Microsoft Aktie: 29. Juli Quartalsbericht nach 20-Prozent-Minus

Der Softwarekonzern präsentiert am 29. Juli die Q4-Zahlen 2026. Trotz starkem KI-Geschäft belasten Sammelklage und Stellenabbau die Aktie.

Die Kernpunkte:
  • Quartalszahlen am 29. Juli erwartet
  • Azure und KI mit starkem Wachstum
  • Sammelklage wegen irreführender Aussagen
  • Stellenabbau und Steuerdebatte belasten

Juli legt der Softwarekonzern die Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Die Aktie notierte am Montag bei 343,55 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn 14,88 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht beträgt das Minus 20,35 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro, erreicht am 28. Oktober 2025, fehlen der Aktie noch 28,14 Prozent. Vom Jahrestief bei 307,10 Euro, aufgestellt am 25. Juni 2026, hat sich der Kurs bereits um 11,87 Prozent gelöst. Kurzfristig zeigt sich das Bild stabil: Auf Wochensicht steht ein Plus von 0,93 Prozent, der RSI von 53,1 signalisiert keine Überhitzung, die 30-Tage-Volatilität liegt bei 33,15 Prozent. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 347,96 Euro fehlen 1,27 Prozent, zur 200-Tage-Linie bei 378,49 Euro beträgt der Abstand 9,23 Prozent. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf umgerechnet 2.506,14 Milliarden Euro.

Wachstum trifft auf Bewertungsskepsis

Der Kursrückgang steht in auffälligem Kontrast zu den operativen Zahlen. Im dritten Geschäftsquartal, das am 29. April veröffentlicht wurde, steigerte Microsoft den Umsatz um 18,3 Prozent auf 82,89 Milliarden US-Dollar und übertraf die Gewinnschätzungen mit einem Ergebnis je Aktie von 4,27 US-Dollar um 0,21 US-Dollar. Azure wuchs um 40 Prozent. Das KI-Geschäft erreichte eine annualisierte Umsatzrate von 37 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während der kommerzielle Auftragsbestand auf 627 Milliarden US-Dollar kletterte, ebenfalls fast eine Verdopplung. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Microsoft mit Investitionsausgaben von rund 190 Milliarden US-Dollar, größtenteils für den Ausbau der KI-Infrastruktur.

Trotzdem handelt die Aktie nach Angaben von 24/7 Wall St. nur noch mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 auf Basis der vergangenen zwölf Monate und einem Forward-KGV von 20 – Werte, die laut Motley Fool zuletzt Mitte 2017 unterschritten wurden. CryptoBriefing ordnet das Vorwärts-KGV mit 19 bis 22 sogar unterhalb des S&P-500-Durchschnitts ein. Nach den vergangenen fünf Quartalszahlen fiel die Aktie im Schnitt um 1,05 Prozent, obwohl die Ergebnisse jeweils die Erwartungen übertrafen – ein Muster, das Anleger vor dem 29. Juli erneut im Blick haben dürften. Auf einer Prognoseplattform sank die Wahrscheinlichkeit, dass Microsoft bis Dezember 2026 wieder das wertvollste Unternehmen der Welt wird, laut CryptoBriefing zuletzt auf 0,7 Prozent, nach zuvor rund einem Prozent.

Die Wall Street bleibt dennoch mehrheitlich zuversichtlich. 24/7 Wall St. beziffert das Konsenskursziel auf Basis von 57 Analysten mit 559,93 US-Dollar, verteilt auf 13 Strong-Buy-, 41 Buy- und lediglich drei Hold-Einstufungen ohne eine einzige Verkaufsempfehlung. Laut Perplexity Finance votieren 53 von 56 Analysten für einen Kauf, Citigroup nennt ein Kursziel von 620 US-Dollar.

Sammelklage wegen Copilot und Azure

Belastend wirkt eine laufende Sammelklage mehrerer US-Kanzleien, darunter Glancy Prongay & Rotter, Bleichmar Fonti & Auld sowie Levi & Korsinsky. Die Frist zur Nominierung eines Lead Plaintiff läuft am 11. August 2026 ab. Grundlage ist der Kurseinbruch vom 28. Januar 2026, als Microsoft schwächer als erwartete Quartalszahlen vorlegte: Das Azure-Wachstum verlangsamte sich, die Investitionsausgaben stiegen auf 37,5 Milliarden US-Dollar im Quartal, und die Zahl zahlender Copilot-Nutzer blieb hinter den Analystenschätzungen zurück. Die Aktie verlor damals 48,13 US-Dollar beziehungsweise 9,99 Prozent und schloss bei 433,50 US-Dollar. Die Klageschrift wirft Microsoft irreführende Aussagen zu Copilot-Funktionsfähigkeit, KI-Modell-Ranglisten und Nutzerkonversion vor; am 3. Februar 2026 hatte zudem das Wall Street Journal über gravierende technische Probleme bei Copilot berichtet. Der maßgebliche Klagezeitraum erstreckt sich vom 1. Mai 2025 bis zum 28. Januar 2026.

Stellenabbau und Steuerstruktur im Fokus

Parallel sorgt der laufende Personalabbau für Unruhe. Microsoft strich rund 4.800 Stellen, das entspricht 2,1 Prozent der Belegschaft, mit den tiefsten Einschnitten bei Xbox. Von den dort angekündigten 3.200 Stellen betreffen 440 gewerkschaftlich organisierte Positionen bei Bethesda Game Studios und ZeniMax; die ersten 1.600 Kürzungen griffen sofort, weitere 1.600 sollen bis Juni 2027 folgen. Für den 15. Juli 2026 ist an vier Standorten ein Protestmarsch der Beschäftigten geplant, nachdem die Gewerkschaft CWA unter Präsident Claude Cummings Jr. Microsoft vorwirft, Verhandlungstermine deutlich reduziert zu haben.

Zusätzlich rückte Ende Juni der erste länderbezogene EU-Steuerbericht des Konzerns in den Blick. Demnach verbuchte Microsoft für das Geschäftsjahr bis Juni 2025 einen Vorsteuergewinn von 47,08 Milliarden US-Dollar in Irland – 38 Prozent des weltweiten Vorsteuergewinns von rund 123,6 Milliarden US-Dollar – bei lediglich 6.654 Beschäftigten dort. In Deutschland standen einem Umsatz von 11,7 Milliarden US-Dollar nur 661 Millionen US-Dollar Vorsteuergewinn gegenüber. Weltweit zahlte Microsoft im Berichtszeitraum 28,7 Milliarden US-Dollar an Ertragsteuern, davon 6,3 Milliarden US-Dollar in der EU.

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