Microsoft Aktie: 43-Prozent-Wachstum bei Azure
Microsoft übertrifft Erwartungen dank Azure-Wachstum von 43 Prozent. Analysten erhöhen Kursziele, während Investitionsausgaben den freien Cashflow belasten.

- Azure überschreitet 100-Milliarden-Marke
- Analysten heben Kursziele an
- Kapitalausgaben belasten freien Cashflow
- OpenAI-Beziehung birgt Konzentrationsrisiko
Microsoft hat mit seinen Zahlen zum vierten Geschäftsquartal 2026 die Wall Street überrascht – und die Aktie reagiert seit Tagen mit einer der stärksten Kursbewegungen ihrer Geschichte. Im deutschen Xetra-Handel sprang das Papier gestern um 5,07 Prozent auf 423,55 Euro. Damit setzt sich eine Rally fort, die in den USA bereits am Donnerstag mit dem größten Tagesgewinn der amerikanischen Börsengeschichte begonnen hatte.
Auslöser war ein Quartalsbericht, der die Wachstumsdynamik des Cloud-Geschäfts eindrucksvoll belegt. Für das am 30. Juni geendete vierte Geschäftsquartal meldete Microsoft einen Umsatz von 90,0 Milliarden Dollar, ein Plus von 18 Prozent. Das operative Ergebnis stieg um denselben Prozentsatz auf 40,6 Milliarden Dollar, der Nettogewinn nach GAAP kletterte um 31 Prozent auf 35,8 Milliarden Dollar. Das verwässerte Ergebnis je Aktie legte um 32 Prozent auf 4,81 Dollar zu. Für das gesamte Geschäftsjahr steht ein Umsatz von 331,8 Milliarden Dollar zu Buche, der Gewinn wuchs auf Jahressicht um 31 Prozent.
Azure knackt die 100-Milliarden-Marke
Kern der Story bleibt Azure. Die Cloud-Sparte wuchs im Berichtsquartal um 43 Prozent und überschritt damit erstmals einen Jahresumsatz von 100 Milliarden Dollar. Der gesamte Cloud-Umsatz von Microsoft erreichte 59,3 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 27 Prozent. Besonders auffällig ist der Auftragsbestand: Die kommerziellen Restverpflichtungen (RPO) schnellten um 84 Prozent auf 678 Milliarden Dollar nach oben, wobei rund 30 Prozent davon binnen zwölf Monaten fällig werden. Copilot verzeichnet inzwischen mehr als 30 Millionen bezahlte Nutzer, nach über 20 Millionen im Vorquartal. Für das laufende erste Quartal des neuen Geschäftsjahres stellt Microsoft ein Umsatzwachstum auf rund 90,4 Milliarden Dollar in Aussicht, bei Azure soll das Wachstum zu konstanten Wechselkursen sogar auf etwa 45 Prozent beschleunigen.
Ein Teil des Gewinnsprungs speist sich allerdings aus Finanzbeteiligungen: Microsoft verbuchte einen Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar aus seiner Anthropic-Investition sowie 480 Millionen Dollar aus dem OpenAI-Anteil. Ohne diese Effekte wäre das Gewinnwachstum des Konzerns um rund zehn Prozentpunkte niedriger ausgefallen, berichtete CNBC. Der Sender wies zudem darauf hin, dass solche Beteiligungsgewinne branchenweit die Ergebnisse der großen Technologiekonzerne verzerren.
Analysten erhöhen reihenweise die Kursziele
Die Reaktion der Analysten fiel überwiegend euphorisch aus. Goldman Sachs nahm Microsoft in seine Conviction List auf und hob das Kursziel von 610 auf 640 Dollar an – ein implizites Aufwärtspotenzial von rund 38 Prozent gegenüber dem vorherigen Niveau. Die Bank begründet dies mit einer erwarteten Beschleunigung des Gewinnwachstums von etwa 12 Prozent im laufenden Geschäftsjahr auf über 20 Prozent bis 2029. Auch Citi zeigte sich zuversichtlich und setzte das Kursziel auf 600 Dollar. Weitere Häuser wie Wolfe, Piper Sandler und Cantor zogen mit Zielen zwischen 522 und 550 Dollar nach, mindestens zehn Analysten hoben ihre Schätzungen im Zuge der Zahlen an.
Trotz der Euphorie mehren sich kritische Stimmen zu den Kapitalausgaben. Microsoft plant für das Kalenderjahr 2026 Investitionen von rund 175 Milliarden Dollar, allein im Berichtsquartal flossen 41 Milliarden Dollar in Rechenzentren und Infrastruktur, für das laufende Quartal werden mehr als 50 Milliarden Dollar erwartet. Der freie Cashflow sank deshalb um 23 Prozent auf 19,6 Milliarden Dollar. Microsoft selbst stellt für das Geschäftsjahr 2027 einen positiven freien Cashflow in Aussicht – anders als mehrere Konkurrenten aus der Cloud-Branche, deren Barmittelflüsse zuletzt negativ waren.
Konzentrationsrisiko und juristische Risiken
Eine Analyse von Gradient Flow verweist auf ein Konzentrationsrisiko: Rund 24,1 Milliarden Dollar des Umsatzes stammen aus der Geschäftsbeziehung zu OpenAI, was etwa einem Viertel des Azure-Volumens entspricht. Ohne OpenAI wäre der Auftragsbestand nach dieser Analyse nur um 25 statt um 84 Prozent gewachsen. Zusätzliche Unsicherheit bringen mehrere Wertpapier-Sammelklagen gegen den Konzern, die eine angebliche Irreführung von Anlegern über die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Copilot und über die Rendite der KI-Investitionen zum Gegenstand haben.
Charttechnisch zeigt sich die jüngste Stärke auch im Abstand zum bisherigen Rekordhoch: Nach dem Kurssprung fehlen der Aktie nur noch gut elf Prozent bis zu ihrem 52-Wochen-Hoch. Ob die Rally trägt, dürfte sich daran entscheiden, ob Azure sein hohes Wachstumstempo auch bei weiter steigenden Investitionen halten kann.
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