Micron Aktie: 1,1 Billionen Dollar Marktwert erreicht
Speicherchip-Hersteller Micron profitiert von strukturellem Engpass bei KI-Chips. Analysten heben Kursziele massiv an, Umsatz verdreifacht sich im Jahresvergleich.

- Börsenwert übersteigt 1,1 Billionen Dollar
- Umsatz verdreifacht sich auf 23,8 Milliarden
- Analysten sehen Kurspotenzial bis 1.750 Dollar
- HBM-Speicher treibt die Neubewertung an
Micron ist in eine neue Bewertungsklasse aufgestiegen. Nach der Rallye im Mai überschritt der Börsenwert die Marke von 1,1 Billionen Dollar; am US-Markt schloss die Aktie zum Monatsende bei 971 Dollar. Der Grund ist nicht nur Momentum. Die Wall Street preist bei Speicherchips inzwischen einen strukturellen Engpass ein, der Gewinne und Margen länger hochhalten könnte.
Für deutsche Anleger wirkt der Lauf ebenso extrem: Am Freitag stand der Schlusskurs bei 833,10 Euro, auf Monatssicht beträgt das Plus 87,78 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 209,70 Prozent erhöht.
Wall Street hebt die Messlatte
Die jüngsten Kursziele zeigen, wie stark sich die Wahrnehmung von Micron verschoben hat. Aus einem zyklischen Speicherwert wird am Markt zunehmend ein Schlüsselzulieferer für KI-Infrastruktur.
- Susquehanna: 1.750 Dollar nach zuvor 600 Dollar
- UBS: 1.625 Dollar
- DA Davidson: 1.500 Dollar
UBS rechnet nun damit, dass Micron bis mindestens 2029 jährlich mehr als 100 Dollar Gewinn je Aktie erzielen kann. Das passt zur Engpass-These: Kunden können laut Management derzeit nur rund 60 Prozent ihres Speicherbedarfs absichern.
Das ist der Kern der Neubewertung. Wenn Speicherchips knapp bleiben, wandert Preissetzungsmacht zu Herstellern wie Micron. Genau diese Annahme steckt in den neuen Modellen.
HBM treibt die Neubewertung
Der wichtigste Treiber ist High Bandwidth Memory, kurz HBM. Diese Speicherchips sind zentral für KI-Rechenzentren und werden bei neuen Grafikprozessoren immer wichtiger. Nvidias kommende „Vera Rubin“-GPU soll 288 GB HBM benötigen, verglichen mit 80 GB bei älteren H100-Modellen.
TrendForce erwartet, dass die Investitionen der neun größten Cloudanbieter im Jahr 2026 auf 830 Milliarden Dollar steigen. Das wäre ein Plus von 79 Prozent.
Die Engpasslogik wird durch die Produktion verschärft. HBM benötigt etwa dreimal so viel Waferkapazität wie Standard-DRAM. Damit bindet jeder Nachfrageanstieg überproportional Fertigungskapazität und kann das Angebot länger knapp halten.
Zahlen liefern Rückenwind
Auch operativ hat Micron nachgelegt. Im jüngsten Fiskalquartal erzielte der Konzern 23,8 Milliarden Dollar Umsatz — nahezu das Dreifache des Vorjahreswerts. Der Nettogewinn stieg auf 13,8 Milliarden Dollar, die operative Marge erreichte mit 67,6 Prozent einen Rekord.
Der nächste Termin ist klar gesetzt. Am 24. Juni legt Micron die Zahlen für das fiskalische dritte Quartal vor; die Umsatzprognose liegt bei 32,75 bis 34,25 Milliarden Dollar.
Beim Gewinn je Aktie stellt das Unternehmen 18,75 bis 19,55 Dollar in Aussicht. Einige Analysten blicken bereits weiter: Für 2027 kursieren Schätzungen von rund 105 Dollar Gewinn je Aktie, nachdem vor einem Jahr noch etwa 12 Dollar erwartet wurden.
Technisch ist der Titel nach dem Lauf schwer einzuordnen. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 72,39 Prozent, zum 200-Tage-Durchschnitt bei 185,48 Prozent; die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage beträgt 89,58 Prozent. Der kurzfristige RSI liegt dagegen bei 31,4 und liefert kein klassisches Überkauft-Signal.
Institutionelle Investoren stützen die Story ebenfalls. Goldman Sachs erhöhte seine Beteiligung im ersten Quartal um mehr als 40 Prozent. Norges Bank nahm Ende vergangenen Jahres 22,54 Millionen Aktien ins Portfolio.
Kurzfristig richtet sich der Blick auf die Zone um 950 Dollar und den 24. Juni. Hält der Kurs dieses Niveau bis zu den Zahlen, bleibt die Neubewertung intakt; ein Rückfall darunter würde eher für eine Konsolidierung nach dem steilen Mai-Lauf sprechen.
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