Mercedes-Benz Aktie: Jonas von Malottki neuer CIO

Mercedes-Benz ernennt neuen IT-Chef, senkt Absatzprognose wegen China-Schwäche und sieht sich mit US-Gesetzesrisiken konfrontiert. Analysten reagieren verhalten.

Die Kernpunkte:
  • Neuer CIO ab Oktober
  • Absatzprognose wegen China gesenkt
  • US-Gesetz bedroht Marktzugang
  • Analysten senken Kursziele

Mercedes-Benz stellt seine IT-Organisation neu auf. Ab dem 1. Oktober 2026 übernimmt Jonas von Malottki als neuer Chief Information Officer die weltweite IT-Leitung des Autobauers und folgt auf Katrin Lehmann, die das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt. Für den Übergangsmonat September soll ein Interims-CIO die Verantwortung tragen. Von Malottki war zuletzt seit Juni 2025 als CIO von Mitsubishi-Fuso in Japan tätig.

Die Personalie fällt in eine Phase, in der die Aktie ohnehin unter Druck steht. Am heutigen Freitag notiert das Papier bei 46,78 Euro und gibt damit um 0,16 Prozent nach. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 22,41 Prozent zu Buche – ein Ausmaß, das die Belastungen aus dem laufenden Geschäftsjahr deutlich widerspiegelt.

China-Schwäche drückt Ergebnis, Absatzprognose gesenkt

Am Dienstag legte Mercedes-Benz Zahlen zum zweiten Quartal vor, die die Probleme im China-Geschäft offenlegten. Finanzchef Harald Wilhelm senkte die Pkw-Absatzprognose für 2026: Statt der 1,8 Millionen Fahrzeuge aus dem Vorjahr rechnet der Konzern nun eher mit 1,7 Millionen Einheiten. Trotzdem übertraf das operative Ergebnis die Erwartungen deutlich – bereinigt um China-Belastungen und andere Sonderfaktoren lag der Betriebsgewinn bei 2,3 Milliarden Euro, während Analysten im Schnitt nur mit 1,65 Milliarden Euro gerechnet hatten.

Einen Teil der Erholung verdankt der Konzern seiner Lkw-Tochter: Aus dem Verkauf von Daimler-Truck-Aktien flossen im zweiten Quartal rund 417 Millionen Euro zu. Insgesamt hat Mercedes-Benz damit bereits Anteile im Wert von einer Milliarde Euro veräußert, der verbliebene Anteil sank von 37,6 auf knapp 35 Prozent. Für Anleger ist die Beteiligung damit zunehmend eine Kapitalquelle statt eines strategischen Kernbestands.

US-Gesetzesvorhaben bedroht Marktzugang

Parallel zu den operativen Herausforderungen wächst ein politisches Risiko in den Vereinigten Staaten. Ende Juli billigte der US-Senatsausschuss für Handel eine verschärfte Fassung des „Motor Vehicle Modernization Act of 2026“, der eine Eigentumsschwelle von 15 Prozent für chinesische Anteilseigner vorsieht. Mercedes-Benz‘ größte Einzelaktionäre sind der chinesische Staatskonzern BAIC mit 9,98 Prozent und Geely-Gründer Li Shufu mit 9,69 Prozent – zusammen läge man theoretisch über der geplanten Schwelle. Senator Moreno erklärte, der Konzern hätte bis 2030 Zeit, die Vorgabe zu erfüllen, und könne zudem eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Senator Cruz warf General Motors vor, die Regelung zu unterstützen, um Mercedes-Benz aus dem US-Markt zu drängen – ein Vorwurf, den GM zurückwies.

CEO Ola Källenius reagierte öffentlich mit einer Zusage zum Schutz des US-Geschäfts: „If we need to make adjustments to comply with anything, we will make sure that we protect our presence and our business in the U.S.“, sagte er. Laut Bloomberg bemüht sich der Konzern zudem hinter den Kulissen darum, das Gesetzesvorhaben abzuschwächen. Operativ reagiert Mercedes-Benz bereits: Der meistverkaufte Crossover GLC soll künftig auch in Vance, Alabama, gebaut werden, um US-Zollbelastungen zu reduzieren. Vertriebschef Mathias Geisen räumte allerdings ein, dass der Konzern die Ausfälle aus China derzeit nicht kompensieren könne.

Analysten bleiben verhalten

Nach den Quartalszahlen reagierten mehrere Analysehäuser. Goldman Sachs hob am Montag das Kursziel von 65 auf 67 Euro an und beließ es bei „Buy“. Analyst Christian Frenes erhöhte seine Ebit-Schätzung für 2026 vor allem wegen der Finanzdienstleistungssparte, senkte sie im Kerngeschäft Pkw aber wegen Kosten und Gegenwind in China leicht.

Zurückhaltender fällt die Einschätzung der DZ Bank aus: Die Bank bestätigte zwar die „Buy“-Bewertung, reduzierte aber den fairen Wert von 60 auf 55 Euro. Analyst Michael Punzet begründete den Schritt damit, dass das Pkw-Geschäft unter massivem Druck in China leide, während Vans, Finanzdienstleistungen und Cashflow überzeugten – er kappte seine Umsatz- und Gewinnprognosen bis 2028. Auch Bernstein Research und die Privatbank Berenberg senkten Ende Juli ihre Kursziele auf jeweils 56 Euro und stuften die Aktie mit „Market-Perform“ beziehungsweise „Hold“ ein.

Rückkaufprogramm läuft weiter

Unabhängig von der Nachrichtenlage setzt Mercedes-Benz sein Aktienrückkaufprogramm fort. Der Vorstand hatte mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, zwischen dem 3. November 2025 und dem 3. November 2026 bis zu 96 Millionen eigene Aktien für insgesamt bis zu 2 Milliarden Euro zurückzukaufen. Die nächsten Quartalszahlen für das dritte Quartal 2026 will der Konzern am 28. Oktober vorlegen – dann dürfte sich zeigen, ob die China-Schwäche anhält und wie sich das politische Risiko in den USA weiter entwickelt.

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