Microsoft Aktie: 22,59 Prozent in sieben Tagen
Microsofts Cloud-Sparte überschreitet erstmals 100 Milliarden Dollar Umsatz. Die Aktie reagiert mit einem deutlichen Kurssprung, während der Konzern sein Gaming-Geschäft radikal umbaut.

- Azure knackt 100-Milliarden-Marke
- Aktie steigt um 22,6 Prozent
- Copilot Super App angekündigt
- Xbox-Sparte wird verkleinert
Microsoft hat aufgehört, über künstliche Intelligenz zu sprechen. Der Konzern verkauft sie jetzt – in einem Umfang, den kaum ein Konkurrent erreicht. Innerhalb von sieben Tagen hat die Aktie um 22,59 Prozent zugelegt, allein am Montag ging es um 5,07 Prozent auf 423,55 Euro nach oben. Das ist keine Spekulation mehr auf zukünftiges Potenzial. Das ist der Markt, der eine bereits realisierte Größenordnung einpreist.
Azure knackt die 100-Milliarden-Marke
Der Auslöser sitzt tief in den Quartalszahlen von Ende Juli. Azure und die übrigen Cloud-Dienste wuchsen um 43 Prozent – schneller als im Quartal zuvor. Damit hat Azure erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz überschritten. Aus der Wachstumssparte ist der zentrale Motor für Microsofts Dominanz im Unternehmensgeschäft geworden.
CEO Satya Nadella deutet das Wachstum als mehr als nur steigende Infrastrukturnachfrage. Beim jüngsten Earnings Call kündigte er für dieses Jahr eine „Copilot Super App“ an. Sie soll Chat, Coding-Assistenz und autonome „Autopilots“ in einer einzigen Plattform bündeln – für Privatnutzer wie für Unternehmen. Schon jetzt zahlen über 30 Millionen Nutzer für Microsoft 365 Copilot. Die Super App soll aus dieser Basis einen dauerhaften, margenstarken Umsatzstrom machen.
Radikaler Schnitt bei Xbox und Vertrieb
Der Höhenflug hat eine nüchterne Kehrseite. Microsoft strich Anfang Juli rund 4.800 Stellen, etwa 2,1 Prozent der weltweiten Belegschaft. Das ist kein defensiver Rückzug. Es ist eine gezielte Umschichtung von Ressourcen.
Die Kürzungen trafen vor allem die schwächelnde Xbox-Sparte und Teile des Vertriebs. Mehrere Gaming-Studios wurden geschlossen oder verkauft. Während die Cloud-Sparte beschleunigt, wird das Gaming-Geschäft zusammengestrichen. Genau diese Bereitschaft, Randgeschäfte zu opfern, um den KI-Ausbau zu finanzieren, unterscheidet Microsoft von anderen Tech-Riesen. Der Konzern schultert derzeit Rekordkosten für neue Infrastruktur – und ist gleichzeitig einer der wenigen Anbieter, der diese Kapazität sofort in zahlende Unternehmenskunden verwandelt.
Überhitzt, aber nicht ohne Fundament
Technisch betrachtet ist die Rally schnell gelaufen – zu schnell, um sie einfach fortzuschreiben. Der 14-Tage-RSI steht bei 77,8, ein Wert, der üblicherweise als überkauft gilt. Der Kurs liegt zudem 21,78 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 347,81 Euro. Eine Verschnaufpause wäre nach diesem Tempo keine Überraschung.
Die Jahresperformance zeigt, wie sehr sich das Blatt gerade wendet: Vor zwölf Monaten lag die Aktie noch 8,51 Prozent im Minus, die jüngste Erholung hat das Jahr inzwischen auf plus 2,52 Prozent gedreht. Analysten bleiben trotz der überhitzten Kurzfristindikatoren gelassen. Das durchschnittliche Kursziel von 488,79 Euro impliziert noch einmal gut 15 Prozent Luft nach oben.
Die eigentliche Frage hat sich verschoben. Es geht nicht mehr darum, ob sich Microsofts KI-Investitionen rechnen – die 100-Milliarden-Marke bei Azure beantwortet das bereits. Es geht darum, wie schnell diese Cloud-Maschine zu einem verlässlichen Fundament für die nächste Phase des Gewinnwachstums wird.
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