Micron Aktie: 1.000-Dollar-Marke zurückerobert
Starke Nachfrage nach KI-Speicherchips und hohe Investitionen von Alphabet und Nvidia treiben den Micron-Kurs. Analysten sehen weiteres Potenzial.

- Kurs erholt sich über 1.000 Dollar
- Alphabet erhöht KI-Investitionen massiv
- Nvidia startet Serienproduktion von Vera Rubin
- Aktienrückkäufe ab Dezember 2026 erwartet
Drei Nachrichten aus einer Woche, ein gemeinsamer Nenner: Speicherchips für künstliche Intelligenz sind knapp, und die Nachfrage wächst schneller als das Angebot. Micron profitiert davon wie kaum ein anderer Hersteller. Am Donnerstag kletterte die Aktie zurück über die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Dollar, nachdem sie im Juli zwischenzeitlich in den Bärenmarkt gerutscht war.
Der Kurs schloss zuletzt bei 869,50 Euro, ein Plus von 3,52 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 16,54 Prozent. Zum Rekordhoch von 1.103,80 Euro aus dem Juni fehlen noch gut 21 Prozent.
Alphabet und Nvidia treiben die Nachfrage
Der Auslöser kam von mehreren Seiten gleichzeitig. Micron-Aktien legten am 23. Juli um 4 Prozent zu, getrieben von robuster Nachfrage nach KI-Infrastruktur und Fortschritten bei Nvidias neuer Vera-Rubin-Plattform. Die Plattform erhöht den Bedarf an High-End-Speicherchips wie HBM und DRAM deutlich.
Auch Super Micro Computer lieferte einen Impuls. Der Serverhersteller meldete einen Rekord-Auftragsbestand von 60 Milliarden Dollar und hob seine Bruttomargen-Prognose fast auf das Doppelte an, von 8,2 bis 8,4 Prozent auf 15 bis 17 Prozent. Die Aktie sprang daraufhin um 24 Prozent.
Den größten Schub lieferte aber Alphabet. Der Google-Mutterkonzern meldete ein Umsatzplus von 24 Prozent im zweiten Quartal, der Gewinn wuchs noch stärker. Entscheidender für Micron: Alphabet erhöht sein Investitionsbudget für KI um weitere 15 Milliarden Dollar. Insgesamt plant der Konzern allein in diesem Jahr Investitionen zwischen 195 und 205 Milliarden Dollar. Die Alphabet-Aktie reagierte auf diese Ankündigung negativ. Für Micron als zentralen Zulieferer der Hyperscale-Rechenzentren war die Nachricht dagegen ein Kaufargument.
Vera Rubin läuft an, NAND wird knapp
Nvidia bestätigte am 21. Juli den nächsten Schritt: Die Vera-Rubin-NVL72-Racks laufen jetzt in Serienproduktion. Partner wie CoreWeave, Google Cloud, Microsoft Azure und Oracle Cloud Infrastructure haben die ersten Systeme bereits in Betrieb genommen. Marktbeobachter verweisen darauf, dass Vera Rubin besonders hohe Anforderungen an Speicherkapazität, Bandbreite und Packaging stellt – ein Feld, das vor allem Micron und SK Hynix bedienen.
Der Marktforscher TrendForce rechnet zudem mit einer Angebotsknappheit bei NAND-Flash-Speicher im Jahr 2026, weil die KI-Nachfrage schneller wächst als die Produktionskapazitäten. Micron hat sich für diesen Zeitraum bereits abgesichert: Nicht stornierbare HBM-Lieferverträge im Wert von 22 Milliarden Dollar reichen bis 2026 und schaffen Planungssicherheit für den Umsatz.
Charttechnisch zeigte sich die Stärke ebenfalls deutlich. Micron durchbrach den gleitenden 200-Perioden-Durchschnitt auf Vier-Stunden-Basis und kehrte in den zuvor verlassenen Abwärtskanal zurück. Die nächsten Widerstände liegen bei 1.060 und 1.124 Dollar.
Rückkäufe: Die Uhr tickt bis Dezember 2026
Ein weiterer Kurstreiber kam bereits Anfang der Woche von der UBS. Analyst Timothy Arcuri sieht bei Micron eine große Chance für Aktienrückkäufe und rechnet bis 2028 mit einem freien Cashflow von über 400 Milliarden Dollar.
Noch kann Micron davon aber nicht profitieren. Der Konzern darf wegen Auflagen aus der CHIPS-Act-Förderung derzeit keine eigenen Aktien zurückkaufen. Diese Beschränkung läuft am 9. Dezember 2026 aus. Arcuri geht davon aus, dass Micron danach bis Ende 2028 mehr als 40 Prozent der ausstehenden Aktien einziehen könnte – ein Plan, den das Unternehmen selbst bislang nicht bestätigt hat.
Kursziele bleiben hoch
Die Wall Street hat ihre Kursziele an die Rally angepasst. Der Konsens aus 45 Analysten liegt bei 1.486 Dollar, das wäre ein Aufschlag von 48 Prozent zum aktuellen Niveau. Laut einer Zusammenstellung von Benzinga trägt die Aktie eine Kaufempfehlung mit einem durchschnittlichen Kursziel von 1.548,86 Dollar.
Die Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 105 Prozent – ein Wert, der zeigt, wie nervös der Markt die Balance zwischen KI-getriebener Nachfrage und möglichem Abkühlen des Zyklus einschätzt. Bis zum Auslaufen der Rückkauf-Beschränkung im Dezember 2026 bleibt die Kapitalallokation der offene Punkt, den Anleger im Blick behalten dürften.
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