Microsoft Aktie: 31 Prozent unter 52-Wochen-Hoch
Microsoft kämpft mit Kapazitätsengpässen trotz Rekordinvestitionen. Oracle dementiert Bericht über gescheiterte Cloud-Verhandlungen.

- Oracle weist Bericht über gescheiterte Verhandlungen zurück
- Microsofts KI-Nachfrage übersteigt verfügbare Cloud-Kapazitäten
- Azure-Wachstum von 40 Prozent im dritten Quartal
- Aktie notiert 31 Prozent unter 52-Wochen-Hoch
Oracle hat einen Medienbericht zurückgewiesen, wonach Verhandlungen mit Microsoft über ein Cloud-Infrastruktur-Leasingabkommen gescheitert seien. Für Anleger geht es dabei um mehr als eine Vertragsdetail-Debatte — es geht um die Frage, wie Microsoft seinen explodierenden KI-Bedarf künftig stemmen will.
Was Oracle bestreitet
Business Insider hatte berichtet, dass Gespräche über ein potenzielles Abkommen im Wert von mehr als drei Milliarden Dollar geplatzt seien. Als Grund nannte der Bericht Sicherheits- und Compliance-Probleme: Oracles Public Cloud erfülle für den relevanten Anwendungsfall nicht die FedRAMP-Anforderungen — ein US-Regierungsstandard für Cloud-Sicherheit. Microsoft wollte demnach bestimmte Workloads zu Oracle auslagern, um Azure-Kapazitäten für eigene Kunden freizuhalten.
Oracle wies die Darstellung als ungenau zurück. Das Unternehmen bezeichnete Microsoft als OCI-Partner und Kunden und erklärte, beide Seiten sprächen weiterhin über eine Ausweitung der Zusammenarbeit. Microsoft äußerte sich nicht.
Warum die Kapazitätsfrage zählt
Der eigentliche Kern ist nicht der mögliche Oracle-Deal. Es ist das, was der Bericht über Microsofts Kapazitätsplanung verrät.
Im dritten Fiskalquartal bis Ende März 2026 erzielte Microsoft einen Umsatz von 82,9 Milliarden Dollar — ein Plus von 18 Prozent. Azure wuchs um 40 Prozent. Das verbleibende Auftragsvolumen stieg um 99 Prozent auf 627 Milliarden Dollar.
Auf dem Earnings Call räumte das Management ein, dass die Kundennachfrage über alle Regionen und Segmente hinweg die verfügbare Kapazität übersteigt. Azure lief im Quartal besser als erwartet — weil Kapazitäten früher als geplant verfügbar wurden, nicht weil die Nachfrage nachließ. Für das vierte Quartal plant Microsoft Investitionsausgaben von mehr als 40 Milliarden Dollar. Für das gesamte Kalenderjahr 2026 sind rund 190 Milliarden Dollar eingeplant. Trotzdem erwartet das Unternehmen, mindestens bis Ende 2026 kapazitätsbeschränkt zu bleiben.
Kein Wunder, dass jeder Bericht über externe Cloud-Leasingdeals Aufmerksamkeit erzeugt.
Kurs unter Druck
Die Aktie notiert aktuell bei 329,55 Euro und liegt damit rund 31 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro vom Oktober 2025. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus knapp 18 Prozent — der Kurs liegt auch deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 386,70 Euro.
Das Bild zeigt einen Markt, der Microsofts KI-Wachstum zwar anerkennt, aber die Kapitalintensität des Ausbaus kritisch bewertet. Azure wächst stark, die Infrastrukturkosten wachsen schneller. Ob sich dieser Investitionszyklus in nachhaltige Renditen übersetzt, wird sich an den kommenden Quartalszahlen ablesen lassen — konkret daran, ob Microsoft seine rekordhohen Auftragsbestände in tatsächliches Umsatzwachstum ummünzen kann.
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