstagen legte das Papier um 3,77 Prozent zu und schloss zuletzt bei 45,81 Euro. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 62,30 Euro aus dem Dezember 2025 bleibt aber weiterhin ein deutlicher Abstand von 26,46 Prozent.
Absatz sinkt, China bricht ein, Elektroautos legen zu
Der juristische Teilerfolg fällt in eine Phase operativer Schwäche. Am 10. Juli 2026 meldete Mercedes-Benz für das zweite Quartal einen Absatzrückgang von 6 Prozent auf insgesamt 511.900 verkaufte Pkw und Vans. Besonders deutlich fiel der Einbruch im China-Geschäft aus: Dort sackte der Pkw-Absatz um 30 Prozent ab. Gegenläufig entwickelte sich das Geschäft mit vollelektrischen Fahrzeugen, das nach Konzernangaben weltweit auf 63.000 verkaufte Einheiten anstieg – ein Lichtblick in einem sonst rückläufigen Quartal.
Trotz der schwachen Absatzzahlen zeigte sich das Management laut Bernstein Research zuversichtlich, die Jahresziele bei der Pkw-Umsatzrendite zu erreichen. Analyst Stephen Reitman verwies nach einem Pre-Close-Call auf diese Aussage des Managements und bestätigte am 14. Juli 2026 seine Einstufung „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 61,00 Euro.
Analysten uneins über das Potenzial
Deutlich optimistischer positioniert sich die Deutsche Bank. Analyst Tim Rokossa bestätigte am 16. Juli 2026 die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 74,00 Euro. Er begründete seine Einschätzung mit der strategischen Bedeutung des Werksausbaus in Ungarn, der zur Optimierung der Produktionskosten beitragen soll. Zwischen dem Kursziel der Deutschen Bank und jenem von Bernstein liegt damit eine erhebliche Spanne von 13,00 Euro – ein Zeichen dafür, wie unterschiedlich die Perspektiven für den Konzern derzeit eingeschätzt werden.
Auch auf der Aktionärsseite gibt es Bewegung: Anfang Juni meldete die Bank of America Corporation eine WpHG-Stimmrechtsmitteilung, wonach ihr direkt gehaltener Stimmrechtsanteil an der Mercedes-Benz Group AG bei 0,17 Prozent liegt, während die Gesamtzahl inklusive Finanzinstrumenten 4,85 Prozent erreicht.
Zwischenbericht als nächster Prüfstein
Für Anleger rückt nun der 28. Juli 2026 in den Fokus. An diesem Tag will Mercedes-Benz den vollständigen Zwischenbericht für das zweite Quartal 2026 veröffentlichen. Dann dürfte sich zeigen, ob das Management die von Bernstein zitierte Zuversicht bei der Umsatzrendite bestätigen kann – und ob der schwache China-Absatz durch das wachsende Elektrogeschäft und Kostenmaßnahmen wie den Werksausbau in Ungarn kompensiert werden kann. Der jüngste juristische Erfolg vor dem High Court könnte dabei zumindest einen Belastungsfaktor der vergangenen Jahre spürbar reduzieren.
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