Micron: 1.000-Dollar-Marke durchbrochen

Micron profitiert vom wachsenden HBM-Bedarf für KI-Rechenzentren, während hohe Kursabstände und Verkäufe von Investoren zur Vorsicht mahnen.

Die Kernpunkte:
  • Aktie steigt auf über 1.000 Dollar
  • HBM4-Kapazität soll sich verdoppeln
  • Micron hält 18 Prozent HBM-Anteil
  • David Tepper reduziert seine Position

Manchmal sagt eine runde Zahl mehr als jede Bilanz. Als Micron am Freitag über die Marke von 1.000 Dollar kletterte, ging es nicht nur um Kursgewinne – es ging um ein Signal. Der Speicherchip-Hersteller, jahrelang als zyklischer Underdog der Halbleiterbranche belächelt, ist zum Symbol dafür geworden, wie radikal die künstliche Intelligenz die Nachfragestruktur der gesamten Elektronikindustrie umgekrempelt hat.

Am deutschen Markt schloss die Aktie am Freitag bei 874,50 Euro, ein Tagesplus von 6,1 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 8,7 Prozent, auf Jahressicht ein Plus von 247 Prozent zu Buche. Wer solche Zahlen zum ersten Mal liest, hält sie für einen Tippfehler. Sind sie nicht.

Vom Rohstoffgeschäft zum KI-Nadelöhr

Die eigentliche Geschichte hinter dem Kurssprung liegt nicht im Tagesgeschäft, sondern in einer strukturellen Wette: Micron will seine monatliche Produktionskapazität für High-Bandwidth-Memory-Chips bis Ende 2026 von 40.000 bis 50.000 auf rund 100.000 Wafer verdoppeln.

Der Anteil des neuesten HBM4-Standards soll dabei von 20 bis 30 Prozent auf etwa die Hälfte steigen. Diese Speicherchips sind das Nadelöhr jedes KI-Rechenzentrums – ohne sie bremst selbst der schnellste Prozessor aus.

Noch dominieren die südkoreanischen Rivalen das Feld. Im zweiten Quartal 2026 hielt SK Hynix laut Marktdaten einen HBM-Umsatzanteil von 50 Prozent, Samsung kam auf 32 Prozent, Micron auf 18 Prozent.

Der US-Konzern bleibt damit der einzige heimische Hersteller in diesem Segment – ein Alleinstellungsmerkmal, das in Zeiten von Lieferkettenpolitik und Chip-Souveränität an Gewicht gewinnt. Bis Juni 2026 soll der kumulierte HBM4-Umsatz bereits die Milliardengrenze überschritten haben.

Dass Micron dabei nicht allein am Markt ist, zeigte der Freitag eindrücklich: Auch SanDisk legte um fast 12 Prozent zu, der Philadelphia Semiconductor Index gewann über 2 Prozent.

Sogar überraschend starke US-Arbeitsmarktdaten – 162.000 neue Stellen im August statt der erwarteten 53.000 – konnten die Speicherchip-Rally nicht bremsen, obwohl sie die Zinssorgen anheizten und Dow sowie S&P 500 ins Minus drückten. Wenn ein Sektor stärker ist als die Zinsangst der Gesamtmarktes, sagt das etwas über die Überzeugung der Anleger.

Zwischen Euphorie und Vorsicht

Ganz ungetrübt ist das Bild trotzdem nicht. Lynx Equity bestätigte zwar ein Kursziel von 1.325 Dollar, was aus US-Sicht noch rund 30 Prozent Potenzial bedeuten würde. Gleichzeitig zeigen technische Indikatoren erste Überhitzungssignale: Der 14-Tage-RSI von 59,7 ist zwar nicht extrem, doch kurzfristigere Messungen auf Stundenbasis lagen zeitweise deutlich höher.

Die Aktie notiert derzeit rund 7,4 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und ganze 65 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Abstand, der zeigt, wie sehr sich der Kurs von seiner mittelfristigen Basis gelöst hat.

Auch der Blick auf das 52-Wochen-Hoch relativiert die Euphorie: Mit 1.103,80 Euro liegt dieses noch etwa 21 Prozent über dem aktuellen Niveau. Von einer ungebremsten Rally kann also keine Rede sein, eher von einer Erholung nach einer Verschnaufpause seit dem Sommer.

Bemerkenswert ist zudem, wer bei diesem Kursfeuerwerk Kasse macht. Investor David Tepper verkaufte laut einer 13F-Meldung 41 Prozent seiner Micron-Position, hält die Aktie aber weiterhin als zweitgrößten Einzelwert seines Portfolios.

Auch Citadel reduzierte seinen Bestand massiv. Solche Gewinnmitnahmen bei gleichzeitig hohen Analysten-Kurszielen sind kein Widerspruch – sie zeigen eher, wie stark die Kursgewinne der vergangenen Monate bereits eingepreist wurden.

Der Führungswechsel im Unternehmen, mit Manish Bhatia als neuem Chief Operating Officer und Scott DeBoer als Chief Technology Officer, sowie die geplante Zehn-Milliarden-Dollar-Investition in ein neues Labor in Boise über zehn Jahre unterstreichen: Micron denkt nicht in Quartalen, sondern in Dekaden.

Ob das reicht, um gegen die schiere Kapazität von SK Hynix und Samsung – die zusammen auf 150.000 bis 200.000 Wafer pro Monat kommen – aufzuholen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Die Engpässe am Weltmarkt, die Analysten bis mindestens 2027 erwarten, geben Micron zumindest Zeit für den Aufholprozess.

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