Merck Aktie: Zollfolgen für Pharmabranche
Der VFA prognostiziert für 2026 sinkende Produktion und Umsätze; US-Investitionen und höhere Rabatte belasten den Standort Deutschland.

- Pharmaproduktion soll 2026 um 2,2 Prozent sinken
- Realer Branchenumsatz dürfte um 1,8 Prozent zurückgehen
- Merck sagte Milliardeninvestitionen in den USA zu
- Standortklausel für Rabatte ist noch geplant
Die deutsche Pharmaindustrie rechnet für 2026 mit einem Rückschlag. Der Zollstreit mit den USA und die Sparpolitik in Berlin belasten die Branche, zu der auch Merck aus Darmstadt gehört. Die Aktie gab im Xetra-Handel zeitweise gut ein Prozent auf 144,75 Euro nach.
Gegenbewegung nach dem Vorzieheffekt
Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) erwartet in seiner Prognose für dieses Jahr einen Rückgang der Pharmaproduktion um 2,2 Prozent. Der reale Umsatz dürfte um 1,8 Prozent sinken. Der Beschäftigungsaufbau mit knapp 130.000 Mitarbeitern in Deutschland sei fast zum Erliegen gekommen.
Der Grund liegt zum Teil in 2025. Weil Donald Trump wiederholt mit Arzneizöllen gedroht hatte, zogen Unternehmen ab dem Frühjahr umfangreiche Lieferungen in die USA vor. Umsatz und Produktion legten damals kräftig zu. Nun folgt laut VFA die Gegenbewegung. Hinzu kommt das Niedrigwasser, das die Produktion zusätzlich bremst.
Drohkulisse mit Folgen
Trump hatte zeitweise 100-prozentige Zölle auf patentgeschützte Medikamente ins Spiel gebracht. Dazu kam es nicht. Der Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington deckelt die Abgaben für europäische Arzneien bei 15 Prozent.
Die Unruhe blieb dennoch, denn rund ein Viertel der deutschen Pharmaexporte geht in die USA. Der Markt ist wegen der deutlich höheren Arzneipreise dort unverzichtbar. Viele Konzerne, darunter Merck, sagten auf Trumps Druck Milliardeninvestitionen in Amerika zu. Der VFA geht davon aus, dass sich dadurch Investitionen aus Deutschland verlagern.
Sparvorgaben im Inland
Auch die Bundesregierung setzt die Branche unter Druck. Sie hat die Herstellerrabatte für patentgeschützte Medikamente auf mehr als das Doppelte angehoben, um die Krankenkassenbeiträge stabil zu halten.
Der VFA warnt, Investitionen und Forschungsausgaben könnten bis 2030 um gut vier Milliarden Euro niedriger ausfallen. Für 2027 erwartet er einen Rückgang der Pharma-Investitionen um 1,8 Prozent. Roche hat Investitionen bereits gestoppt oder auf den Prüfstand gestellt.
Eine geplante Standortklausel soll die Last mildern. Sie knüpft die Rabatte an Investitionen, Produktion und klinische Forschung in Deutschland. Die Krankenkassen halten dagegen: Die Pharmaindustrie verdiene in Deutschland weiterhin blendend, sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Stefanie Stoff-Ahnis.
Für Merck zählt damit vor allem, wie die Standortklausel am Ende ausgestaltet wird. Sie entscheidet mit darüber, ob Investitionen eher in Darmstadt oder in den USA landen. Die höheren Herstellerrabatte greifen ab 2027.
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