Micron: 100 Milliarden Dollar Kundenverträge bis 2030

Micron Technology baut seine Kapazitäten massiv aus und sichert sich langfristige Kundenverträge. Die Aktie zeigt trotz Insider-Verkäufen eine starke Jahresperformance.

Die Kernpunkte:
  • 10 Mrd. Dollar für neue Forschungslabore
  • Nachfrage übersteigt Kapazität um 50 Prozent
  • 16 Fünfjahresverträge mit Kunden gesichert
  • Aktie trotz Insider-Verkäufen stark

Micron Technology treibt seine Wette auf einen dauerhaften Speicherboom voran. Konzernchef Sanjay Mehrotra kündigte eine Investition von 10 Milliarden US-Dollar in neue Forschungslabore in Boise, Idaho, an.

Ziel ist es, den klassischen Auf-und-Ab-Zyklus der Speicherbranche zu durchbrechen, der Micron in der Vergangenheit schon einmal einen Verlust von 5,83 Milliarden Dollar bei einem Umsatzeinbruch von 30,8 auf 15,5 Milliarden Dollar beschert hatte.

Nachfrage übersteigt Kapazität deutlich

Nach Mehrotras Angaben fragen Rechenzentrumskunden derzeit rund 50 Prozent mehr Speicher nach, als Micron liefern kann. Das Unternehmen hat sich diese Nachfrage bereits vertraglich gesichert: 16 Fünfjahresverträge mit Kunden sind hinterlegt, dazu kommen Anzahlungen in Höhe von 22 Milliarden Dollar sowie sogenannte Take-or-Take-Verträge mit einem Mindestumsatzvolumen von 100 Milliarden Dollar bis 2030. Der Chef des Konkurrenten SK Hynix rechnet für 2027 sogar mit der schlimmsten Angebotsknappheit in der Geschichte der Speicherbranche.

Die Geschäftszahlen untermauern den Boom. Im dritten Fiskalquartal erzielte Micron einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar, ein Plus von 345,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Gewinn je Aktie von 25,11 Dollar. Für das vierte Fiskalquartal stellt der Konzern einen Umsatz von 50 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von 31 Dollar in Aussicht. Die Bruttomarge im Kerngeschäft Data Center soll bei 87 Prozent liegen.

Kapazitätsausbau in Idaho und Indien

Parallel zur Forschungsinvestition baut Micron seine Produktionsbasis aus. In New York investiert der Konzern rund 100 Milliarden Dollar in zwei neue Fabriken, unterstützt durch etwa 6 Milliarden Dollar aus dem CHIPS Act. In Boise sollen zwei weitere Fabriken bis zum ersten Quartal 2027 die volle Produktion erreichen.

Im indischen Sanand hat der Bundesstaat Gujarat dem Unternehmen als erstem Betrieb im Land 12-Stunden-Schichten genehmigt – ein Signal für den Ernst der Kapazitätsengpässe. Die dortige Investition von 2,75 Milliarden Dollar soll bis 2027 bis zu 10 Prozent der globalen Micron-Produktion liefern.

Insider-Verkäufe werfen Fragen auf

Trotz der positiven Geschäftsentwicklung sorgt ein anderes Detail für Diskussionen: Mehrotra verkaufte Ende Juli Aktien im Wert von 37 Millionen Dollar, 40.000 Stück zu Kursen zwischen 906 und 966 Dollar. Weitere Insider-Verkäufe folgten im Juli. Für Anleger ist das kein Alarmsignal, solange die operative Story intakt bleibt – bemerkenswert ist es angesichts der milliardenschweren Kundenverträge dennoch.

An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt uneinheitlich. Am Freitag schloss das Papier bei 827,40 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent auf Tagesbasis und von 5,3 Prozent auf Wochensicht. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 228 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sogar von 725 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.103,80 Euro, erreicht im Juni, notiert die Aktie derzeit rund ein Viertel entfernt – ein Abstand, der angesichts der branchenweiten Angebotsknappheit und der milliardenschweren Investitionsprogramme eher Konsolidierung als Trendwende signalisiert.

Der breitere Marktkontext stützt die Micron-Strategie: Auch Nvidia hat wegen steigender Speicherkosten die Preise für KI-Server um mehr als 15 Prozent angehoben, Samsung und SK Hynix ziehen nach. Mit einem Marktanteil von rund 95 Prozent am globalen DRAM-Markt kontrollieren die drei großen Speicherhersteller – darunter Micron – derzeit eine Branche, in der die Nachfrage das Angebot auf absehbare Zeit übersteigt.

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