Microsoft Aktie: 190 Milliarden Dollar für KI-Aufrüstung
Microsofts KI-Investitionen belasten den Cashflow, Analysten passen Kursziele an. Die Aktie fiel im Zuge eines breiten Tech-Ausverkaufs.

- Analysten senken Kursziele für Microsoft
- KI-Investitionen übersteigen operativen Cashflow
- Breiter Ausverkauf bei Technologiewerten
- Quartalszahlen am 29. Juli erwartet
Juli rücken bei Microsoft die Investitionssummen für künstliche Intelligenz in den Vordergrund. Mehrere Analysehäuser haben ihre Kursziele in den vergangenen Tagen angepasst, während der Aktienkurs unter dem Eindruck einer breiteren Verkaufswelle bei Technologiewerten stand. Am Freitag schloss die Microsoft-Aktie bei 344,40 Euro, ein Minus von 1,77 Prozent gegenüber dem Vortag.
Analysten justieren ihre Kursziele
Vor dem Zahlenwerk haben gleich mehrere Banken ihre Einschätzungen aktualisiert. Citi senkte das Kursziel von 620 auf 570 US-Dollar, behält aber die Kaufempfehlung bei. Mizuho reduzierte seine Zielmarke von 515 auf 490 US-Dollar bei weiterhin positiver Einstufung, Wells Fargo kürzte von 650 auf 625 US-Dollar. Evercore ging den umgekehrten Weg und hob sein Kursziel von 510 auf 525 US-Dollar an. Bank of America hält an einem Kursziel von 500 US-Dollar mit Kaufempfehlung fest und verweist auf die für das Cloud-Geschäft erwartete Wachstumsrate von 39 bis 40 Prozent sowie einen Auftragsbestand von 627 Milliarden US-Dollar, von dem rund ein Viertel binnen zwölf Monaten in Umsatz überführt werden soll. Die Analysten von BNP Paribas rechnen für das kommende Quartal mit einem Azure-Wachstum von 41 Prozent, mehr als der Marktkonsens von rund 40 Prozent, sowie mit 7 bis 8 Millionen neuen Copilot-Nutzern. Der Marktkonsens für das Quartal liegt bei einem Gewinn je Aktie von 4,24 US-Dollar und einem Umsatz von rund 86,66 Milliarden US-Dollar.
Copilot zählt inzwischen mehr als 20 Millionen zahlende Nutzer, das laufende AI-Umsatzvolumen wird mit 37 Milliarden US-Dollar beziffert, ein Plus von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Cloud-Geschäft von Microsoft kam zuletzt auf 54,5 Milliarden US-Dollar bei einer Bruttomarge von 66 Prozent.
Kapitalintensive KI-Aufrüstung belastet den freien Cashflow
Im Zentrum der Debatte steht das Investitionstempo. Microsoft rechnet für das laufende Fiskaljahr mit Investitionsausgaben von rund 190 Milliarden US-Dollar, allein im vierten Quartal sollen es mehr als 40 Milliarden US-Dollar sein. Diese Summen übersteigen nach Berechnungen von Bank of America bereits den operativen Cashflow der fünf großen Hyperscaler Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Oracle zusammengenommen. Für die gesamte Gruppe wird für 2026 ein Investitionsvolumen von 725,1 Milliarden US-Dollar erwartet, fast das Fünffache des Niveaus von 2023.
Finanziert wird dieser Ausbau zunehmend über Anleihen: Die Emissionsvolumina der Hyperscaler sollen 2026 auf 194,1 Milliarden US-Dollar steigen, verglichen mit lediglich 20,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Microsoft steht dabei mit einem Verhältnis von Schulden zu Ebitda von 0,6 im Branchenvergleich vergleichsweise solide da und verfügt laut Berechnungen von KB Securities über eine verbleibende Finanzierungskapazität von rund vier Jahren, bevor die Verschuldung kritische Schwellen erreichen würde. Zum Vergleich: Bei Oracle, dessen Bonität von der Ratingagentur S&P Anfang Juli auf BBB- und damit nur eine Stufe über Ramschniveau gesenkt wurde, liegt die Schuldenquote bei 5,6.
Breiterer Ausverkauf bei Technologiewerten als Belastung
Der Kursrückgang der vergangenen Woche traf Microsoft in einem Umfeld, das von Nervosität rund um die KI-Investitionen geprägt war. Der Nasdaq-100 verlor binnen einer Woche gut vier Prozent, nachdem IBM nach einer enttäuschenden vorläufigen Umsatzmeldung an einem einzigen Handelstag rund ein Viertel seines Börsenwerts eingebüßt hatte. Der Philadelphia-Halbleiterindex fiel um zehn Prozent, den stärksten Wochenverlust seit April 2025. Vor diesem Hintergrund gilt die Berichtssaison der großen Technologiekonzerne als Belastungsprobe: Alphabet und Tesla legen bereits am 22. Juli Zahlen vor, Microsoft und Meta folgen am 29. Juli.
Auf Sicht von zwölf Monaten summiert sich der Kursrückgang der Microsoft-Aktie auf gut 21 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 16,64 Prozent zu Buche. Der Titel notiert derzeit rund 8,5 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Ob die für den 29. Juli anstehenden Zahlen die Investitionsdebatte beruhigen können, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob das angekündigte Azure-Wachstum von 39 bis 40 Prozent tatsächlich erreicht wird.
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