Micron Technology Aktie: Speicher-Engpass bis 2027

Micron profitiert von anhaltender Chip-Knappheit und starken KI-Partnerzahlen. Analysten erhöhen Kursziele, während ein Patentstreit Risiken birgt.

Die Kernpunkte:
  • Kursplus von 5,9 Prozent
  • Chip-Knappheit bis 2027 bestätigt
  • KI-Partner übertreffen Erwartungen
  • Patentklage droht Importverbot

Micron Technology legt am heutigen Mittwoch kräftig zu: Die Aktie steigt um 5,9 Prozent auf 795,60 Euro, nachdem Executive Vice President Sumit Sadana auf dem KeyBanc Technology Leadership Forum erklärte, die Knappheit bei Speicherchips werde über das Jahr 2027 hinaus anhalten.

Zusätzlichen Rückenwind lieferten die KI-Infrastrukturpartner CoreWeave und Nebius, die für das zweite Quartal Ergebnisse und Ausblicke vorlegten, die über den Erwartungen lagen.

Der Ausbruch fällt in eine ohnehin bemerkenswerte Kursphase. Seit Jahresbeginn steht bei Micron ein Plus von 216 Prozent, auf Zwölfmonatssicht summiert sich der Zuwachs auf 627 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.103,80 Euro, erreicht im Juni, ist die Aktie mit einem Abstand von 28 Prozent aber noch ein Stück entfernt – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Wachstumsstory trotz der jüngsten Rekorde nicht in eine gerade Linie einpreist.

Langfristverträge und Milliarden-Investitionen als Fundament

Die Aussagen zur anhaltenden Angebotsknappheit fügen sich in ein Muster, das Micron in den vergangenen Wochen selbst gezeichnet hat. Das Unternehmen bestätigte, 16 sogenannte Take-or-Pay-Verträge mit strategischen Kunden abgeschlossen zu haben, die Verpflichtungen von 22 Milliarden Dollar bis 2030 umfassen und dem Konzern damit Umsatzsichtbarkeit jenseits klassischer Speicherzyklen verschaffen sollen.

Parallel erhöhte Micron sein geplantes US-Investitionsvolumen von 200 auf 250 Milliarden Dollar, um die Fertigungskapazitäten in Idaho, New York und Virginia auszubauen.

Technologisch treibt Micron zugleich die nächste Generation von Speicherchips voran: Der HBM4-Speicher der vierten Generation befindet sich bereits in der Hochvolumenfertigung für Nvidias Vera-Rubin-Plattform, die Nachfolgetechnologie HBM4E soll 2027 produktionsreif sein.

Medienberichten zufolge setzt sich Micron zudem bei US-Behörden dafür ein, dass Apple und andere heimische Unternehmen keine chinesischen Speicherchips einsetzen – mit Verweis auf Sicherheitsrisiken in der Lieferkette und Konkurrenz durch staatlich unterstützte Anbieter wie CXMT.

Analysten uneinig über den Preishöhepunkt

Die Einschätzungen der Wall Street bleiben trotz der positiven Nachrichtenlage nicht einheitlich. Mizuho-Analyst Vijay Rakesh hob am 10. August sein Kursziel von 1.150 auf 1.375 Dollar an und beließ das Rating bei „Buy“, mit Verweis auf sich verstärkende Nachfragesignale für KI-Speicher.

UBS bekräftigte am heutigen Mittwoch ihr „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 1.625 Dollar und rechnet damit, dass die DRAM-Angebotsknappheit mindestens bis zum zweiten Quartal 2028 anhält; der kumulierte freie Cashflow könnte demnach bis 2028 auf über 450 Milliarden Dollar steigen.

Belastend wirkt dagegen ein Rechtsstreit: Netlist leitete am heutigen Mittwoch neue Verfahren vor der US International Trade Commission und einem kalifornischen Bundesgericht gegen Micron sowie gegen Supermicro, HPE und Lenovo ein und wirft den Unternehmen die Verletzung von vier Patenten im Bereich DDR5-RDIMM und MRDIMM vor.

Ein Importverbot für die betroffenen Produkte steht im Raum. Der Fall erinnert an den jahrzehntelangen Patentstreit zwischen Netlist und Samsung Electronics, der Anfang August mit einer Vergleichszahlung von 897 Millionen Dollar endete – ein Präzedenzfall, der auch für Microns eigenes anhängiges Patentverfahren über 445 Millionen Dollar Bedeutung erlangen könnte.

Trotz der juristischen Risiken bleibt der Chart robust: Mit einem RSI von 51 zeigt sich die Aktie weder überkauft noch überverkauft, während der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 67 Prozent den ungebrochenen Aufwärtstrend über die vergangenen Monate unterstreicht.

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