Micron Aktie: 16 Lieferverträge über 22 Milliarden Dollar

Micron Technology verzeichnet Kurserholung nach Rekordquartal, warnt aber vor anhaltender Chip-Knappheit bis 2027.

Die Kernpunkte:
  • Aktie legt über drei Prozent zu
  • Rekordumsatz von 41,4 Milliarden Dollar
  • Angebotsknappheit bis über 2027 erwartet
  • Analysten sehen weiteres Aufwärtspotenzial

Juli 2026 einen Teil der jüngsten Verluste wettgemacht. Die Aktie legte im US-Handel zeitweise um mehr als drei Prozent zu, nachdem der Speicherchip-Hersteller vor einer anhaltend engen Angebotslage gewarnt hatte, die nach eigenen Angaben über das Jahr 2027 hinaus bestehen bleiben dürfte. Der aktuelle Kurs von 768,20 Euro zeigt an diesem Handelstag ein Plus von 2,93 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss von 746,30 Euro. Von der Erholung ausgenommen bleibt der Blick auf den langfristigen Rücksetzer: Zum 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro, erreicht am 25. Juni 2026, beträgt der Abstand weiterhin 30,40 Prozent.

Rekordquartal als Basis der Erholung

Der Aufschwung fußt auf einem außergewöhnlichen Geschäftsverlauf. Für das dritte Fiskalquartal 2026 meldete Micron einen Umsatz von 41,4 Milliarden Dollar, ein Plus von 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 24,67 Dollar, mehr als das Vierzehnfache des Vorjahreswerts, bei einer Bruttomarge von 85 Prozent. Für das vierte Fiskalquartal stellt das Unternehmen einen weiteren Umsatzsprung auf rund 50 Milliarden Dollar sowie eine Bruttomarge von etwa 86 Prozent in Aussicht. Getragen wird diese Dynamik von 16 langfristigen Lieferverträgen mit einem Gesamtwert von rund 22 Milliarden Dollar sowie einer Partnerschaft mit dem KI-Unternehmen Anthropic, das Micron als bevorzugten Speicherlieferanten benennt.

Der jüngste Kursrückgang – Marktbeobachter sprachen von einem Wertverlust von mehr als 400 Milliarden Dollar innerhalb eines Monats – traf die gesamte Speicherbranche und nicht nur Micron allein. Auslöser war unter anderem ein Ausverkauf bei Halbleiteraktien, der den Philadelphia Semiconductor Index in einen Bärenmarkt drückte. Auch das Auftauchen des chinesischen KI-Modells Kimi K3 von Moonshot AI schürte Sorgen vor verschärfter Konkurrenz und belastete zusätzlich die Stimmung gegenüber der gesamten Chip-Branche.

Analysten bleiben trotz Volatilität optimistisch

An der grundsätzlich positiven Einschätzung der Wall Street hat der Rückschlag wenig geändert. KeyBanc-Analyst John Vinh hatte sein Overweight-Rating für Micron mit einem Kursziel von 1.750 Dollar zuvor bekräftigt und rechnet für das vierte Fiskalquartal mit einem Umsatz von 52,1 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von 32,36 Dollar – deutlich über dem Analystenkonsens von 50,5 Milliarden Dollar beziehungsweise 31,16 Dollar. Als Preistreiber nennt er steigende DRAM-Preise von 15 bis 20 Prozent im dritten und 15 Prozent im vierten Quartal sowie NAND-Preissteigerungen von 30 bis 40 Prozent. Auch Cantor Fitzgerald sieht mit einem Kursziel von 2.000 Dollar erhebliches Aufwärtspotenzial, ebenso Citi mit 1.400 Dollar und Daiwa mit 1.700 Dollar. Insgesamt bewerten laut den vorliegenden Einschätzungen 24 Analysten die Aktie mit Kaufen, lediglich zwei mit Halten – eine Verkaufsempfehlung existiert nicht.

Auch Seeking Alpha stuft Micron mit Kaufen ein und verweist auf das Ziel des Unternehmens, im Markt für High-Bandwidth-Memory einen Anteil von etwa 22 Prozent zu erreichen – vergleichbar mit dem allgemeinen DRAM-Marktanteil. Der Chip HBM4 befindet sich bereits in Volumenproduktion, Musterlieferungen gingen an mehrere Kunden. Im Basisszenario der Analyse ergibt sich ein fairer Wert von 1.125 Dollar je Aktie, ein Aufschlag von rund 32 Prozent, sollte Micron auch außerhalb von Nvidia neue HBM-Kunden gewinnen.

Nicht jeder Marktteilnehmer teilt diesen Optimismus. Investor Michael Burry hält laut Berichten eine Short-Position auf Micron, und das Kurzinteresse an der Aktie erreichte zuletzt ein Drei-Jahres-Hoch. Die technische Lage bleibt angespannt: Der Kurs notiert derzeit 7,30 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 828,67 Euro, während der RSI von 43,1 auf eine neutrale bis leicht angeschlagene Handelslage hindeutet.

Branchenweiter Druck aus Südkorea

Die Volatilität bei Micron spiegelt eine breitere Verunsicherung im Speicherchip-Sektor wider. In Südkorea büßte der Kospi am selben Tag rund 4,9 Prozent ein, Samsung und SK Hynix verloren jeweils deutlich. SK-Group-Chairman Chey Tae-won warnte vor einem historisch hohen Preisniveau bei Speicherchips und einer möglichen „Chipflation“, sollte das Angebot nicht rasch ausgeweitet werden. Er bezeichnete den Ausblick für 2027 als derart unsicher, dass er kaum wisse, wie er ihn beschreiben solle – ein Hinweis darauf, dass die Debatte um Angebotsknappheit die gesamte Branche und nicht nur einen einzelnen Anbieter erfasst.

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