Micron Aktie: Verträge mit Qualcomm und DENSO
Micron schließt langfristige Lieferverträge mit Autozulieferern und meldet ein Rekordquartal mit massivem Umsatzplus.

- Lieferverträge mit Autobranche geschlossen
- Rekordumsatz im dritten Geschäftsquartal
- Aktie trotz Rallye deutlich gefallen
- Institutionelle Investoren stocken auf
Micron Technology hat langfristige Liefervereinbarungen mit einer Reihe von Autozulieferern und -herstellern geschlossen. Zu den neuen Vertragspartnern zählen Qualcomm, Visteon, HARMAN, JOYNEXT, DENSO, Astemo und Hyundai Mobis. Die sogenannten Strategic Customer Agreements sichern dem Speicherchip-Hersteller planbare Abnahmemengen im Automobilsegment und erweitern das Geschäft über das bisher dominierende Rechenzentrums- und KI-Geschäft hinaus.
Die Nachricht fällt in eine Phase, in der die Aktie nach einem kräftigen Kursanstieg deutlich zurückgekommen ist. Dennoch bleibt der Jahresverlauf beeindruckend: Allein seit Jahresbeginn steht ein Plus von 196,03 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 664,34 Prozent.
Rekordquartal befeuert die Rally
Grundlage der Kursrally ist ein außergewöhnliches drittes Geschäftsquartal. Micron meldete für das bis Ende Juni laufende Quartal einen Umsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 345,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über der Analystenschätzung von 35,91 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn je Aktie auf Non-GAAP-Basis lag bei 25,11 US-Dollar gegenüber einer Konsensschätzung von 21,39 US-Dollar, die Bruttomarge erreichte 84,9 Prozent. Für das laufende vierte Quartal stellt Micron einen Umsatz von rund 50 Milliarden US-Dollar bei einer Bruttomarge von etwa 86 Prozent sowie einen Gewinn je Aktie zwischen 30 und 32 US-Dollar in Aussicht. Treiber ist unter anderem die hochvolumige Auslieferung von HBM4-Speicherchips, die im Zuge des KI-Baubooms stark nachgefragt werden.
Kursrücksetzer trotz starker Zahlen
Trotz der starken Geschäftsentwicklung hat die Aktie zuletzt spürbar an Wert verloren. Am Freitag schloss das Papier bei 746,30 Euro, nahezu unverändert zum Vortag mit minus 0,09 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht jedoch ein Rückgang von 17,74 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch vom 25. Juni 2026 bei 1.103,80 Euro beträgt der Abstand mittlerweile 32,39 Prozent. Der Rücksetzer betrifft nicht nur Micron: Der breitere Speicherchip-Sektor geriet zeitweise in einen technischen Bärenmarkt, belastet unter anderem durch hohe Investitionsankündigungen von Wettbewerbern, einen geplanten Börsengang des chinesischen Speicherherstellers CXMT über 8,55 Milliarden US-Dollar sowie den Handelsstart der SK-Hynix-Papiere an der Nasdaq. Eine vielbeachtete Bewertungsanalyse hält die Aktie derzeit für rund 67 Prozent überbewertet und beziffert den fairen Wert auf 507,88 US-Dollar gegenüber einem Schlusskurs von 848,95 US-Dollar – bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19, das deutlich unter dem Branchendurchschnitt von 58,7 liegt.
Institutionelle kaufen, Insider verkaufen
Das Bild bei institutionellen Investoren ist gemischt, in der Tendenz aber klar auf Zukäufe ausgerichtet. Norges Bank baute im ersten Quartal eine neue Position im Wert von 6,43 Milliarden US-Dollar auf. Die Schweizerische Nationalbank erhöhte ihren Bestand um 7,4 Prozent auf 3.303.100 Aktien im Wert von 1,12 Milliarden US-Dollar. SEB Asset Management und Jennison Associates stiegen mit Positionen von 121,42 beziehungsweise 116,23 Millionen US-Dollar neu ein. Insgesamt liegt der institutionelle Anteil an Micron bei 80,84 Prozent. Auf der Verkäuferseite reduzierten unter anderem Hershey Financial Advisers ihren Bestand um 84,7 Prozent und Bartlett & Co. Wealth Management um 18,1 Prozent.
Parallel dazu haben Unternehmensinsider in den vergangenen 90 Tagen Aktien im Umfang von 163.300 Stück beziehungsweise rund 152,7 Millionen US-Dollar verkauft. CEO Sanjay Mehrotra veräußerte am 26. Juni 28.506 Aktien zu je 1.149,28 US-Dollar, EVP April Arnzen verkaufte am 1. Juli 40.000 Aktien zu 1.083,94 US-Dollar, und Director Lynn Dugle trennte sich am 30. Juni von 1.300 Aktien zu 1.150,43 US-Dollar. Auf der Analystenseite überwiegt trotz der Insiderverkäufe der Optimismus: Der Konsens aus 34 Kauf- und drei Halteempfehlungen ergibt ein durchschnittliches Kursziel von 1.268,93 US-Dollar. Die Spanne reicht von Goldman Sachs mit einer neutralen Einstufung und einem Kursziel von 1.100 US-Dollar bis zu DA Davidson und Susquehanna mit jeweils 2.000 US-Dollar.
Strukturelle Speicherknappheit als Rückenwind
Untermauert wird die langfristig bullische Einschätzung durch Aussagen aus der Speicherchip-Branche selbst. SK-Group-Chef Chey Tae-won warnte laut Korea Herald, die Nachfrage nach KI-Speicherchips werde das Angebot bis mindestens 2027 deutlich übersteigen – Kunden hätten für 2027 bereits 60 bis 100 Prozent mehr Speicherkapazität angefragt als im Vorjahr. Chey erwägt laut Korea JoongAng Daily sogar den Bau eines Werks in den USA, um die „abnormal hohen“ Speicherpreise zu dämpfen. Für Micron, das im HBM-Markt neben Samsung rund 21 Prozent Anteil hält, dürfte dieses Umfeld anhaltend hohe Preise und Auslastung bedeuten – auch wenn kurzfristige Kursschwankungen wie zuletzt Teil der Bewegung bleiben.
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