Micron: 100 Milliarden Dollar Take-or-pay gesichert

Micron erwartet anhaltende DRAM-Knappheit durch KI-Boom. Moody's hebt Rating an, Citigroup senkt Kursziel. HBM4-Lieferungen für Nvidia starten.

Die Kernpunkte:
  • DRAM-Knappheit bis über 2027
  • HBM4-Auslieferung an Nvidia begonnen
  • Moody's stuft Micron-Anleihen hoch
  • Citigroup senkt Kursziel auf 1.150 Dollar

Wenn ein Vorstandsmitglied öffentlich vor einer Verknappung warnt, die über 2027 hinaus anhalten soll, dann ist das keine beiläufige Randnotiz. Sumit Sadana, Executive Vice President bei Micron Technology, sagte am Montag auf dem KeyBanc Technology Leadership Forum genau das: Die KI-getriebene DRAM-Knappheit werde sich über 2027 hinaus fortsetzen. Für mich ist das der eigentliche Kern der Micron-Geschichte in diesem Sommer – nicht die kurzfristige Kursdelle, die der Titel gerade durchläuft.

Die Wafer-Mathematik spricht für die Bullen

Sadanas Argument ist technisch fundiert: Die Fertigung von HBM3E- und HBM4-Speicher verschlingt drei- bis viermal so viel Waferkapazität wie klassischer DDR-Speicher. Jede Gigabyte an High-Bandwidth-Memory, die Nvidia und andere KI-Chiphersteller ordern, bindet also überproportional viel Produktionsvermögen.

Passend dazu bestätigte das Management am Montag den Beginn der Volumenauslieferung von HBM4 für die Vera-Rubin-Plattform von Nvidia, während HBM4E bereits für einen Produktionshochlauf 2027 entwickelt wird. Wer glaubt, der KI-Speicherzyklus sei ein kurzfristiges Strohfeuer, muss diese Kapazitätslogik erklären.

Auch die Kreditseite untermauert die These. Moody’s hob die vorrangigen unbesicherten Anleihen von Micron am Montag auf Baa1 an und begründete dies mit 16 sogenannten Strategic Customer Agreements nach dem Take-or-pay-Prinzip, die zusammen rund 100 Milliarden Dollar an Mindestumsatz absichern. Das ist keine vage Prognose, sondern vertraglich fixierte Nachfrage. Für mich reduziert das genau jenes Risiko, das Kritiker eines Speicherzyklus normalerweise anführen: die plötzliche Nachfragedelle.

Analysten uneins über Zyklushöhe

Die UBS bekräftigte am Montag ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.625 Dollar. Analyst Timothy Arcuri spricht von einem „strukturellen Reset“ der Ertragskraft und prognostiziert einen kumulierten freien Cashflow von mehr als 450 Milliarden Dollar bis 2028. Das ist eine der aggressivsten Einschätzungen im Sektor.

Citigroup sendet dagegen ein vorsichtigeres Signal. Die Analysten senkten ihr Kursziel am Montag von 1.400 auf 1.150 Dollar, hielten aber an der Kaufempfehlung fest. Ihre Sorge: Trotz starker HBM-Nachfrage könnte sich der Höhepunkt des Speicherzyklus bereits abzeichnen. Beide Häuser bleiben bei „Buy“ – die Differenz liegt allein in der Einschätzung, wie viel vom Optimismus bereits im Kurs steckt.

Genau diese Unsicherheit spiegelt sich im Kursverlauf. Die Aktie notiert aktuell bei 754,00 Euro und liegt damit 31,69 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 199,09 Prozent zu Buche. Wer im Winter eingestiegen ist, sitzt trotz der jüngsten Korrektur auf einem satten Gewinn – die Frage ist, ob die Rally fundamental noch trägt oder ob hier ein überhitzter Trade abkühlt.

Insider verkaufen, ein Kongressabgeordneter kauft

Bemerkenswert finde ich das gemischte Bild auf Führungsebene. Vorstandschef Sanjay Mehrotra verkaufte im Juli über einen automatisierten Handelsplan mehr als 31.000 Aktien zu Preisen zwischen 906,48 und 941,60 Dollar. Auch Chief Accounting Officer Scott R. Allen trennte sich Ende Juli von Anteilen zu einem Durchschnittspreis von 1.000 Dollar.

Solche planbasierten Verkäufe sind bei US-Führungskräften Routine, doch sie summieren sich auffällig in einem Umfeld, in dem der Kurs zuvor stark gestiegen war. Auf der anderen Seite kaufte ein US-Kongressabgeordneter im Juni Micron-Aktien über ein verwaltetes Konto zu – ein Kontrapunkt, der zeigt, dass die politische Wahrnehmung des Titels alles andere als negativ ist.

Ein Risiko, das ich nicht unterschätzen würde, kommt von der Kundenseite: Apple-Chef Tim Cook äußerte Ende Juli Interesse, die Speicher-Lieferkette zu diversifizieren, was den Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter wie CXMT erhöhen könnte.

Parallel dazu haben Micron, Samsung und SK Hynix Medienberichten zufolge bereits Teile ihrer DRAM-Kapazität für 2027 vorreserviert, um die anhaltende KI-Infrastrukturnachfrage zu bedienen. Diese Vorab-Allokation lässt sich als Bestätigung der Knappheitsthese lesen – aber auch als Signal, dass die Anbieter selbst mit einem sehr engen Markt planen.

Fazit: Die Richtung stimmt, das Timing ist die offene Frage

Unterm Strich überwiegen für mich die strukturellen Argumente: vertraglich abgesicherte Umsätze, eine verbesserte Kreditwürdigkeit und eine Waferkapazitätslogik, die eine kurzfristige Entspannung unwahrscheinlich macht.

Die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal, die für den 22. September erwartet werden – Management-Guidance liegt bei rund 50 Milliarden Dollar Umsatz und etwa 31,00 Dollar Gewinn je Aktie – dürften zeigen, ob diese These auch operativ trägt.

Dass Citigroup sein Kursziel dennoch kappt und mehrere Insider Kasse machen, spricht dafür, dass die Luft nach der extremen Rally dünner geworden ist. Wer den langfristigen KI-Speicherzyklus für intakt hält, findet in den aktuellen Daten reichlich Bestätigung. Wer kurzfristig denkt, sollte die Warnsignale aus Kursziel-Senkung und Insiderverkäufen nicht ignorieren.

Anzeige

Micron Technology-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Micron Technology-Analyse vom 11. August liefert die Antwort:

Die neusten Micron Technology-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Micron Technology-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Micron Technology: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Micron Technology