Micron Aktie: Blase oder Fundament?

Trotz massivem Kursanstieg bleibt Microns KGV niedrig, da Gewinne schneller wachsen. Analysten sehen Kurspotenzial bis 1.750 Dollar.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzplus von 196 Prozent
  • KGV trotz Rally unverändert niedrig
  • Analystenkurse bis 1.750 Dollar
  • HBM-Kapazität für 2026 ausverkauft

Die Micron-Aktie hat sich in einem Jahr um rund 856 Prozent verteuert. Das klingt nach klassischer Übertreibung — doch die Zahlen hinter der Rally erzählen eine andere Geschichte.

Fundamentaldaten stützen den Höhenflug

Zuletzt meldete Micron einen Quartalsumsatz von 23,9 Milliarden Dollar — ein Plus von 196 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Die operative Marge kletterte von 22 auf 67,6 Prozent, der bereinigte Gewinn je Aktie von 12,20 Dollar übertraf die Erwartungen deutlich. CEO Sanjay Mehrotra sprach von einer „strukturellen Knappheit“: Micron kann derzeit nur 50 bis 67 Prozent der Nachfrage nach HBM- und DRAM-Chips bedienen. Die HBM-Produktionskapazität für 2026 ist bereits vollständig ausverkauft.

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Das schlägt sich in der Bewertung nieder — oder vielmehr kaum: Trotz des Kursanstiegs notiert die Aktie bei rund zehn Mal dem erwarteten Jahresgewinn. Das KGV ist während der Rally nicht gestiegen, weil die Gewinnschätzungen noch schneller anzogen.

Analysten erhöhen Kursziele deutlich

Die Wall Street reagiert entsprechend. Die Kursziele der Analysten liegen inzwischen zwischen 1.150 und 1.750 Dollar:

  • Susquehanna: 1.750 Dollar (Positive)
  • UBS: 1.625 Dollar
  • DA Davidson: 1.500 Dollar (Buy)
  • Barclays: 1.175 Dollar
  • Mizuho: 1.150 Dollar (Outperform)

Susquehanna erwartet für das zweite Quartal 2026 DRAM-Durchschnittspreise, die bis zu 60 Prozent über dem Vorquartal liegen. NAND-Preise sollen um 75 bis 100 Prozent steigen. Das Analysehaus erwartet eine anhaltend knappe Versorgungslage bis 2027 — gestützt durch Veränderungen beim KV-Cache-Offloading, das Hersteller von aggressiven Kapazitätserweiterungen abhält.

Wo die echte Unsicherheit liegt

Kein Wunder, dass kritische Stimmen trotzdem laut werden. Die Gewinnschätzungen für den Philadelphia Semiconductor Index haben sich in zwei Jahren mehr als verdoppelt — und die Frage, ob die KI-Nachfrage dauerhaft auf diesem Niveau bleibt, ist nicht abschließend beantwortet. Microns Beteiligung als strategischer Partner an Anthropics milliardenschwerer Finanzierungsrunde unterstreicht zwar die enge Verflechtung mit dem KI-Ökosystem. Doch das Argument „Strukturknappheit“ trägt nur, solange Hyperscaler ihre Rechenzentren tatsächlich im geplanten Tempo ausbauen.

Samsung hat inzwischen erste 12-Schicht-HBM4E-Muster an Großkunden verschickt — ein Zeichen, dass der Wettbewerb nicht schläft. Vorläufig bestätigt das aber eher den Superzyklus als dass es ihn gefährdet: Wer ebenfalls liefert, validiert die Nachfrage. Das Risikoszenario liegt woanders — in einer möglichen Abschwächung der KI-Investitionsbereitschaft, nicht in der aktuellen Angebotslage.

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