Metro Aktie: Russland-Spende war nicht abgesegnet

Metro behält laut eigener Darstellung Eigentumsrechte, kann Entscheidungen der russischen Tochter jedoch nicht mehr operativ steuern.

Die Kernpunkte:
  • Konzern bestreitet Freigabe der Geldzahlung
  • Tochter kündigte eine Milliarde Rubel an
  • Metro kennt Details früherer Warenabgabe nicht
  • Berichte zur Zwangsverwaltung widersprechen sich

Metro hat gestern erneut erklärt, Spenden zugunsten russischer Militärangehöriger nicht genehmigt zu haben. Zugleich betont der Konzern, das russische Geschäft nicht mehr operativ zu steuern. Für Anleger liegt darin der Kern des Konflikts: Metro hält weiterhin Eigentumsrechte, kann nach eigener Darstellung aber nicht mehr über die Aktivitäten der Tochter entscheiden.

Spende ohne Zustimmung der Konzernzentrale

Die russische Tochter kündigte nach ihrer Übertragung unter vorläufige Verwaltung eine Zahlung von 1 Mrd. Rubel an den Fonds „Volksfront. Alles für den Sieg!“ an. Das Geld soll der Ausrüstung russischer Truppen dienen. Metro erklärte, die Überweisung weder abgestimmt noch autorisiert oder gebilligt zu haben.

Ende September hatte Putin das Russlandgeschäft per Dekret unter Zwangsverwaltung gestellt. Seither kontrolliert die Verwaltungsgesellschaft Torg RUS die Vermögenswerte. Metro zufolge bestehen die Eigentumsrechte fort, während der Einfluss auf operative Entscheidungen entfallen ist.

Gegenüber dem Medium Echo äußerte sich Metro gestern auch zu einem früheren Vorgang. Ein Geschäft in Samara soll 2022 Fertigsuppen und Nudeln an Militärangehörige abgegeben haben. Der Konzern erklärte, solche Spenden nicht erlaubt zu haben. Einzelheiten dieses konkreten Falls seien ihm unbekannt.

Damit unterscheidet sich die Stellungnahme zur früheren Warenabgabe von der Erklärung zur jüngsten Geldzahlung. Im ersten Fall verweist Metro auf fehlende Kenntnis der Details. Bei der Überweisung bestreitet der Konzern ausdrücklich seine Zustimmung.

Umstrittene Umstände der Zwangsverwaltung

Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev stellte Metros Darstellung am Donnerstag in einem Gastkommentar im Handelsblatt infrage. Er verwies auf die Entstehung der Verwaltungsgesellschaft und deren Verbindung zum langjährigen Russland-Chef Johannes Tholey.

Nach Makeievs Angaben wurde die Gesellschaft am 8. September gegründet, vor dem staatlichen Eingriff. Als alleinigen Eigentümer nannte er Tholey. Metro erklärte seinerseits, Tholey arbeite nicht mehr für den Konzern.

Zusätzlich berichtete Le Monde unter Berufung auf eigene Quellen, Metro Russland habe selbst um die vorübergehende Verwaltung gebeten. Metro bestreitet dagegen, der Zwangsverwaltung zugestimmt zu haben. Diese gegensätzlichen Darstellungen lassen sich nicht zu einer gesicherten Aussage über eine freiwillige Übergabe verdichten.

Eigentum bedeutet nicht operative Kontrolle

Für Anleger ist die Trennung zwischen Eigentum und tatsächlicher Steuerungsmöglichkeit entscheidend. Die fortbestehenden Eigentumsrechte bedeuten nach Metros Darstellung gerade nicht, dass die Konzernzentrale Zahlungen oder andere Entscheidungen der russischen Tochter verhindern kann.

Die jüngsten Erklärungen grenzen Metros Position klar ab: keine Genehmigung der Spenden und keine operative Kontrolle. Der öffentliche Streit betrifft damit sowohl die Verwendung von Mitteln der Tochter als auch die Umstände des Kontrollverlusts. Eine Wiederherstellung des operativen Einflusses hat Metro damit nicht gemeldet.

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