Microsoft Aktie: 15-Prozent-Sprung laut Business Insider

Microsofts KI-Ausgaben erreichen neue Höhen, während die Aktie von stabilen Prognosen und einem Rekord-Auftragsbestand profitiert.

Die Kernpunkte:
  • Investitionsausgaben steigen auf 116 Milliarden Dollar
  • Aktie springt nach stabiler KI-Prognose
  • Auftragsbestand erreicht 678 Milliarden Dollar
  • Azure knackt 100-Milliarden-Umsatzmarke

Es gibt einen Moment im Leben jeder Wachstumsstory, in dem die Zahlen so groß werden, dass man sie kaum noch einordnen kann. Microsoft ist an diesem Punkt angekommen. 116 Milliarden Dollar Investitionsausgaben im abgelaufenen Geschäftsjahr, ein Plus von rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für das kommende Jahr werden bereits Summen um 175 bis 190 Milliarden Dollar gehandelt. Man muss diese Zahl einmal sacken lassen: Ein einzelnes Unternehmen gibt mehr für Rechenzentren und Chips aus, als viele Staaten an Investitionshaushalt haben.

Und trotzdem steigt die Aktie. Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte.

Wenn Verschwendung zur Tugend wird

Am Mittwoch schloss das Papier im deutschen Handel bei 414,70 Euro, ein Minus von 0,4 Prozent, nachdem es über die vergangenen 30 Tage rund 19 Prozent zugelegt hatte.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 478,10 Euro, erreicht Ende Oktober, trennen die Aktie derzeit etwa 13 Prozent. Diese Zahlen erzählen von einer Aktie, die zwischen Euphorie und Erschöpfung pendelt – und genau das spiegelt die Debatte um Microsofts Ausgabenpolitik wider.

Denn Wall Street hat in den vergangenen Tagen etwas Bemerkenswertes getan: Sie hat Microsoft dafür belohnt, dass der Konzern seine KI-Ausgabenprognose unverändert ließ, statt sie – wie in der Branche üblich – weiter nach oben zu schrauben.

Laut Business Insider sprang die Aktie an einem einzelnen Tag um 15 Prozent, der größte Tagesgewinn eines US-Unternehmens überhaupt. Zurückhaltung wurde plötzlich zur Tugend. Das ist eine Zäsur, denn bislang galt in diesem Sektor: Wer mehr investiert, gewinnt.

Die Kehrseite dieser Zurückhaltungs-Erzählung: Sie widerspricht dem, was die Zahlen tatsächlich zeigen. Die Investitionsausgaben sind nicht gesunken, sie sind explodiert. Was sich geändert hat, ist offenbar nur die Kommunikation darüber. Nadella und sein Team lassen sich weniger in die Karten schauen, wie hoch die nächste Eskalationsstufe ausfällt – und der Markt honoriert diese Unschärfe, weil sie Kontrolle suggeriert.

Der Auftragsberg als Beruhigungspille

Was die Investoren tatsächlich trägt, ist der Auftragsbestand. Die kommerzielle Restumsatzverpflichtung, im Fachjargon RPO genannt, kletterte auf 678 Milliarden Dollar – ein Plus von 84 Prozent.

Diese Zahl ist das eigentliche Fundament der Bullen-These: Wer schon heute weiß, dass Kunden für die nächsten Jahre Rechenleistung gebucht haben, kann die aktuellen Milliardenausgaben leichter verteidigen. Azure wuchs im vergangenen Quartal um 43 Prozent und knackte erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Copilot zählt inzwischen mehr als 30 Millionen zahlende Nutzer.

Microsoft versucht zudem, die Kostenseite der eigenen KI-Wette zu drücken. Der selbst entwickelte Chip Maia 200 soll laut Unternehmensangaben 40 Prozent effizienter pro Watt arbeiten als sein Vorgänger – ein Versuch, die eigene Abhängigkeit von externen Zulieferern zu verringern und die Marge der KI-Infrastruktur zu retten, bevor die Kritiker mit ihren Cashflow-Sorgen recht behalten.

Die Frage, die im Raum steht

Ist das nun ein Strukturwandel oder eine sehr teure Wette auf die Zukunft? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Bank of America hat unter mehr als 200 Investoren erhoben, dass gut ein Drittel der Befragten die Investitionsausgaben der Hyperscaler als größtes systemisches Kreditrisiko einstuft.

Morgan Stanley rechnet vor, dass der freie Cashflow der fünf größten Rechenzentrumsbetreiber zusammengenommen ins Negative rutschen könnte – ein deutlicher Bruch mit den vergangenen Jahren. Off-Bilanz-Verpflichtungen im KI-Sektor summieren sich Schätzungen zufolge auf rund drei Billionen Dollar.

Microsoft selbst wirkt in dieser Debatte wie das ruhigste Kind im Sturm: Free Cashflow von 19,6 Milliarden Dollar im vierten Quartal, operativer Cashflow von 55 Milliarden Dollar. Genug Substanz, um die eigene Wette weiterzufinanzieren, ohne dabei so laut aufzutreten wie mancher Konkurrent, der gerade erstmals Anleihen in Yen oder hundertjährige britische Bonds auflegt.

Die eigentliche Erzählung dieses Sommers ist also weniger die einzelne Kurszahl als die Frage, ob ein Konzern mit dieser Bilanzstärke die Ausgabenspirale der gesamten Branche relativieren kann – oder ob er nur der Erste ist, der ihre Grenzen austestet.

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