Micron: 41,46 Milliarden Umsatz, Kurs fällt 35 Prozent
Trotz Kursrutsch von 35 Prozent: Micron meldet Rekordumsätze und ausverkaufte HBM-Kapazität für 2026. Analysten sehen deutliches Aufwärtspotenzial.

- Umsatzplus von 346 Prozent
- HBM-Kapazität für 2026 ausverkauft
- Kursziel der Analysten bei 1.306 Euro
- Kundenanzahlungen über 22 Milliarden Dollar
Micron Technology hat einen brutalen Monat hinter sich. Am Freitag schloss die Aktie bei 714,70 Euro. Das ist ein Tagesverlust von 5,86 Prozent. Die Zahlen wirken wie ein Abgesang auf die KI-Euphorie. Ein Blick auf die Geschäftszahlen zeichnet allerdings ein anderes Bild.
Der technische Ausverkauf
Der Kurs liegt mittlerweile 35,25 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro. Der Auslöser scheint weniger im Unternehmen selbst zu liegen. Berichte aus Ende Juli sprechen von einem gewaltsamen Ausverkauf bei Chip-Aktien. Die Auflösung konzentrierter Hedgefonds-Positionen trieb den Absturz mit an. Besonders der Fonds „Situational Awareness“ musste offenbar Bestände abbauen. Parallel dazu entluden südkoreanische Privatanleger massiv gehebelte Positionen.
Der breitere Markt stellt gerade die Tragfähigkeit hoher KI-Investitionen infrage. Bei Micron sieht die Nachfrageseite allerdings anders aus. Das Unternehmen hat bestätigt: Die gesamte Kapazität für High-Bandwidth-Memory-Chips für 2026 ist bereits verkauft. Auch für 2027 sind schon Teile gebucht.
Explosionsartige Zahlen, schwacher Kurs
Die Kluft zwischen Geschäftsverlauf und Aktienkurs wird größer. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Micron einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von rund 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Bruttomarge kletterte auf 84,6 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag bei 25,11 Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich.
Auch beim Ausblick bleibt das Management optimistisch. Für das vierte Quartal rechnet der Konzern mit rund 50 Milliarden Dollar Umsatz. Die Bruttomarge soll dabei sogar auf 86 Prozent steigen.
Trotz dieser Aussichten bleibt der Kurs unter Druck. Der Markt gewichtet die kurzfristige Volatilität derzeit offenbar stärker als die langfristige Auftragslage.
Wettbewerb verschärft sich
Der Speichermarkt konsolidiert sich zusehends. Der jüngste Deal zwischen Nvidia und SK Hynix über Speicherkapazitäten im Volumen von 500 Milliarden Dollar zeigt, wie strategisch wichtig HBM-Chips inzwischen sind. Die UBS geht davon aus, dass Samsung den Rivalen SK Hynix bei HBM-Marktanteilen bis 2027 überholen könnte. Micron würde in diesem Szenario bei rund 20 Prozent Marktanteil landen.
Angesichts des schieren Ausmaßes des „KI-Speicher-Superzyklus“ dürfte dennoch Platz für alle drei großen Anbieter bleiben. Ein Vorteil für Micron: Die breite Produktion über DRAM und NAND hinweg bietet eine Absicherung, die manchen Wettbewerbern fehlt.
Hinzu kommen mehr als 22 Milliarden Dollar an Kundenanzahlungen. Dazu kommen vertraglich zugesicherte Mindestabnahmen von über 100 Milliarden Dollar. Micron hat sich damit einen erheblichen Teil seiner künftigen Umsätze gesichert – unabhängig von der aktuellen Kursvolatilität.
Bewertungslücke als Kernfrage
Trotz des scharfen Rückgangs seit den Höchstständen im Juni steht die Aktie seit Jahresbeginn noch mit einem Plus von 183,50 Prozent da. Diese Diskrepanz zwischen Kursverlauf und Fundamentaldaten bildet den eigentlichen Kern der Geschichte.
Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 1.306,60 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 82,8 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. Reicht ein bestätigtes Auftragsbuch mit gesicherten Milliardenumsätzen aus, um eine solche Lücke zu rechtfertigen?
Die Antwort hängt davon ab, wie man die aktuelle Korrektur einordnet. Skeptiker verweisen auf die extreme Kursschwankung und die Konzentration einzelner Fondswetten, die den Kurs jederzeit erneut kippen könnte.
Angesichts der bestätigten Vorbestellungen und des dreistelligen Umsatzwachstums spricht für mich mehr für einen notwendigen Reset überzogener Erwartungen als für eine platzende Blase. Die Verschiebung hin zu HBM4-Architekturen im Jahr 2027 dürfte dabei zum entscheidenden Prüfstein werden – für Micron und seine Rivalen gleichermaßen.
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