Micron Aktie: 33,5 Milliarden Dollar für Q3 erwartet

Der Chef des einzigen US-Speicherherstellers schlägt Alarm – und liefert Rekordzahlen, die seine Warnung untermauern. Micron-CEO Sanjay Mehrotra hat in einem Interview eine klare Ansage gemacht: Die Knappheit bei Speicherchips ist kein vorübergehendes Phänomen. Sie wird Jahre anhalten.

Und die Aktie? Sie notiert bei 675,90 Euro – ein Plus von über 700 Prozent binnen zwölf Monaten. Das 52-Wochen-Hoch von 685,40 Euro ist nur noch 1,4 Prozent entfernt. Kein Wunder, dass Anleger über einen Aktiensplit spekulieren.

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„Nur zur Hälfte beliefert“

Mehrotra sprach am 22. Mai 2026 im Werk von Manassas, Virginia, Klartext. „Wir können die Nachfrage unserer Schlüsselkunden in vielen Fällen nur zu 50 bis 66 Prozent bedienen“, sagte er. Und: „Der Mangel wird weit über 2026 hinaus anhalten.“

Für eine Branche, die jahrzehntelang unter zyklischen Preisverfällen litt, ist das eine Zeitenwende. Micron liefert die Speicher-Bausteine für KI-Systeme – vom Rechenzentrum bis zum Endgerät. „Ohne Speicher keine KI-Intelligenz“, so der CEO.

Rekordzahlen in Serie

Das zweite Fiskalquartal 2026 untermauert die These: Der Umsatz stieg auf 23,86 Milliarden US-Dollar – plus 196 Prozent zum Vorjahr. Der Nettogewinn nach GAAP betrug 13,79 Milliarden Dollar, das verwässerte Ergebnis je Aktie 12,07 Dollar. Beide Werte übertrafen die Analystenerwartungen deutlich.

Das DRAM-Geschäft wuchs um 207 Prozent auf 18,8 Milliarden Dollar. NAND legte um 169 Prozent auf 5 Milliarden Dollar zu. Micron erzielte einen Rekord-Free-Cashflow, baute Schulden ab und schloss das Quartal mit der höchsten Nettoliquidität der Firmengeschichte.

Der Ausblick für das dritte Fiskalquartal sprengt alle Dimensionen: 33,5 Milliarden Dollar Umsatz, eine Bruttomarge von rund 81 Prozent und ein bereinigter Gewinn je Aktie von 19,15 Dollar. Das würde bedeuten: Ein einzelnes Quartal übertrifft den kompletten Jahresumsatz früherer Jahre.

Lieferverträge für drei bis fünf Jahre

Die gesamte HBM4-Produktion für 2026 ist bereits über bindende Verträge verkauft. Kunden unterschreiben inzwischen Drei- bis Fünf-Jahres-Abkommen – ein radikaler Bruch mit den früheren Quartals- oder Jahresverträgen, die für extreme Preisschwankungen sorgten.

Neue Kapazitäten entstehen nur langsam. Die Fab in Singapur startet die Massenproduktion erst in der zweiten Jahreshälfte 2028. Acht weitere Jahre werden vergehen, bis sie voll ausgelastet ist.

Die DRAM-Preise steigen im laufenden Quartal um 58 bis 63 Prozent. Gartner rechnet für das Gesamtjahr mit einem Plus von 125 Prozent.

Spannung um Aktiensplit

Trotz der Rekordzahlen wetten Short Seller gegen die Aktie. Der Kurs ist in zwölf Monaten um 712 Prozent gestiegen – das 52-Wochen-Tief lag bei 83,21 Euro. Einige Anleger fragen sich, ob Micron einen Aktiensplit ankündigt.

Die kanadischen Hinterlegungsscheine wurden im März bereits im Verhältnis 5:1 geteilt. Die letzte Teilung der Nasdaq-notierten Stammaktie liegt über 25 Jahre zurück. Eine offizielle Ankündigung gibt es nicht.

Bis zur nächsten Quartalsbilanz bleibt abzuwarten, ob der Ausblick die hohen Erwartungen einlösen kann. Die Zahlen werden zeigen, ob die strukturelle Knappheit tatsächlich so lange anhält, wie Mehrotra prophezeit.

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