Micron Aktie: 81 Prozent Bruttomarge Q3 erwartet
Rekordzahlen und ausverkaufte HBM-Kapazitäten treiben Micron, doch Skeptiker warnen vor zyklischen Risiken und hoher Bewertung.

- Umsatzsprung um 196 Prozent im Jahresvergleich
- HBM-Produktion für 2026 bereits komplett verkauft
- KGV von 7,8 trotz massiver Kursrallye
- Insiderverkäufe im Frühjahr häufen sich
Micron liefert Zahlen, die selbst für einen Chipzyklus ungewöhnlich sind. Der Speicherhersteller profitiert von der KI-Nachfrage, ausverkauften HBM-Kapazitäten und Margen, die eher an Softwarekonzerne erinnern. Der Kurs hat das bereits massiv eingepreist — und genau dort beginnt der Streit.
Am Freitag notiert die Aktie bei 638,00 Euro und verliert damit 6,05 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten steht trotzdem ein Plus von 647,25 Prozent. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren: Nach einer solchen Rally zählt jeder Hinweis auf das Ende des Superzyklus doppelt.
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Rekordzahlen treiben die Neubewertung
Im zweiten Geschäftsquartal erzielte Micron einen Umsatz von 23,86 Milliarden Dollar. Das waren 75 Prozent mehr als im Vorquartal und 196 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Dynamik zeigt, wie stark sich der Speicherzyklus durch KI-Server und HBM-Nachfrage verändert hat.
Der Nettogewinn lag bei 13,79 Milliarden Dollar. Die GAAP-Bruttomarge erreichte 74,4 Prozent, der Gewinn je Aktie betrug 12,07 Dollar. Für einen klassischen Speicherchipanbieter ist das ein außergewöhnliches Niveau.
Für das dritte Geschäftsquartal stellt das Management noch höhere Werte in Aussicht. Geplant sind rund 33,5 Milliarden Dollar Umsatz, eine Bruttomarge von etwa 81 Prozent und 19,15 Dollar Gewinn je Aktie. Micron selbst verweist darauf, dass der avisierte Quartalsumsatz höher liegt als jeder frühere Jahresumsatz des Unternehmens bis zum Geschäftsjahr 2024.
HBM ist der Engpass
Der zentrale Treiber ist High-Bandwidth Memory. Microns gesamte HBM-Produktion für das Kalenderjahr 2026 ist bereits verkauft, abgesichert durch verbindliche Preis- und Volumenverträge mit großen Cloud-Kunden. Laut CEO Sanjay Mehrotra sind die Preise festgelegt.
Das ist der Punkt, der diesen Zyklus von früheren Speicherbooms unterscheidet. Neue relevante Kapazitäten dürften erst 2028 spürbar an den Markt kommen. Bis dahin bleibt das Angebot knapp, während KI-Rechenzentren weiter große Mengen schneller Speicherchips benötigen.
Micron sieht den adressierbaren HBM-Markt von derzeit rund 35 Milliarden Dollar auf etwa 100 Milliarden Dollar bis 2028 wachsen. Diese Marke würde damit früher erreicht als bislang angenommen. Auch HBM4 spielt dabei eine wichtige Rolle.
Günstig oder gefährlich teuer?
Auf den ersten Blick wirkt die Bewertung erstaunlich niedrig. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 7,85 und damit deutlich unter dem Branchenmedian von 36,83. Der Abschlag beträgt 78,7 Prozent.
Der Marktwert liegt inzwischen bei rund 900 Milliarden Dollar. In den vergangenen zwölf Monaten erzielte Micron 58,12 Milliarden Dollar Umsatz und 24,11 Milliarden Dollar Gewinn. Die Rally wurde damit vor allem durch sprunghaft steigende Ergebnisprognosen getragen, nicht nur durch höhere Bewertungsmultiplikatoren.
Genau darin liegt das Bewertungsparadox. Wer Micron optimistisch sieht, betrachtet den Konzern als strukturellen Gewinner eines mehrjährigen KI-Investitionszyklus. Skeptiker sehen einen extrem zyklischen Speicherhersteller, dessen Gewinne bei normalisierten Preisen wieder stark zurückfallen könnten.
Zyklische Risiken bleiben sichtbar
Ein Warnsignal ist die Insideraktivität. Fast alle von 63 gefilterten Transaktionen im Frühjahr entfielen auf Verkäufe. Das muss nicht zwingend eine negative operative Aussage sein, passt aber nicht zum Bild einer risikolosen Neubewertung.
Die aktuelle Bewertung impliziert ein zehnjähriges EBITDA-Wachstum von rund 26 Prozent pro Jahr. Das ist anspruchsvoll, falls der KI-getriebene Speicherboom tatsächlich nahe dem Konsens-Hochpunkt 2027 abflacht. Neue Werke in Idaho, New York und Singapur könnten später zusätzlichen Preisdruck erzeugen.
Micron fährt seine Investitionen bereits hoch. Im dritten Geschäftsquartal sind Investitionen von etwa 7 Milliarden Dollar geplant, für das Geschäftsjahr 2027 soll der Aufwand für HBM und DRAM deutlich steigen. Erste Wafer aus neuen Kapazitäten in Idaho und New York werden frühestens Mitte 2027 erwartet.
Mit dem nächsten Quartalsbericht rückt vor allem die Bruttomarge in den Mittelpunkt. Hält sie sich nahe der avisierten 81 Prozent, stützt das die These knapper Versorgung und starker Preissetzungsmacht. Ein deutlicher Rückgang würde die Debatte über den Gipfel des Zyklus sofort verschärfen.
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