Micron: Q3-Gewinn um 24% über Schätzung

Micron verzeichnet starke Nachfrage bei KI-Speicherchips und übertrifft Erwartungen, während eine Patentklage von Netlist für Kursschwankungen sorgt.

Die Kernpunkte:
  • Patentklage von Netlist eingereicht
  • KI-Speichernachfrage treibt Umsatzwachstum
  • Starke Quartalszahlen übertreffen Prognosen
  • Micron startet 250-Millionen-Dollar-Investitionsfonds

Es gibt Aktien, bei denen jede Nachricht sofort in zwei Lager zerfällt: die einen sehen die große Story, die anderen das kleine Risiko am Rand. Micron Technology ist derzeit ein Paradebeispiel dafür. Auf der einen Seite steht die Erzählung vom größten Speicher-Boom seit Jahren, getragen von künstlicher Intelligenz. Auf der anderen Seite eine Patentklage, die daran erinnert, dass auch Branchenlieblinge nicht unantastbar sind.

Am Mittwoch vergangener Woche brach die Aktie um 5,9 Prozent ein, nachdem bekannt wurde, dass Netlist eine Klage vor der US-Handelsbehörde ITC eingereicht hat – gemeinsam gegen Micron, Supermicro, HPE und Lenovo. Der Vorwurf: Verletzung von vier US-Patenten rund um DDR5-RDIMMs und MRDIMMs, jene Speichermodule, die in modernen Servern stecken.

Netlist fordert Ausschluss- und Unterlassungsanordnungen, die im schlimmsten Fall den Import betroffener Produkte in die USA blockieren könnten. Zusätzlich brachte Netlist eine separate Patentklage vor einem Bundesgericht in Kalifornien ein. Heute nun legt die Aktie um 2,0 Prozent zu, notiert bei 818,70 Euro – eine Teilerholung, getragen von einer breiteren Erholung im Speichersektor, mehr nicht.

Die größere Geschichte bleibt Knappheit, nicht Klage

Wer nur auf die Netlist-Schlagzeile starrt, verpasst den eigentlichen Treiber hinter Microns Kursverlauf der vergangenen zwölf Monate: ein Angebotsdefizit, das die Branche selbst kaum noch zu kontrollieren scheint.

Sumit Sadana, Chief Business Officer bei Micron, sagte auf dem KeyBanc Capital Markets Technology Leadership Forum Anfang August, der aktuelle Zyklus werde von einem breiten KI-Ausbau getrieben, der noch am Anfang stehe. Man sehe seit den letzten Quartalszahlen stärkere Nachfragesignale und erwarte, dass das Kalenderjahr 2027 noch enger werde als 2026.

Das ist keine Marketingfloskel, sondern deckt sich mit Berichten, wonach Samsung, SK Hynix und Micron ihre Kapazitätsallokation für 2027 bereits verhandelt haben – DRAM- und HBM-Produktion gelten als vollständig ausgebucht, der Großteil langfristig an Cloud-Anbieter und KI-Chip-Kunden gebunden.

HBM-Speicher soll demnach fast 70 Prozent der gesamten DRAM-Kapazität beanspruchen. Was für PCs und Smartphones bleibt, wird knapper. Für Micron heißt das: Preissetzungsmacht, so lange die Nachfrage nicht abreißt.

Die Zahlen aus dem dritten Quartal 2026 untermauern diese These. Der Gewinn je Aktie lag bei 25,11 Dollar gegenüber einer Schätzung von 20,28 Dollar, der Umsatz erreichte 41,46 Milliarden Dollar statt der erwarteten 35,25 Milliarden.

Für das vierte Quartal stellte Micron einen Umsatz von 50,0 Milliarden Dollar in Aussicht, bei einer Bruttomarge von rund 86 Prozent. Ergänzend verwies das Unternehmen im Rahmen des Forums auf eine operative Marge von 81 Prozent im jüngsten Quartal – Werte, die man in der Halbleiterbranche selten sieht.

Kapital fließt in beide Richtungen

Parallel zur operativen Stärke baut Micron seine strategische Position aus: Mitte August startete das Unternehmen den Micron Ventures Paradigm Fund, ein mit 250 Millionen Dollar ausgestattetes Investmentvehikel, das über die gesamte KI-Technologiekette hinweg investieren soll – von Modellarchitekturen über Recheninfrastruktur bis zu physischer KI. Damit steigt das gesamte Kapitalvolumen von Micron Ventures auf 550 Millionen Dollar. Wer glaubt, ein Speicherhersteller stehe nur am Ende der Wertschöpfungskette, muss dieses Bild korrigieren.

Zugleich meldete CEO Sanjay Mehrotra Ende Juli die Absicht, 40.000 Aktien innerhalb von 90 Tagen zu verkaufen – bei einem damaligen Kurs von rund 932 Dollar ein Volumen von etwa 37 Millionen Dollar. Insiderverkäufe dieser Größenordnung sind bei stark gestiegenen Kursen keine Seltenheit und für sich genommen kein Warnsignal, gehören aber zum vollständigen Bild.

Der Kurs bewegt sich derzeit rund 3,1 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und rund 26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch, das die Aktie im Juni markierte. Zugleich liegt er 65 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Muster, das eher nach Verschnaufpause als nach Trendwende aussieht.

Die eigentliche Frage für Anleger lautet nicht, ob die Netlist-Klage das Geschäftsmodell gefährdet. Sie lautet, ob die Knappheit bei KI-Speicherchips bis 2027 tatsächlich so eng bleibt, wie Micron selbst es behauptet – und ob der Markt diese Prämisse schon vollständig eingepreist hat.

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