Mercedes-Benz Aktie: Warnstreiks voraus

Mercedes-Benz senkte den Jahresausblick; zugleich sind Warnstreiks nach Ende der Friedenspflicht möglich, Zeitpunkt und Ort bleiben offen.

Die Kernpunkte:
  • IG Metall fordert fünf Prozent mehr
  • Arbeitgeberangebot von Gewerkschaft zurückgewiesen
  • China-Absatz im dritten Quartal rückläufig
  • Pkw-Renditeprognose für 2026 gesenkt

Der Tarifkonflikt in der Südwest-Metallindustrie spitzt sich zu, und Mercedes-Benz steckt mittendrin. Ab Sonntag sind Warnstreiks möglich. Für den Autobauer kommt das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die Prognose ist gerade gesenkt, das Pkw-Geschäft schwächelt.

IG Metall erhöht den Druck

Die Friedenspflicht endet mit Ablauf des 31. Oktober. Die Gewerkschaft kündigt eine „laute Antwort“ an, weil die Arbeitgeber bei Arbeitsplatzsicherung und Standortzukunft aus ihrer Sicht keine Antworten liefern. In früheren Tarifrunden mobilisierte die IG Metall regelmäßig auch bei Mercedes-Benz, Porsche, Bosch und ZF.

Die Forderung: fünf Prozent mehr Geld für rund 900.000 Beschäftigte in Baden-Württemberg, dazu eine Gewinnbeteiligung in profitablen Betrieben. Das Angebot von Südwestmetall lehnte die Gewerkschaft als unzureichend ab. Es sieht eine Einmalzahlung von einem Prozent im Juli 2027 vor, die Firmen mit geringer Profitabilität verschieben oder streichen könnten. Eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent soll erst ab Juli 2028 greifen.

Der Arbeitgeberverband spricht von der größten Strukturkrise in der Geschichte der Bundesrepublik. Einer Umfrage zufolge rechnet gut die Hälfte der Unternehmen im Südwesten mit Personalabbau.

Pkw-Sparte ohnehin unter Druck

Mercedes-Benz hatte erst am Dienstag den Jahresausblick gesenkt. Die Pkw-Sparte erwartet für 2026 nur noch eine bereinigte Umsatzrendite von 2 bis 3 Prozent, bisher waren 3 bis 5 Prozent geplant. Hauptgrund ist China: Dort brach der Pkw-Absatz im dritten Quartal um 31 Prozent ein.

Im Quartal lag die Cars-Marge bei 2,5 Prozent, im Vorjahr waren es 4,8 Prozent. Der Free Cashflow des Industriegeschäfts blieb mit 172 Millionen Euro weit unter den erwarteten 422 Millionen. Finanzchef Harald Wilhelm schloss für das Schlussquartal einen operativen Verlust im Pkw-Geschäft nicht aus.

Das Analystenbild bleibt gespalten. Die Kursziele reichen von 37 bis 70 Euro, die Deutsche Bank senkte auf 65 Euro und bleibt bei Buy. UBS kappte auf 42,50 Euro bei Hold, Citi sieht die Aktie bei 40 Euro. Jefferies warnt zudem vor zusätzlichen Risiken für 2027.

Was als Nächstes kommt

Ob und wo Warnstreiks bei Mercedes-Benz stattfinden, ist offen. Konzernchef Ola Källenius will im Februar 2027 mit der Prognose fürs Folgejahr konkretisieren, wie er die China-Abhängigkeit senken will. Als vorläufiger Zahlentermin ist der 18. Februar 2027 vermerkt.

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