Micron: 41,46 Milliarden Dollar Umsatz im Q3

Micron verzeichnet dank KI-Boom Rekordumsätze und stellt auf langfristige Kundenverträge um. Analysten bleiben trotz Kursrückgang optimistisch.

Die Kernpunkte:
  • HBM4-Fertigung in robuster Produktion
  • Speicherknappheit verschärft sich bis 2027
  • Rekordumsatz von 41,46 Milliarden Dollar
  • Insiderverkäufe trotz positiver Analystenstimmen

Es gibt eine einfache Frage, die man sich bei Micron Technology derzeit stellen muss: Was macht ein Markt, in dem selbst 38 Milliarden Dollar Neuinvestition des größten Konkurrenten die Knappheit nicht lindern, sondern nur verwalten? Genau das ist der rote Faden, der sich durch die jüngsten Nachrichten rund um den Speicherchip-Hersteller zieht – und er erklärt mehr über die Aktie als jeder einzelne Kurswert.

Ein Engpass, der sich selbst verlängert

Auf dem KeyBanc Technology Leadership Forum bestätigte das Micron-Management am Montag, dass die HBM4-Fertigung in „robuster Produktion“ laufe. Interessanter war die Prognose dahinter: Die Speicherknappheit werde sich 2027 noch verschärfen, getrieben von „Agentic AI“-Anwendungen, die fünf- bis dreißigmal mehr Daten benötigen als klassische Chatbots. Das ist keine Randnotiz, sondern der Kern der gesamten Investment-These für Speicherchips in diesem Jahrzehnt: Nicht die Anzahl der KI-Modelle treibt die Nachfrage, sondern deren Datenhunger pro Anfrage.

Konkurrent SK Hynix reagierte am selben Tag mit der Ankündigung, 54 Billionen Won – umgerechnet rund 38 Milliarden Dollar – in zwei neue Fabriken zu stecken. Klingt nach einer Antwort auf die Knappheit. Ist es aber nur bedingt: Der erste Reinraum soll frühestens im Dezember 2028 öffnen. Bis dahin bleibt der Angebotsengpass bestehen, den Micron gerade in klingende Münze verwandelt.

Zahlen, die die Erzählung stützen

Wie klingende Münze das aussieht, zeigte Micron am 6. August mit den Zahlen zum dritten Fiskalquartal 2026, das Ende Mai geschlossen wurde: 41,46 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 345,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, dazu eine GAAP-Bruttomarge von 84,6 Prozent. Für das laufende vierte Fiskalquartal stellte das Management rund 50 Milliarden Dollar Umsatz und ein Ergebnis pro Aktie von etwa 30,73 bis 31,00 Dollar in Aussicht.

Damit nicht genug: Das Unternehmen erklärte am 11. August, es befinde sich in der Umstellung auf ein „Take-or-pay“-Geschäftsmodell mit 16 strategischen Kundenverträgen (SCAs), die kumulierte Mindestumsätze von rund 100 Milliarden Dollar bis 2030 absichern.

Wer noch an der Zyklizität des Speichergeschäfts zweifelt, findet hier ein Gegenargument: Verträge dieser Größenordnung nehmen der Branche zumindest einen Teil ihrer klassischen Boom-Bust-Dynamik.

Zwischen Rekordbewertung und Realitätscheck

Die Aktie selbst zeigt, wie stark diese Erzählung bereits eingepreist ist. Aktuell notiert Micron bei 773,20 Euro, nach einem Plus von 2,91 Prozent im heutigen Handel. Zum Vorjahreszeitraum steht ein Kursgewinn von 606,51 Prozent – eine Verzehnfachung fast im Wortsinn.

Gleichzeitig trennen die Aktie derzeit 29,95 Prozent von ihrem 52-Wochen-Hoch, das im Juni erreicht wurde. Der 30-Tage-Wert von minus 6,14 Prozent zeigt: Auch nach einer derartigen Rally gibt es Konsolidierungsphasen.

Genau diese Konsolidierung nahm der Analyst Vijay Rakesh von Mizuho am 10. August zum Anlass für einen Kommentar: Den Rückgang der Aktie um 11 Prozent im Monat davor bezeichnete er als Kaufgelegenheit, gestützt auf steigende Ausgaben für KI-Infrastruktur.

Kurz zuvor, am 11. August, bekräftigte UBS-Analyst Timothy Arcuri sein Kursziel von 1.625 Dollar mit Kaufempfehlung – seine Branchenchecks würden nur geringe kurzfristige Schätzungsanpassungen signalisieren, trotz sektorweiter Volatilität.

Die Kehrseite: Insider verkaufen

Ein Kontrapunkt zur bullischen Erzählung: CEO Sanjay Mehrotra verkaufte laut Pflichtmitteilungen in den vorangegangenen sechs Monaten 160.000 Aktien für etwa 143,53 Millionen Dollar. Über die vergangenen 90 Tage summierten sich Insiderverkäufe auf 169,4 Millionen Dollar – ohne einen einzigen dokumentierten Insiderkauf.

Auch institutionelle Anleger zeigen kein einheitliches Bild: Butensky & Cohen Financial Security reduzierte seine Micron-Position im zweiten Quartal um 49,2 Prozent, verkaufte 7.505 Aktien und hielt zuletzt noch ein Paket im Wert von rund 8,94 Millionen Dollar.

Auf der politischen Seite zeigte sich derweil Interesse: Der US-Abgeordnete Dan Newhouse kaufte am 10. Juli Micron-Aktien im Wert von bis zu 15.000 Dollar.

Am 22. September wird Micron die nächsten Quartalszahlen vorlegen. Bis dahin bleibt die zentrale Spannung bestehen: eine Branche, die mit Milliarden gegen ihre eigene Knappheit ankämpft – und eine Aktie, die genau diesen Wettlauf schon einen guten Teil vorwegnimmt.

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