Micron: BofA hebt Ziel auf 1.550 Dollar
Chiphersteller profitiert von optimistischer Analystenprognose und geopolitischen Spannungen. Die Aktie erholt sich deutlich von ihrem jüngsten Rückgang.

- BofA erhöht Kursziel auf 1.550 Dollar
- DRAM-Umsatz soll um 343 Prozent wachsen
- Apple-Streit könnte Micron als Lieferanten stärken
- Aktie erholt sich um 36 Prozent
Micron Technology hat am Montag die Marke von 1.000 Dollar zurückerobert und damit einen Kurssprung ausgelöst, der die Aktie an der deutschen Handelsplattform am Montag um 3,9 Prozent auf 873,80 Euro trieb. Auslöser war eine Kombination aus geopolitischem Rückenwind für den US-Chiphersteller und einer forschen Kurszielanhebung von Bank of America.
Analystin sieht Gewinnverdopplung gegenüber Konsens
BofA-Analyst Vivek Arya hob sein Kursziel für Micron von 1.500 auf 1.550 Dollar an und bekräftigte seine Kaufempfehlung. Seine Prognose: Der Gewinn je Aktie könnte im Geschäftsjahr 2030 zwischen 200 und 250 Dollar liegen, während der Marktkonsens nur 160 bis 170 Dollar veranschlagt.
Arya begründet seine Zahlen mit dem Investorentag von SanDisk, bei dem Vorstandschef David Goeckeler ein jährliches Umsatzwachstum von 15 Prozent und Bruttomargen von über 80 Prozent bis zum Geschäftsjahr 2030 in Aussicht stellte. Micron selbst könnte demnach bis dahin einen kumulierten freien Cashflow von mehr als 640 Milliarden Dollar erwirtschaften.
Sobald die Beschränkungen des CHIPS Act im Dezember auslaufen, hält Arya zudem jährliche Aktienrückkäufe im Umfang von rund zehn Prozent der Marktkapitalisierung für möglich. Der Wall-Street-Konsens bleibt mit 29 Kaufempfehlungen gegenüber einer Halten-Einstufung und einem durchschnittlichen Kursziel von 1.568,39 Dollar ebenfalls deutlich bullisch.
Untermauert wird die Euphorie durch harte Zahlen zur laufenden Nachfrage: Laut BofA soll der DRAM-Umsatz im dritten Quartal um 343 Prozent auf 31,3 Milliarden Dollar steigen, der NAND-Umsatz um 361 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar.
Micron selbst hatte für sein viertes Quartal einen Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar sowie einen Gewinn je Aktie zwischen 30 und 32 Dollar in Aussicht gestellt. Die Kapazitäten für High-Bandwidth-Memory-Chips gelten laut Marktberichten bis 2027 als ausverkauft, JPMorgan rechnet mit einer Speicherknappheit von mindestens zwei weiteren Jahren.
Apple-Streit um chinesische Speicherchips treibt zusätzlich
Neben der Analystenrunde sorgte am Montag ein politischer Konflikt für Auftrieb: US-Handelsminister Howard Lutnick lehnt es ab, dass Apple Speicherchips vom chinesischen Anbieter ChangXin Memory Technologies bezieht, der auf einer Pentagon-Liste steht.
Der Senat hat Apple eine Frist bis zum 21. August gesetzt, sich zu den Beschaffungsplänen zu äußern. Für Micron ist die Entwicklung doppelt relevant: Einerseits sehen Beobachter das Risiko, dass eine Verlagerung zu chinesischen Lieferanten Microns Anteil am Premium-Segment für mobile Speicherchips schmälern könnte.
Andererseits könnte ein Ausschluss chinesischer Anbieter Micron als alleinigen Lieferanten für Apple stärken – ein Szenario, das einzelne Marktteilnehmer laut Berichten mit einem Kursziel von 1.100 Dollar verknüpfen.
Der Kursverlauf spiegelt die Nervosität und Dynamik des Themas wider: Nach einem Rückgang von rund 25 Prozent bis Ende Juli hat sich die Aktie um 36 Prozent erholt. Auf Wochensicht summiert sich das Plus zuletzt auf gut zehn Prozent, seit Jahresbeginn steht laut Marktdaten ein Zuwachs von 247 Prozent zu Buche.
Trotz der jüngsten Rally notiert das Papier noch 21 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro, das Ende Juni erreicht wurde – Spielraum, den Bullen wie Arya als Kaufargument werten, während Skeptiker angesichts einer annualisierten Volatilität von 93 Prozent vor der Schwankungsanfälligkeit der Aktie warnen.
Kapazitätsausbau soll Engpässe erst mittelfristig lösen
Dass die aktuelle Knappheit nicht kurzfristig endet, zeigen die Investitionspläne der Branche. Micron hat bis zu drei Milliarden Dollar für die US-Lieferkette zugesagt, darunter 500 Millionen Dollar an GlobalWafers für 300-Millimeter-Wafer aus Texas im Rahmen eines Zehnjahresvertrags.
Konkurrent SK Hynix steckt fast vier Milliarden Dollar in HBM-Packaging in Indiana, produziert wird dort aber erst ab der zweiten Hälfte 2028. Diese Vorlaufzeiten erklären, warum Marktbeobachter die aktuelle Angebotslücke noch über Jahre für bestehend halten – ein Umstand, der die Preissetzungsmacht der etablierten Speicherhersteller vorerst stützt.
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