Meta Aktie: 3.000 weitere Klagen zugelassen

Metas juristische Altlasten werden konkret: Der Konzern sieht sich Klagen über 1,4 Billionen Dollar gegenüber, während das operative Geschäft boomt.

Die Kernpunkte:
  • Klagen wegen suchtartiger Nutzung
  • 1,4 Billionen Dollar Haftungsrisiko
  • Umsatzsprung trotz Rechtsstreit
  • Aktie deutlich unter Jahreshoch

Es gibt Zahlen, die so gigantisch sind, dass sie ihre eigene Bedeutung verlieren. 1,4 Billionen Dollar – so hoch könnte laut Aussage von Metas eigenen Anwälten das theoretische Haftungsrisiko in dem Prozess sein, der seit gestern vor einem kalifornischen Bundesgericht läuft. 29 US-Bundesstaaten werfen dem Konzern vor, Facebook und Instagram gezielt süchtig machend für Kinder gestaltet und Eltern über die Sicherheit der Plattformen getäuscht zu haben.

Die Staaten selbst halten eher 200 Milliarden Dollar für realistisch, wie CNBC berichtete. Doch selbst diese „kleinere“ Zahl würde jeden Quartalsgewinn der Firmengeschichte verschlingen.

Das ist die eigentliche Geschichte hinter der Geschichte: Wir haben uns an so astronomische Summen gewöhnt, dass wir kaum noch merken, wie außergewöhnlich die juristische Lage für Meta gerade ist.

Ein Berufungsgericht in Kalifornien hat vor rund einer Woche entschieden, dass mehr als 3.000 weitere Klagen wegen suchtartiger Nutzung gegen Meta und andere Social-Media-Konzerne fortgesetzt werden dürfen – Reuters berichtete, die Richter hätten Metas Einspruch als verfrüht zurückgewiesen. Der Oakland-Prozess ist also nicht die Ausnahme, sondern der erste sichtbare Ausläufer einer viel größeren juristischen Welle.

Politischer Druck von allen Seiten

Während im Gerichtssaal verhandelt wird, wächst der Druck auch aus dem Kapitol. US-Senator Mark Warner schickte Mark Zuckerberg gestern einen Brief, in dem er auf Medienberichte verweist, wonach zwischen November 2025 und Anfang August 2026 Werbung mit Missbrauchsdarstellungen und nicht einvernehmlichen intimen Bildern auf Meta-Diensten geschaltet wurde.

Warner fordert Aufklärung über Werbesicherheit und Durchsetzungspraxis. Es ist ein Muster, das sich durch die gesamte Debatte um Meta zieht: Die Plattformen sind zu groß geworden, um jede einzelne Anzeige zu kontrollieren – und genau das wird nun zum politischen und juristischen Hebel gegen den Konzern.

Was diese Gemengelage so bemerkenswert macht, ist der Kontrast zum operativen Geschäft. Anfang des Monats meldete Meta laut S&P Global Market Intelligence einen Umsatzsprung von 28 Prozent auf 60,8 Milliarden Dollar im zweiten Quartal – und erhöhte gleichzeitig die Investitionsprognose für das laufende Jahr auf 165 bis 169 Milliarden Dollar, getrieben von schnelleren KI-Investitionen und steigenden Speicherpreisen.

Meta wettet also mit einer Hand Milliardensummen auf die KI-Zukunft, während die andere Hand sich gegen Vorwürfe verteidigt, die Vergangenheit der eigenen Plattformen habe Kinder geschädigt.

Zuckerberg selbst wirbt parallel für offenere US-Regeln für Open-Source-KI und hat mit „Muse Glimmer“ ein neues offenes Modell veröffentlicht, dem laut Reuters weitere folgen sollen – ergänzt um das kürzlich vorgestellte Entwickler-Tool „Muse Code“.

Der Markt hat längst reagiert

Die Börse hat diese Widersprüchlichkeit bereits eingepreist, lange bevor die ersten Eröffnungsplädoyers gestern fielen. Die Aktie notiert aktuell bei 471,20 Euro und damit rund 30 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von Mitte September vergangenen Jahres. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 16 Prozent zu Buche – eine Größenordnung, die zeigt, dass Anleger die Rechtsrisiken keineswegs ignorieren, selbst wenn die operativen Zahlen glänzen.

Man kann das als Lehrstück lesen: Ein Unternehmen, das mit enormem Tempo in die technologische Zukunft investiert, trägt gleichzeitig die Lasten einer Vergangenheit, in der Wachstum offenbar wichtiger war als Vorsicht.

Ob am Ende 1,4 Billionen, 200 Milliarden oder eine ganz andere Summe am Ende des Prozesses steht, ist noch offen. Klar ist schon jetzt: Die Ära, in der Plattformkonzerne für die Wirkung ihrer Algorithmen auf Kinder kaum haftbar gemacht wurden, geht zu Ende. Meta ist nur der erste Fall, an dem sich zeigt, wie teuer das werden kann.

Anzeige

Meta-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Meta-Analyse vom 20. August liefert die Antwort:

Die neusten Meta-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Meta-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 20. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Meta: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Meta