Meta Aktie: Kamera raus, Kontrolle rein

Meta arbeitet an der kamerafreien Luna-Brille, während neue Jugendschutzpläne und die Kontroverse um bestehende Modelle Druck erhöhen.

Die Kernpunkte:
  • Luna könnte im Oktober erscheinen
  • Sechs Mikrofone ersetzen die Kamera
  • Klagen und Ermittlungen belasten Meta
  • Neue Jugendschutzregeln erhöhen den Druck

Meta arbeitet an einer smarten Lösung für ein handfestes Imageproblem. Die aktuelle Ray-Ban-Meta-Brille hat dem Konzern in diesem Jahr den Spitznamen „Perversen-Brille“ eingebracht – kein Titel, den sich ein Marketingteam wünscht. Jetzt zeichnet sich ab, wie Meta gegensteuern will.

Brille ohne Linse

Intern trägt das Projekt den Namen Luna: eine kamerafreie Smart-Glasses-Variante, die schon im Oktober auf den Markt kommen könnte. Statt einer Linse verbaut Meta sechs Mikrofone, über die Nutzer mit Meta AI und dem neuen persönlichen KI-Assistenten Muse sprechen können. Ein seitlicher Knopf aktiviert die Sprachfunktion, die Bügel sollen schlanker ausfallen als bei den aktuellen Modellen.

Der Grund für die Kehrtwende liegt auf der Hand. Eine BBC-Recherche hatte im Januar dokumentiert, wie Frauen ohne ihr Wissen gefilmt und die Aufnahmen auf TikTok verbreitet wurden. Eine Investigation im Februar deckte zudem auf, dass Vertragspartner in Nairobi Videomaterial sichteten, das Menschen beim Ausziehen oder auf der Toilette zeigte.

Sammelklagen, eine Untersuchung des texanischen Generalstaatsanwalts und eine von der ACLU angeführte Koalition gegen Gesichtserkennungspläne folgten. Selbst Sicherheitsbehörden reagierten: Die US-Einwanderungsbehörde ICE untersagte eigenen Mitarbeitern das Tragen der Brille im Dienst.

Eine kameralose Version umgeht diese Kontroverse zumindest auf dem Papier. Sie kann niemanden heimlich filmen – verliert damit aber auch das Kernfeature, das die Ray-Ban-Meta-Brille überhaupt populär gemacht hat: freihändige Fotos und Videos aus der Ich-Perspektive.

Regulierung von zwei Seiten

Während Meta an der Hardware feilt, wächst der politische Druck auf der anderen Seite des Geschäfts. Bundesbildungsministerin Karin Prien kündigte für Oktober Eckpunkte einer deutschen Übergangsgesetzgebung an, die den Jugendschutz im Netz verschärfen soll.

Parallel verfolgt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Pläne, Kinder unter 13 Jahren künftig komplett von Plattformen wie Instagram auszuschließen. Jugendliche ab 13 sollen zunächst nur zeitlich begrenzte, elternüberwachte Konten nutzen dürfen, eigene Profile erst ab 15 Jahren möglich sein.

Für Meta bedeutet das zusätzlichen regulatorischen Gegenwind in einem seiner wichtigsten Märkte – parallel zur Aufarbeitung der Hardware-Kontroverse.

Sollte der Oktober-Zeitplan für Luna halten, könnte Meta die Brille bereits auf seiner Connect-Entwicklerkonferenz am 23. und 24. September in Menlo Park zeigen. Weniger als einen Monat später würde das Produkt dann bei Käufern ankommen – ein enges Fenster, das zeigt, wie dringend der Konzern das Imageproblem seiner Kamerabrillen loswerden will.

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