Micron: Sanjay Mehrotra sieht 50 Prozent Angebotslücke

Micron kündigt 10-Milliarden-Dollar-Forschungszentrum in Idaho an. Die Aktie steigt um vier Prozent, während der Speichermarkt von KI-Nachfrage profitiert.

Die Kernpunkte:
  • Milliardenschweres Forschungszentrum in Boise geplant
  • Aktie legt im US-Handel zu
  • KI-Nachfrage übersteigt Angebot deutlich
  • Langfristige Lieferverträge mit Großkunden

Micron Technology treibt seine Expansion in den USA weiter voran. Der Speicherchiphersteller kündigte am Donnerstag den Bau der Micron Research Labs in Boise, Idaho, an – ein auf zehn Jahre angelegtes Forschungsprojekt mit einem Investitionsvolumen von 10 Milliarden Dollar. Die Anleger reagierten positiv: Die Aktie legte im US-Handel um rund 4 Prozent zu.

Im deutschen Handel schloss das Papier gestern bei 835,30 Euro. Damit notiert Micron rund 24 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro, das im Juni erreicht wurde – nach einem Kursanstieg von 231 Prozent seit Jahresbeginn bleibt das noch immer ein bemerkenswertes Niveau. Die 30-Tage-Volatilität von 95 Prozent zeigt, wie stark die Aktie derzeit schwankt.

Neues Forschungszentrum als Ergänzung zur Fabrikoffensive

Die Research Labs sollen ab 2027 gebaut werden und sich auf Speichertechnologien sowie KI-Architekturen konzentrieren. Micron kündigte an, dort mit Stanford, der University of Texas at Austin und dem Forschungsinstitut imec zusammenzuarbeiten.

Unterstützung kommt von prominenter Seite: Nvidia-Chef Jensen Huang und Apple-Chef Tim Cook sollen das Projekt ausdrücklich befürworten, ebenso Handelsminister Lutnick sowie die Zulieferer Applied Materials und Lam Research.

Das Forschungszentrum ist Teil eines deutlich größeren Investitionsprogramms: Micron hat sich zu Investitionen von insgesamt 250 Milliarden Dollar in den USA bis 2035 verpflichtet, davon bis zu 6,2 Milliarden Dollar gefördert über den CHIPS Act.

Allein in Boise plant der Konzern den Bau zweier neuer Fabriken mit einem Volumen von 50 Milliarden Dollar, die laut lokalen Berichten rund 17.000 Arbeitsplätze schaffen sollen, etwa 3.500 davon direkt bei Micron. Die ersten Wafer aus der neuen Fabrik sollen 2027 laufen, die Produktion 2028 anlaufen.

CEO sieht strukturellen Wandel im Speichermarkt

Micron-Chef Sanjay Mehrotra erklärte am Donnerstag in einem Interview bei CNBC, dass künstliche Intelligenz die Logik des Speicherchip-Zyklus grundlegend verändert habe. Die Nachfrage der Rechenzentren übersteige das verfügbare Angebot um etwa 50 Prozent – Kunden würden faktisch 150 Prozent der lieferbaren Menge nachfragen wollen.

Mehrotra verwies zudem darauf, dass KI-Server bis zu achtmal mehr DRAM benötigten als klassische Server, was die strukturelle Verknappung insbesondere bei HBM3 und HBM3E erkläre.

Um sich gegen den branchentypischen Boom-Bust-Zyklus abzusichern, hat Micron nach eigenen Angaben mit 16 Kunden langfristige Fünf-Jahres-Verträge abgeschlossen, vier davon mit Großabnehmern. Diese Vereinbarungen sollen die Nachfrage über mehrere Jahre planbar machen und die Volatilität der Erträge dämpfen.

Sektorweite Rally bei Speicherherstellern

Der Kursanstieg bei Micron fällt in eine Phase, in der auch die koreanische Konkurrenz für Aufsehen sorgt. SK Hynix kündigte einen Aktienrückkauf über umgerechnet rund 28,6 Milliarden Dollar an, bei dem die zurückgekauften Aktien innerhalb von drei Monaten vernichtet werden sollen.

Samsung Electronics wiederum erwägt laut Berichten ein Aktionärsrenditeprogramm von bis zu 72 Milliarden Dollar, über das der Vorstand Ende August entscheiden will. Beide Ankündigungen befeuerten die Speicherchip-Aktien branchenweit, während andere Technologiesegmente wie Cybersicherheit zuletzt unter Druck gerieten.

Ein Wermutstropfen für einzelne Anleger: Micron-Vorstandsmitglied Sumit Sadana, verantwortlich für den Geschäftsbereich Chief Business Officer, verkaufte am Dienstag 15.000 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 934,29 Dollar – ein Gesamtvolumen von rund 14 Millionen Dollar.

Nach der Transaktion hält er noch gut 191.000 Aktien direkt, was einem Rückgang seiner Beteiligung um etwa 7,3 Prozent entspricht. Insidergeschäfte dieser Größenordnung gelten am Markt in der Regel nicht als Warnsignal, wenn sie – wie hier – im Kontext einer laufenden Kursrally stattfinden.

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