Michigan-Index am Freitag: Hält der US-Verbraucher PepsiCo und den S&P 500?

Die erste Oktober-Erhebung der Universität Michigan trifft auf hohe Energiepreise und eine US-Konjunktur, die laut Artikel von Investitionen getragen wird.

Die Kernpunkte:
  • Ökonomen erwarten unveränderte 48,1 Punkte
  • PepsiCo legt Donnerstag Quartalszahlen vor
  • S&P 500 knapp 13 Prozent im Plus
  • OPEC+ lässt November-Förderziele unverändert

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Donald Trump lässt mehr als 20 Millionen Medicare-Versicherten einmalig je 90 Dollar überweisen. Am Freitag um 16:00 Uhr zeigt die Universität Michigan mit der ersten Umfrage für Oktober, ob solche Zahlungen bei den Verbrauchern ankommen.

Volkswirte erwarten im Schnitt 48,1 Punkte, genau so viel wie im Vormonat. Warum zählt dieser Wert für PepsiCo und den S&P 500 mehr als die Anleiherenditen, auf die der Markt gerade starrt? Bis dahin läuft die Berichtssaison erst an.

Michigan-Index: Was Washington zahlt und was die Verbraucher sagen

Das Geld kommt aus dem Medicare Improvement Fund, in den der Kongress nach Trumps Angaben 2 Milliarden Dollar gegeben hat. Das Weiße Haus kündigte an, die meisten Berechtigten erhielten die Zahlung Anfang Oktober per Überweisung.

Bereits im September hatte Trump Schecks über 5.000 Dollar für erwachsene US-Bürger ins Gespräch gebracht. Der Hintergrund sind die Kongresswahlen, die Reuters zufolge am 3. November über die Mehrheiten in beiden Kammern entscheiden; bislang halten die Republikaner dort knappe Mehrheiten.

Zugleich kämpfen die Amerikaner mit hohen Lebenshaltungskosten und Energiepreisen, die seit dem Krieg gegen den Iran gestiegen sind. In diese Lage fällt die Michigan-Umfrage am Freitag. Schon am Donnerstag um 12:00 Uhr legt PepsiCo seine Zahlen zum dritten Quartal vor.

US-Konjunktur: Investitionen tragen, Verbraucher zögern

Der Mechanismus ist schlicht. Wenn Energiepreise steigen, bleibt den Haushalten weniger für alles andere, weil der Tankstopp nicht verschiebbar ist. Wenn der Staat Einmalzahlungen verteilt, hebt das die Kaufkraft nur vorübergehend, weil die Preisbasis unverändert bleibt. Und wenn die Stimmung der Verbraucher auf niedrigem Niveau verharrt, geraten Konsumwerte unter Druck, weil Analysten ihre Umsatzschätzungen nach unten anpassen.

Eine Marktanalyse vom Wochenende bringt das Dilemma auf den Punkt. Auf den ersten Blick wirkt die US-Wirtschaft wie ein Umfeld, in dem die Inflation fällt und die Konjunktur trotzdem hält. Bei genauerem Hinsehen zeigen jedoch mehrere Frühindikatoren eine deutliche Abkühlung, während die Fiskalpolitik die Lage künstlich stützt.

Jamie Dimon, Chef von JPMorgan Chase, lieferte am 21. September in Mumbai die andere Hälfte des Bildes. Die KI-Investitionen der großen Cloud-Konzerne sind nach Dimons Worten von rund 300 Milliarden Dollar 2025 auf etwa 700 Milliarden Dollar 2026 gestiegen und könnten 2027 eine Billion erreichen.

Dieser Schub trägt nach Dimons Einschätzung jährlich etwa einen Prozentpunkt zum US-Wachstum bei. Das Wachstum trägt also der Investitionszyklus der Konzerne, nicht der Verbraucher – und genau deshalb ist eine Stimmungszahl von 48,1 kein Nebenschauplatz, sondern die offene Flanke dieser Hausse.

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S&P 500 und PepsiCo: Zwei Lager in der Berichtssaison

Die Saisonstatistik spricht für das vierte Quartal, die Ausgangslage nur bedingt. Der S&P 500 hat 2026 bis Freitag knapp 13 Prozent gewonnen und lag zum Wochenschluss rund 1 Prozent unter seinem Rekord von Mitte August. Seit 1945 legte der Index im vierten Quartal im Schnitt 4,2 Prozent zu.

Tracie McMillion vom Wells Fargo Investment Institute hält die Phase zwar für saisonal stark, sieht in diesem Jahr aber Gegenwind. Reuters nennt drei Belastungen: den Anstieg der Anleiherenditen, die Abhängigkeit des Marktes von den KI-Ausgaben und den Wahltermin. Wenn Renditen steigen, verlieren hoch bewertete Wachstumswerte an Attraktivität, weil künftige Gewinne stärker abgezinst werden.

Auf der anderen Seite stehen Titel mit frischen Gewinnrevisionen nach oben: Amazon, Spotify und Vertiv gelten als Profiteure der KI-Gewinnwelle, die die jüngste Rally stützt.

Für Sie heißt das: Die Berichtssaison wird in zwei Lagern gelesen – hier die KI-Profiteure mit steigenden Schätzungen, dort Konsumwerte wie PepsiCo, deren Zahlen am Donnerstag zeigen, was beim Verbraucher hängen bleibt. Ich halte das zweite Lager für das unterschätzte, denn dort entscheidet sich, ob die saisonale Stärke des vierten Quartals eine Basis hat.

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Amazon, Spotify und Vertiv stehen im Rampenlicht, doch der KI-Boom nährt auch Unternehmen, die an der Börse bislang kaum jemand auf dem Zettel hat. Der Spezialreport „Heimliche KI-Profiteure“ porträtiert vier Aktien, darunter einen Marktführer der Zukunft, einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Spezialreport zu vier KI-Aktien sichern

Fed, DAX, EZB: Die Woche in drei Terminen

Die Fed liefert den lautesten Termin der Woche, aber kaum Überraschungspotenzial. Am Mittwoch um 20:00 Uhr veröffentlicht die Fed das Protokoll ihrer Sitzung vom 15. und 16. September. Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack sagte dem Sender PBS, die Notenbank habe bis zur Sitzung später im Monat Zeit.

Im Schnitt 41.000 neue Stellen pro Monat im vergangenen Jahr entsprechen nach Hammacks Worten etwa dem Tempo, das den Arbeitsmarkt stabil hält. Am Terminmarkt wird eine weitere Anhebung im Oktober kaum noch eingepreist. Weil das Protokoll nach Handelsschluss in Frankfurt erscheint, kann der DAX erst am Donnerstag reagieren.

Für deutsche Industriewerte zählen zuvor zwei Statistiken. Am Dienstag um 08:00 Uhr kommt der deutsche Auftragseingang für August; Volkswirte erwarten im Schnitt minus 0,9 Prozent nach plus 2,5 Prozent im Vormonat.

Am Mittwoch um 08:00 Uhr folgt die Produktion, erwartet werden plus 1,4 Prozent nach minus 1,1 Prozent. Beides zählt für Siemens, dessen Jahresrally Evercore ISI und DZ Bank am Freitag gegensätzlich bewerteten.

Bei der EZB ist die Personalie spannender als das Papier. Am Donnerstag um 13:30 Uhr erscheint das EZB-Protokoll der September-Sitzung, am Donnerstag um 12:00 Uhr spricht Chefvolkswirt Philip Lane bei der Société Générale.

Bloomberg berichtet, Kanzler Friedrich Merz treffe in den kommenden Tagen Klaas Knot und in den nächsten Wochen Pablo Hernández de Cos. Knot und Hernández de Cos gelten als Favoriten für die Nachfolge von Christine Lagarde, deren Amtszeit im Oktober 2027 endet. Für den Euro Stoxx 50 wiegt diese Personalfrage schwerer als jede Zeile des Protokolls.

OPEC+ und Hormus: Brent nimmt wieder Kurs auf 100 Dollar

Vom Ölmarkt kommt zum Wochenstart keine Entlastung für die Energiepreise. Die OPEC+ hob ihre Förderziele für November am Sonntag nicht an; Saudi-Arabien, Russland und fünf weitere Staaten bestätigten das nach einer Online-Sitzung.

In der Straße von Hormus wurde laut der britischen Schifffahrtsbehörde UKMTO am Sonntag erneut ein Tanker getroffen, nach einem Rohöltanker vor Oman am Samstag. Die Huthi-Miliz reklamierte Angriffe auf zwei Aramco-Anlagen in Riad und Churais; eine Bestätigung des Konzerns fehlt. Brent bewegt sich laut Bloomberg wieder in Richtung 100 Dollar.

Daneben haben drei Konzerne Nachrichten für ihre Aktionäre. Renault will über fünf Jahre mehr als 10 Milliarden Euro in Elektroautos in Frankreich investieren, wo der E-Anteil an den Neuzulassungen im September mit 42 Prozent einen Rekord erreichte.

Bayer steckt 2,2 Milliarden Dollar in ein Pharmawerk in Ohio. Die FAA stuft Berichten zufolge ein Softwareproblem der 737 Max als nicht sicherheitsrelevant ein, was Boeing den Weg zur Zulassung der Max 10 ebnen könnte. Bitcoin lag am Samstagabend knapp unter 85.000 Dollar, seit Freitag kaum verändert.

Der globale Kompass

Die Antwort auf die Frage dieser Woche steckt in zwei Zahlen, die nicht zusammenpassen: Investitionen von Hunderten Milliarden tragen das Wachstum, während die Verbraucherstimmung tief steht. Steigende Renditen verteuern diese Hausse, doch erst ein Verbraucher, der nicht nachzieht, nimmt ihr die Basis.

Für mich ist der Freitag um 16:00 Uhr deshalb der wichtigere Termin, auch wenn der Mittwochabend lauter sein wird. Das Wochenende geht zu Ende, der Blick richtet sich auf eine Woche, die am Freitag ihre eigentliche Antwort gibt.

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