Micron Aktie: 346 Prozent Umsatzwachstum im Q3

Speicherhersteller Micron startet massiven Ausbau der US-Produktion. Analysten sehen Potenzial, der Aktienkurs bleibt jedoch volatil.

Die Kernpunkte:
  • Rekordinvestition von über 250 Milliarden Dollar
  • Baustart in New York früher als geplant
  • Quartalsumsatz steigt um 346 Prozent
  • Analysten uneins über Aktienkursentwicklung

Der Speicherhersteller kündigte an, bis 2035 mehr als 250 Milliarden Dollar in den Aufbau von Produktionskapazitäten in den USA zu stecken – zusätzlich fließen weitere drei Milliarden Dollar in die Lieferkette. Davon gehen 500 Millionen Dollar an den Wafer-Hersteller GlobalWafers, der in Sherman, Texas, eine 300-Millimeter-Wafer-Fabrik errichtet. Beide Unternehmen haben dazu einen Zehn-Jahres-Liefervertrag geschlossen. Ziel der Offensive: 40 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion sollen künftig auf US-Boden entstehen.

Beton in New York, Lob aus Washington

Sichtbarstes Zeichen des Ausbaus ist der Baustart in Clay bei Syracuse, New York. Dort wurde bereits der erste Beton gegossen – mehr als ein Quartal früher als ursprünglich geplant. Nach Angaben aus dem Umfeld des Projekts handelt es sich um die größte private Investition in der Geschichte des Bundesstaats New York, mit bis zu 50.000 entstehenden Arbeitsplätzen, davon 9.000 direkt bei Micron. Über alle US-Standorte hinweg rechnet der Konzern insgesamt mit rund 100.000 neuen Jobs. Parallel sollen in Boise, Idaho, ab 2027 erste Wafer produziert werden, in Virginia ist die 1-Alpha-DDR4-Fertigung bereits angelaufen. Präsident Trump und Handelsminister Lutnick würdigten die Investition öffentlich, CEO Sanjay Mehrotra führte die Entscheidung explizit auf die politische Unterstützung aus Washington zurück.

Starke Quartalszahlen als Fundament

Untermauert wird die Investitionsoffensive durch die jüngsten Geschäftszahlen. Im dritten Fiskalquartal setzte Micron 41,5 Milliarden Dollar um, ein Plus von 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 25,11 Dollar, die Bruttomarge erreichte 84,6 Prozent. Der Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft überstieg im Quartal 25 Milliarden Dollar, hochgerechnet auf ein Jahr entspricht das mehr als 100 Milliarden Dollar. Die Lieferungen von High-Bandwidth-Memory-Chips lagen bereits über einer Milliarde Dollar, das Kontingent für 2026 gilt als ausverkauft. Mehrotra sieht die Nachfrage nach DRAM- und NAND-Speicher das Angebot deutlich übersteigen – Engpässe erwartet er bis über das Jahr 2027 hinaus.

Diese Einschätzung deckt sich mit Aussagen aus der Speicherbranche insgesamt. Der taiwanische Hersteller Nanya Technology kündigte an, seine Investitionen für 2027 auf umgerechnet rund 6,22 Milliarden Dollar zu vervierfachen, um eine neue Fabrik mit 45.000 Wafern Monatskapazität zu bauen – ebenfalls mit Verweis auf eine anhaltende DRAM-Knappheit.

Analysten uneins, Kurs unter Druck

An der Wall Street bleibt das Bild bei Micron überwiegend positiv, aber nicht einhellig. TD-Cowen-Analyst Krish Sankar bekräftigte sein Kaufvotum mit einem Kursziel von 1.600 Dollar und verwies auf physische Kapazitätsgrenzen bei gleichzeitig steigender Nachfrage – langfristige Lieferverträge decken bereits rund die Hälfte des Umsatzes ab. Bank of America bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.550 Dollar, der Analystenkonsens liegt bei knapp 1.564 Dollar. Als deutlicher Ausreißer nach unten gilt jedoch Goldman Sachs mit einem skeptischen Kursziel von lediglich 400 Dollar.

Kurzfristig belastete die Aktie vor allem der Nasdaq-Börsengang des südkoreanischen Rivalen SK Hynix, der Ende der vergangenen Woche ADRs zu 149 Dollar ausgab und mit einem Kursplus von rund 13 Prozent aus dem ersten Handelstag ging. Die Emission spülte SK Hynix 26,5 Milliarden Dollar in die Kasse und war siebenfach überzeichnet. SK-Hynix-CEO Kwak Noh-jung warnte zugleich vor der schwersten Speicherknappheit der Firmengeschichte im Jahr 2027, mit Engpässen bis über 2030 hinaus – eine Einschätzung, die grundsätzlich zur Micron-Erzählung eines strukturellen Angebotsdefizits passt, dem Kurs der US-Aktie aber zunächst nicht half.

Am deutschen Handelsplatz schloss die Micron-Aktie am Freitag bei 857,30 Euro, ein Minus von 1,15 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 6,00 Prozent zu Buche, während sich der Titel auf Monatssicht mit einem Plus von 9,87 Prozent weiterhin robust zeigt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 218,70 Prozent zugelegt, binnen zwölf Monaten sogar 714,46 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.103,80 Euro, erreicht am 25. Juni 2026, notiert der Titel derzeit 22,33 Prozent entfernt, zum 52-Wochen-Tief von 90,64 Euro vom 1. August 2025 beträgt der Abstand hingegen 845,83 Prozent. Der Kurs liegt 6,72 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 803,32 Euro und deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 409,18 Euro. Der RSI von 48,7 signalisiert eine neutrale Marktlage, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität mit 109,58 Prozent die Schwankungsintensität rund um die jüngsten Nachrichten unterstreicht. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 938,02 Milliarden Euro.

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