Micron: HBM bis 2027 ausverkauft
Speicherchip-Hersteller Micron verzeichnet trotz jüngster Kursverluste Rekordumsätze und ausverkaufte HBM-Kapazitäten. Analysten bleiben wegen sinkender Speicherpreise vorsichtig.

- Rekordumsätze trotz Kursrückgang
- HBM-Kapazitäten bis 2027 ausverkauft
- Citigroup senkt Kursziel auf 1.150 Dollar
- Umsatzwachstum von 203 Prozent erwartet
Micron Technology navigiert derzeit durch ein widersprüchliches Marktumfeld. Auf der einen Seite stehen Rekordumsätze und ausverkaufte Speicherkapazitäten, auf der anderen Seite ein deutlicher Kursrückgang seit dem Sommerhoch und vorsichtigere Kursziele der Wall Street. Der Speicherchip-Hersteller bleibt damit einer der volatilsten Werte im aktuellen Halbleiterzyklus.
Kursrutsch seit dem Sommerhoch
Die Aktie schloss am Freitag bei 760,90 Euro, ein Minus von 0,54 Prozent zum Vortag. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.103,80 Euro, erreicht am 25. Juni, trennen das Papier inzwischen gut 31 Prozent. Zugleich liegt der Titel binnen zwölf Monaten um 692,60 Prozent im Plus – ein Zeichen dafür, dass selbst nach der jüngsten Korrektur der langfristige Aufwärtstrend intakt bleibt. Diese Gegensätzlichkeit prägt derzeit die Diskussion unter Analysten und Investoren.
Auslöser der Schwäche seit Juni sind vor allem Zweifel an der Preisdynamik im Speichermarkt. Citigroup senkte sein Kursziel für Micron von 1.400 auf 1.150 US-Dollar, bestätigte aber die Kaufempfehlung. Das Institut begründet den Schritt mit einer erwarteten Verlangsamung des DRAM- und NAND-Preiswachstums über die kommenden vier Quartale – bei DRAM von aktuell 23 Prozent auf null, bei NAND von 29 Prozent bis in den negativen Bereich in der zweiten Jahreshälfte 2027. Micron selbst war zuvor von einem Kurs von mehr als 1.000 US-Dollar auf ein Tief von rund 740 US-Dollar gefallen, bevor sich die Aktie wieder auf etwa 900 US-Dollar erholte.
Morgan Stanley meldete sich parallel mit einer Einschätzung zum Speichersektor, die jedoch differenziert zu lesen ist. Analyst Sean Kim sieht die steilste Korrekturphase bei den koreanischen Wettbewerbern für beendet und erhöhte die Kursziele für SK Hynix auf 2,6 Millionen Won und für Samsung Electronics auf 375.000 Won – jeweils mit einem Aufwärtspotenzial von über 60 Prozent. Für Micron selbst nannte das Institut in diesem Zusammenhang kein eigenes neues Kursziel; die Optimismus-Wende bezieht sich explizit auf die beiden koreanischen Hersteller, nicht auf den US-Konzern.
Operative Stärke trotz zyklischer Risiken
Losgelöst von der Kurszielsituation liefert Micron operativ weiterhin beeindruckende Zahlen. In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2026 bis zum 28. Mai erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 79 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 203 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Nettoeinkommen von 47 Milliarden US-Dollar und einer Marge von 60 Prozent. Im dritten Fiskalquartal allein lag der Umsatz bei 41,46 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 23,86 Milliarden im Vorquartal und lediglich 9,30 Milliarden im Vorjahresquartal. Für das vierte Quartal stellt Micron einen Umsatz von 50 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn pro Aktie zwischen 30 und 32 US-Dollar in Aussicht.
Gestützt wird das Geschäft durch strategische Kundenvereinbarungen mit Automobilzulieferern wie Qualcomm, Visteon, HARMAN, JOYNEXT, DENSO, Astemo und Hyundai Mobis, die Micron am 16. Juli abschloss. Zusätzlich sichert sich der Konzern über Langzeitverträge Vorauszahlungen von 22 Milliarden US-Dollar von 16 Partnern, von denen bereits 18 Milliarden US-Dollar eingegangen sind. Die HBM-Speicherkapazität des Unternehmens gilt bis 2027 als vollständig ausverkauft, ein Umstand, den Marktbeobachter als zentralen Stabilitätsfaktor für die kommenden Quartale werten.
Wettbewerbsdruck und Wachstumserwartungen
Als Risiko wird zunehmend der chinesische Anbieter ChangXin Memory Technologies genannt, der eigene HBM-Kapazitäten aufbaut und Micron mittelfristig Marktanteile abnehmen könnte. Analysten rechnen dennoch mit einem Umsatzwachstum von 247 Prozent im laufenden Geschäftsjahr 2026 und weiteren 85 Prozent im Geschäftsjahr 2027 – Werte, die den zyklischen Charakter des Speichergeschäfts nicht verschwinden lassen, aber die strukturelle Nachfrage aus dem KI-Bereich unterstreichen.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Kurzfristig belasten Sorgen über eine Abkühlung der Speicherpreise und die divergierenden Analystensignale den Kurs, während die operativen Kennzahlen und die langfristigen Lieferverträge auf eine anhaltend hohe Nachfrage nach Speicherlösungen für KI-Anwendungen hindeuten.
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