Micron Aktie: 33,5 Milliarden Guidance zum 24. Juni
Micron Technology erreicht neues Allzeithoch, fällt dann aber nach schwachen Broadcom-Prognosen wieder zurück. Analysten sehen dennoch großes Potenzial.

- Kurssturz nach Broadcom-Zahlen
- Morgan Stanley verdoppelt Kursziel
- Rekordquartal für Juni erwartet
- HBM-Kapazitäten bereits ausgebucht
Innerhalb von 48 Stunden hat Micron Technology das volle Spektrum erlebt: ein frisches Allzeithoch, eine Morgan-Stanley-Analyse mit verdoppeltem Kursziel — und dann ein scharfer Rücksetzer, ausgelöst durch einen Schock aus dem Nachbarhaus.
Broadcom reißt den Sektor mit
Auslöser war Broadcoms Quartalsbericht. Das Unternehmen prognostizierte für sein drittes Quartal KI-Chip-Umsätze von 16 Milliarden Dollar — deutlich unter den Analystenerwartungen von 17,2 Milliarden Dollar. Obendrein hob Broadcom seinen Ausblick für KI-Halbleiter 2026 nicht an. Für Micron, als Hauptlieferant von High-Bandwidth-Memory für KI-Beschleuniger, war das ein direkter Treffer.
Die Aktie war kurz zuvor noch auf knapp 1.089 Dollar geklettert und fiel dann unter die 1.000-Dollar-Marke zurück. Aktuell notiert sie bei 859,50 Euro — gut acht Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom Mittwoch. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von mehr als 219 Prozent zu Buche.
Morgan Stanley verdoppelt das Kursziel — einen Tag zu früh
Analyst Joseph Moore von Morgan Stanley erhöhte sein Kursziel am Mittwoch von 520 auf 1.050 Dollar und behielt das Rating „Overweight“ bei. Seine Kernthese: DRAM ist zum zentralen Engpass im KI-Infrastrukturausbau geworden. „Es gibt keine schnelle Lösung für den Speichermangel“, schrieb Moore — und rechnet damit, dass die Angebotsknappheit zwei bis drei Jahre oder länger anhält.
Die Bank modelliert einen DRAM-Preisanstieg von 40 Prozent im Mai-Quartal, gefolgt von weiteren 15 Prozent im August. Die EPS-Schätzungen für 2027 hob Morgan Stanley um 48 Prozent an. Als weitere Kurstreiber nennt Moore HBM-Vertragsverhandlungen Ende 2026 sowie den Start von Aktienrückkäufen ab dem Geschäftsjahr 2027 — Morgan Stanley modelliert dabei rund 50 Milliarden Dollar an Rückkäufen über FY27 und FY28. Bislang hat Micron Rückkäufe aufgrund von CHIPS-Act-Auflagen weitgehend ausgesetzt.
Quartalsbericht am 24. Juni könnte alle Rekorde brechen
Am 24. Juni legt Micron seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal vor. Die eigene Guidance ist außergewöhnlich: Micron erwartet einen Quartalsumsatz von 33,5 Milliarden Dollar — ein Wert, der die Jahresumsätze aller Geschäftsjahre bis einschließlich 2024 übertrifft. Die Non-GAAP-EPS-Prognose liegt bei 19,15 Dollar, die Bruttomarge bei rund 81 Prozent.
Zum Vergleich: Im zuletzt berichteten Quartal erzielte Micron 23,86 Milliarden Dollar Umsatz und einen GAAP-Nettogewinn von 13,79 Milliarden Dollar. Die Wachstumsdynamik ist schlicht historisch.
Bewertung und strategische Position
Micron hat die Billionen-Dollar-Marke bei der Marktkapitalisierung überschritten. Das Forward-KGV auf Basis der FY2026-Schätzungen liegt bei 16 — wechselt man zur FY2027-Perspektive, fällt es auf unter 9. Dieses komprimierte Bewertungsniveau ist das zentrale Argument der Bullen.
Strukturell hat sich Micron abgesichert: Die gesamte HBM-Kapazität für 2026 — inklusive der nächsten Generation HBM4 — ist bereits vertraglich gebunden. Hyperscaler behandeln Speicher offenbar nicht mehr als Commodity, sondern als strategische Ressource. Ob der Markt das am 24. Juni honoriert, hängt vor allem davon ab, ob Micron die eigene Rekordguidance nicht nur erfüllt, sondern erneut übertrifft.
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