Micron: 2027 wird noch enger

Micron verzeichnet dank KI-Boom vollständig ausgebuchte DRAM-Kapazitäten für 2027. Analysten streiten über das Tempo der weiteren Kursentwicklung.

Die Kernpunkte:
  • DRAM-Kapazitäten für 2027 vollständig ausgebucht
  • HBM-Anteil erreicht fast 70 Prozent
  • Citi senkt Kursziel, UBS bleibt optimistisch
  • Aktie steigt 234 Prozent seit Jahresbeginn

Es gibt einen Moment in jedem Zyklus, in dem ein Unternehmen aufhört, über Nachfrage zu sprechen, und anfängt, über Knappheit zu sprechen. Bei Micron Technology ist dieser Moment gerade eingetreten.

Am Montag vor einer Woche stellte sich Chief Business Officer Sumit Sadana beim KeyBanc Technology Leadership Forum hin und sagte sinngemäß: Das Jahr 2027 wird noch enger als 2026. Für einen Speicherchip-Hersteller, dessen gesamte Geschichte von Überkapazitäten und Preisverfall geprägt war, ist das eine bemerkenswerte Umkehrung.

Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Plus von 2,1 Prozent auf 841,00 Euro und bewegt sich damit fast exakt auf ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 844,07 Euro.

Der Kurs hat in den vergangenen sieben wie auch 30 Tagen jeweils um 13 Prozent zugelegt, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 234 Prozent, binnen zwölf Monaten sogar von 694 Prozent zu Buche. Wer das für eine Blase hält, muss sich fragen, was das strukturelle Argument dahinter trägt.

Wenn Kapazität zur Verhandlungsmasse wird

Die Antwort liegt weniger in einer einzelnen Kennzahl als in der Art, wie der Speichermarkt gerade neu verteilt wird. Nach Recherchen zur Lieferkette haben die drei größten DRAM-Hersteller – Samsung, SK Hynix und Micron – ihre Kapazitätsallokation für 2027 bereits abgeschlossen.

DRAM- und HBM-Produktion sind vollständig ausgebucht, der Großteil über langfristige Abnahmeverträge mit Cloud-Anbietern und großen KI-Chip-Kunden, die über drei bis fünf Jahre laufen. High-Bandwidth-Memory soll dabei fast 70 Prozent der gesamten DRAM-Kapazität beanspruchen. Das ist keine zyklische Erholung mehr, das ist eine Umschichtung der gesamten Branche in Richtung KI-Infrastruktur.

Zu diesem Bild passt, was Sadana über die Profitabilität sagte: eine operative Marge von 81 Prozent im jüngsten Quartal, eine Bruttomarge auf, wie er es nannte, „außergewöhnlich robustem Niveau“.

Micron selbst hatte für das vierte Fiskalquartal 2026 einen Umsatz von 50,0 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, plus/minus eine Milliarde, verankert in neu unterzeichneten mehrjährigen Strategic Customer Agreements. Wer solche Zahlen in Prognosen gießt, verkauft nicht mehr nur Chips – er verkauft Zugriffsrechte auf eine knappe Ressource.

Die Kehrseite: Wachstumstempo versus Bewertungstempo

Doch nicht jede Stimme im Markt teilt die Euphorie ungebremst. Ein Analyst von Citi senkte Anfang August sein Kursziel von 1.400 auf 1.150 Dollar, beließ die Kaufempfehlung aber bestehen.

Die Begründung: ein moderaterer Ausblick für DRAM- und NAND-Preise Richtung 2027, mit einem erwarteten Höhepunkt der Preise erst im zweiten Quartal 2027 und einem Rückgang der Bruttomargen von derzeit im mittleren 80er-Bereich auf mittlere 70er-Werte im kommenden Jahr. Das ist kein Widerspruch zum Knappheits-Narrativ, sondern eine Erinnerung daran, dass auch strukturelle Verknappung Zyklen hat.

Auf der anderen Seite bekräftigte ein UBS-Analyst am selben Tag ein Kursziel von 1.625 Dollar mit Kaufempfehlung und sprach von einem „strukturellen Reset“ der Ertragskraft – mit einem erwarteten Gewinn je Aktie, der bis 2029 über 160 Dollar bleiben soll, und kumulierten freien Barmittelzuflüssen von mehr als 450 Milliarden Dollar bis 2028. Zwei Häuser, zwei Zahlen, eine gemeinsame Grundüberzeugung: Die Ertragsbasis hat sich verschoben, nur über das Tempo streitet man.

Parallel dazu zeigen Investorenbewegungen ein gemischtes, aber insgesamt zustimmendes Bild. Mehrere institutionelle Adressen wie Blackstone, Coatue Management und Maverick Capital stockten ihre Positionen zuletzt auf, während einzelne Fonds Gewinne mitnahmen. Auch CEO Sanjay Mehrotra verkaufte im Juli und Juni Aktien im Rahmen eines automatisierten Handelsplans – ein Vorgang, der bei derart gestiegenen Kursen wenig überrascht.

Der Kurs notiert derzeit 24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro, aber 765 Prozent über seinem Tief vom vergangenen August. Diese Spanne allein erzählt schon die Geschichte eines Unternehmens, das binnen eines Jahres von der Rohstoffabhängigkeit in eine Position mit Preissetzungsmacht gewechselt ist.

Ob dieser Wandel dauerhaft ist, hängt davon ab, ob die KI-Nachfrage nach Speicherkapazität ihr Tempo hält – oder ob 2027, wie es Citi andeutet, doch der Moment wird, in dem sich die Kurve wieder umkehrt.

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