Mercedes-Benz Aktie: Protest lässt Kurs kalt

Trotz Massenprotesten der Belegschaft gegen Sparmaßnahmen legt die Mercedes-Aktie zu. Anleger begrüßen den Sparkurs.

Die Kernpunkte:
  • Großkundgebungen gegen verschärften Sparkurs
  • Transformationsbaustein wird auf 2027 verschoben
  • Aktie steigt trotz Protesten um 1,4 Prozent
  • Weitere Aktionen für Juli angekündigt

Zehntausende Beschäftigte auf der Straße, der Vorstand unter Druck – und die Aktie klettert trotzdem. Bei Mercedes-Benz klafft an diesem Freitag die Stimmung in den Werkshallen und die Stimmung im Depot weit auseinander.

Die IG Metall hatte an mehreren deutschen Standorten zu Kundgebungen aufgerufen, unter anderem in Sindelfingen, Untertürkheim, Rastatt, Bremen und Berlin. Bei den Teilnehmerzahlen gehen die Angaben deutlich auseinander: Die Gewerkschaft spricht von rund 20.000 Beschäftigten, das Unternehmen von etwa 10.000. Unabhängig von der genauen Zahl war der Protest der bislang größte Ausdruck des Unmuts über den verschärften Sparkurs des Autobauers.

Auslöser ist ein Schreiben des Vorstands an die Belegschaft, das für Unruhe sorgte. Etwa 90.000 der rund 108.000 Beschäftigten in Deutschland erhalten die tarifliche Sonderzahlung, den sogenannten Transformationsbaustein von 18,4 Prozent des Monatsentgelts, in diesem Jahr nicht wie geplant im Juli. Das Management verschiebt die Zahlung auf 2027. Hinzu kommen Gespräche über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich – ein Angriff auf die seit 1995 geltende 35-Stunden-Woche in Westdeutschland.

Kurs bewegt sich gegen den Protest

Während Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali von einem Abbau „hart erkämpfter Errungenschaften“ sprach und IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch dem Vorstand „Fehlentscheidungen“ vorwarf, zeigte sich die Aktie unbeeindruckt. Im Xetra-Handel legte das Papier zeitweise um 1,42 Prozent auf 45,46 Euro zu. Anleger scheinen den Sparkurs eher als überfälligen Schritt zur Kostensenkung zu werten denn als Risiko.

Die Gewerkschaft kündigte an, dass der Freitag erst der Auftakt war. Für den 9. Juli ist in Stuttgart ein branchenweiter Autokorso von Beschäftigten geplant. IG Metall spricht von einem „heißen Sommer und Herbst“, sollte die Branche weiter auf Stellenabbau statt auf Investitionen setzen. Wie weit der Konflikt eskaliert, dürfte sich in den kommenden Wochen an den Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat über die Arbeitszeitregelung entscheiden.

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