Micron-Euphorie beflügelt KLA und Lam Research — Palantir rutscht auf Jahrestief
Halbleiter-Ausrüster profitieren von Microns Rekordquartal, während Softwaretitel wie Palantir und Cognizant unter Druck geraten.

- KLA und Lam Research legen kräftig zu
- Western Digital profitiert von HDD-Engpass
- Ross Stores trotz starker Zahlen im Minus
- Palantir erreicht neues Jahrestief
Der Speicherchip-Boom spaltet die Nasdaq in zwei Lager. Microns Rekordquartal mit einem Umsatzanstieg von 346 % löste am Donnerstag eine Kettenreaktion aus: Halbleiter-Ausrüster wie KLA-Tencor und Lam Research schossen nach oben, während Software-Titel und Konsumwerte kräftig Federn ließen. Am Ende schloss der Nasdaq Composite 0,46 % tiefer — der vierte Verlusttag in Folge.
Die Trennlinie verlief messerscharf. Wer im Halbleiter-Infrastrukturzyklus positioniert war, feierte. Wer auf hochbewertete Software oder Konsumzykliker setzte, zahlte die Zeche. Zusätzlich belastete der US-PCE-Inflationsindex, der auf ein Dreijahreshoch kletterte und Zinssenkungsfantasien einen Dämpfer verpasste.
| Asset | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| KLA-Tencor | 226,75 € | +7,4 % |
| Lam Research | 401,82 $ | +7,2 % |
| Western Digital | 590,00 € | +3,9 % |
| Ross Stores | 189,48 € | −5,9 % |
| Cognizant | 34,45 € | −5,6 % |
| Palantir | 94,36 € | −5,6 % |
KLA-Tencor: Dominanter Marktanteil zahlt sich aus
KLA verzeichnete gestern einen der stärksten Einzeltage im NASDAQ-100. Die Logik dahinter ist simpel: Wenn Micron ein Rekordquartal meldet, profitieren die Ausrüster, die dessen Fertigungsanlagen mit Messtechnik und Inspektionssystemen bestücken. KLA hält in diesem Spezialsegment einen Marktanteil, der ein Vielfaches des nächsten Wettbewerbers beträgt.
Das Unternehmen hatte zuletzt seinen Ausblick für Advanced-Packaging-Prozesssteuerungserlöse auf rund eine Milliarde Dollar angehoben — eine massive Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Der KI-Infrastrukturboom treibt diese Nachfrage direkt, denn moderne Chiparchitekturen mit Gate-All-Around-Konfigurationen und dreidimensionaler Integration benötigen immer präzisere Fehlererkennung.
BofA-Analyst Vivek Arya reagierte mit einer Kurszielanhebung auf 317 Dollar bei unverändertem Buy-Rating. Der kürzlich durchgeführte 10-für-1-Aktiensplit hat zudem die Liquidität spürbar erhöht und den nominalen Einstiegspreis für kleinere Anleger gesenkt. Bei KLA stimmt derzeit die Richtung — der Anstieg fügt sich nahtlos in einen strukturellen Aufwärtstrend ein.
Lam Research: Vertikale Chiparchitekturen als Wachstumsmotor
Lam Research legte gestern mit einem Plus von 7,2 % fast genauso stark zu wie KLA. Die Begründung lieferte Lam-CFO Bettinger selbst prägnant: „Wenn die Dinge in der dritten Dimension eskalieren, wächst die Ätz- und Depositionsintensität. Das ist alles, was wir tun.“
Höhere NAND-Stapel, High-Bandwidth Memory, Through-Silicon-Vias — all diese Technologien treiben Chipstrukturen in die Vertikale und erzeugen genau die Arbeit, auf die Lams Werkzeuge spezialisiert sind. Wells-Fargo-Analyst Joe Quatrochi hob das Kursziel auf 450 Dollar an. Citi verwies ergänzend auf einen bullishen Ausblick für die NAND-Ausrüstungsnachfrage, angetrieben durch die rasante Expansion von KI-Workloads.
Die Zahlen untermauern den Optimismus. Im Märzquartal erzielte Lam einen Umsatz von 5,84 Milliarden Dollar — ein Plus von 24 % gegenüber dem Vorjahr. Die Aktie notiert bei 401,82 Dollar nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch und hat sich seit dem Jahrestief im Juli mehr als vervierfacht. Der KI-Superzyklus hat Lam Research fest im Griff — im positiven Sinne.
Western Digital: Neubewertung als KI-Infrastrukturlieferant
Western Digital profitierte von doppeltem Rückenwind: dem Micron-Effekt und einer fundamentalen Neubewertung des HDD-Marktes. Morgan Stanley hob das Kursziel auf 650 Dollar an und prognostiziert einen globalen Engpass bei Hochkapazitäts-Festplatten, der mindestens bis 2028 anhalten soll.
Die Nachfrage-Angebots-Schere klafft auseinander:
- HDD-Nachfrage für KI-Infrastruktur soll jährlich um 40 % bis 50 % wachsen
- Das Angebot kann voraussichtlich nur um 30 % bis 35 % steigen
- Auf der Computex 2026 präsentierte Western Digital neue Ultrastar-Plattformen für KI-Datenwachstum
Im dritten Fiskalquartal lieferte das Unternehmen mit einem Umsatz von 3,337 Milliarden Dollar und bereinigten EPS von 2,72 Dollar deutlich über den Erwartungen. Die Aktie gab im Wochenverlauf zwar knapp 10 % ab, liegt auf Monatssicht aber fast 30 % im Plus. Das Management betont, dass KI in erster Linie ein Speicher- und Datenproblem ist — und genau dort setzt Western Digital an.
Ross Stores: Bewertungskorrektur trotz operativer Stärke
Ross Stores gehörte mit einem Minus von 5,9 % zu den größten Verlierern — und das trotz solider Geschäftszahlen. Das Paradox erklärt sich durch eine Mischung aus Bewertungsbedenken und einem frischen Downgrade: Wells Fargo stufte die Aktie am Montag herab.
Die Fundamentaldaten haben sich zwar gefestigt, mit robuster Nachfrage und breitem Same-Store-Sales-Wachstum. Das 17-%-SSS-Wachstum im ersten Quartal wurde allerdings teilweise durch Steuerrückerstattungen getrieben. Die Vorwärts-Guidance von 6–7 % signalisiert Normalisierung. Bei einem Forward-KGV von rund 30 preist die Bewertung bereits einen Großteil der Verbesserung ein.
Erschwerend kommt hinzu: Insider haben in den letzten drei Monaten Aktien im Wert von 9,3 Millionen Dollar verkauft, ohne nennenswerte Käufe. Der Makrokontext belastet zusätzlich — rund 48 % der Konsumenten schränken ihre Bekleidungsausgaben ein. Der Kursrückgang auf 189,48 Euro spiegelt weniger operative Schwäche als die Frage wider, ob nach der starken Rallye noch Luft nach oben bleibt.
Cognizant: Accentures Warnsignal trifft den ganzen Sektor
Cognizant markierte gestern mit 34,45 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Der Abwärtstrend hat das Papier seit Jahresbeginn halbiert. Der jüngste Auslöser kam nicht vom Unternehmen selbst: Accentures Guidance-Senkung löste einen breiten Ausverkauf im IT-Services-Sektor aus.
Berenberg kehrte seine bullishe Haltung um und stufte von Kaufen auf Halten herab — mit einer Kurszielkürzung auf 59 Dollar. Die Begründung wiegt schwer: Der KI-Übergang schreite schneller voran als erwartet und verschlechtere die strukturellen Aussichten für Legacy-IT-Dienstleister erheblich. Cognizant liege bei der Entwicklung differenzierter KI-Fähigkeiten hinter den Sektorführern zurück.
Das Geschäft selbst zeigt ein gemischtes Bild. Ein Bookings-Wachstum von 21 % im Jahresvergleich steht einem „softeren Nachfrageumfeld“ gegenüber, wie das Management einräumte. Berichte über mögliche Entlassungen von 12.000 bis 15.000 Mitarbeitern — hauptsächlich in Indien — könnten die Margen langfristig verbessern, belasten kurzfristig aber das Vertrauen. Der RSI von 21,6 signalisiert eine technisch überverkaufte Situation, doch die fundamentale KI-Deflationsdebatte hält an.
Palantir: Starke Zahlen, untragbare Bewertung?
Palantir erlebt seinen schlimmsten Monat seit Jahren. Bei 94,36 Euro notiert die Aktie nahe dem 52-Wochen-Tief und hat seit dem Hoch im November fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Einen einzelnen unternehmensspezifischen Auslöser gibt es nicht. Stattdessen steckt das Papier in einem breiteren Software-Ausverkauf — manche Händler sprechen bereits von einer „SaaSpocalypse“, einer Neubewertung reichlich bewerteter Software-Namen angesichts der Befürchtung, dass KI-Agenten traditionelle Enterprise-Abonnementmodelle aushöhlen könnten.
Mehrere Faktoren verstärken den Druck:
- Frankreichs Inlandsgeheimdienst DGSI stellt aktiv auf einen lokalen Konkurrenten um — ein direkter Schlag gegen internationale Behördeneinnahmen
- Insider-Verkäufe summierten sich in den vergangenen drei Monaten auf 133 Millionen Dollar
- Der RSI von 27,2 deutet auf eine technisch überverkaufte Situation hin
Das operative Geschäft selbst ist stark: Im ersten Quartal 2026 erreichte der Umsatz 1,63 Milliarden Dollar — ein Plus von 85 % gegenüber dem Vorjahr. Die GAAP-Betriebsmarge lag bei 46 %. Das Dilemma bleibt bestehen: Die Fundamentaldaten sind beeindruckend, aber selbst wohlgesonnene Analysten tun sich schwer, die Bewertung auf dem aktuellen Niveau zu verteidigen.
Halbleiter dominieren — Software und Konsum unter Druck
Der Donnerstag lieferte eine klare Botschaft: Der Markt differenziert schärfer denn je zwischen Halbleiter-Infrastruktur und dem Rest der Nasdaq. KLA, Lam Research und Western Digital profitieren strukturell vom KI-Kapazitätsausbau der Hyperscaler — ein Trend, den Microns Rekordquartal eindrucksvoll bestätigt hat.
Auf der anderen Seite stehen hochbewertete Software-Titel wie Palantir und IT-Dienstleister wie Cognizant, die mit der Angst vor KI-getriebener Disruption ihrer eigenen Geschäftsmodelle kämpfen. Der steigende PCE-Inflationsindex könnte den Bewertungsdruck auf hochmultiple Namen weiter verschärfen, sollte die Fed ihren restriktiven Kurs beibehalten. Für Konsumzykliker wie Ross Stores bleibt die Normalisierung nach der starken Rallye das zentrale Thema. Die Trennlinie zwischen Gewinnern und Verlierern dürfte sich in den kommenden Wochen weiter vertiefen.
KLA-Tencor-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue KLA-Tencor-Analyse vom 26. Juni liefert die Antwort:
Die neusten KLA-Tencor-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für KLA-Tencor-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 26. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
KLA-Tencor: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




