Micron Aktie: Burry wettet am 2. Juli gegen KI-Rally

Investor Michael Burry eröffnet Short-Position gegen Micron und zweifelt an der Nachhaltigkeit des KI-getriebenen Kursanstiegs.

Die Kernpunkte:
  • Burry wettet erstmals gegen Micron
  • Kurs weit über gleitenden Durchschnitten
  • Rekordgewinne durch KI-Nachfrage als Gegenargument
  • Analysten sehen weiteres Kurspotenzial

Selten bringt ein einzelner Trade eine ganze Marktdebatte so präzise auf den Punkt wie Michael Burrys neueste Short-Position. Der Investor, der 2008 den Immobiliencrash vorhersah, richtet seinen Zweifel nun gegen den KI-Trade. Und Micron Technology steht direkt im Visier.

Wenn der Mann, der 2008 richtig lag, die Seite wechselt

Michael Burry, Gründer von Scion Asset Management und durch „The Big Short“ bekannt geworden, meldete am 2. Juli in einem Substack-Beitrag eine neue Short-Position gegen Micron. Bemerkenswert ist dabei nicht nur der Zeitpunkt. Es ist die Kehrtwende: Burry hat Micron-Aktien bislang ausschließlich long gehalten. Jetzt wettet er erstmals gegen den Chiphersteller.

Seine Begründung geht über eine simple Bewertungsfrage hinaus. „Micron definiert zyklisch wie kein anderer Wert“, schreibt Burry und verweist auf 34 Kurseinbrüche von mehr als 30 Prozent in den vergangenen 42 Jahren. Er stützt das mit einem Argument zur Marktpsychologie: Die jüngste Rally sei von Emotionen getrieben, nicht von Fundamentaldaten. Als treibende Kräfte nennt er „Angst, etwas zu verpassen, die Greater-Fool-Theorie und öffentlichen Bindungsdruck“. Besonders auffällig findet er einen technischen Punkt: Micron-Aktien handeln so weit über ihrem 200-Tage-Durchschnitt wie zuletzt 1984 — eine Zeitspanne, die auch die Dotcom-Blase einschließt.

Die aktuellen Kennzahlen der Aktie geben diesem Befund reichlich Substanz. Am Freitag schloss Micron bei 912,00 Euro — satte 133 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 391,42 Euro. Auch der 50-Tage-Durchschnitt von 762,26 Euro und der 100-Tage-Durchschnitt von 558,09 Euro zeichnen dasselbe Bild: eine Aktie, die sich von ihren eigenen Trendlinien gelöst hat, wie es bei Large Caps nur selten vorkommt.

Was die Bullen entgegensetzen

Das Gegenargument ist nicht schwach. Das laufende Quartal zeigt Rekordgewinne, getrieben von der KI-Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory-Chips und neuen langfristigen Lieferverträgen mit Großkunden. Die Kundennachfrage nach Speicherchips liegt Micron zufolge in fast jeder Produktkategorie „deutlich über unserer Lieferfähigkeit“ — und das bis 2028. Das Unternehmen argumentiert, seine neuen mehrjährigen Kundenverträge machten die Nachfrage stabiler und planbarer als in früheren Zyklen.

Die Analystengemeinde stützt diese Erzählung vorerst. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.298,62 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 42,4 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss — eine Lücke, die groß genug ist, um zu zeigen: Die Wall Street steht mehrheitlich gegen Burrys These, zumindest im Moment.

Eine Aktie zwischen zwei Extremen

Der Kursverlauf selbst erzählt die Geschichte einer Rally, die abgekühlt ist, ohne einzubrechen. Micron liegt seit Jahresbeginn immer noch atemberaubende 239,03 Prozent im Plus und auf Zwölfmonatssicht sogar 777,94 Prozent. Die vergangenen sieben Tage brachten allerdings einen Rückgang von 8,40 Prozent, auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von 2,14 Prozent zu Buche. Die Aktie notiert 17,38 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro vom 25. Juni — liegt aber gleichzeitig 906,18 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief vom vergangenen August.

Ein RSI von 52,2 zeigt die Aktie technisch in neutralem Terrain — weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 116,01 Prozent bestätigt dagegen, wie heftig dieser Titel in beide Richtungen ausschlagen kann. Genau auf dieses Terrain setzt Burry.

Timing statt Richtung

Selbst Kritiker seines Schritts räumen die Spannung in Burrys Argumentation ein. Micron verlangt von Investoren den Glauben, dass sich die Speicherpreise auf einem Niveau halten lassen, das die Branche historisch kaum über einen vollen Zyklus hinweg gehalten hat. Genau das ist der Kern der Debatte, die gerade live ausgetragen wird — zwischen einem Leerverkäufer mit dokumentierter Geschichte des zu frühen Timings, manchmal um Jahre, und einem Unternehmen, dessen aktuelle Zahlen keine Spur von dem „Kapitalvernichter“-Muster zeigen, das Burry beschreibt.

Niemand sollte eine Aktie allein deshalb verkaufen, weil Michael Burry dagegen wettet. Seine Short-Position ist aber ein guter Anlass für einen ehrlichen Blick auf die eigene Positionsgröße. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 962,86 Milliarden Euro und einem Kurs weit über jedem wichtigen gleitenden Durchschnitt steht Micron vor einer entscheidenden Phase. Die nächste Berichtssaison dürfte zeigen, ob der Speicher-Superzyklus jetzt auf seine ersten ernsthaften Zweifler trifft — oder ob die Rally erneut allen Skeptikern das Gegenteil beweist.

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