Microsoft Aktie: Azure wächst 31,6 Prozent auf 39,31 Milliarden

Microsoft meldet Rekordumsatz von 90 Milliarden Dollar, während die Xbox-Sparte Stellen streicht und Preise erhöht. Azure wächst um 31,6 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzrekord von 90 Milliarden Dollar
  • Azure-Wachstum von 31,6 Prozent
  • Xbox-Stellenabbau von 3.200 Stellen
  • Konsolenpreise deutlich angehoben

Ein Rekordquartal auf der einen Seite, ein blutender Konsolenbereich auf der anderen: Microsoft steckt mitten in einem Umbau der Gaming-Sparte, während der Konzern gleichzeitig die bislang stärksten Cloud-Zahlen seiner Geschichte vorlegt. Die Kombination aus Jobabbau, Preiserhöhungen und Studioverkäufen bei Xbox trifft auf eine Wall Street, die vor allem auf Azure schaut.

Jobabbau und Studioverkäufe bei Xbox

Xbox-Chefin Asha Sharma, die im Februar die Nachfolge des langjährigen Xbox-Leiters Phil Spencer angetreten hatte, kündigte Anfang Juli den Abbau von rund 3.200 Stellen bis zum Geschäftsjahr 2027 an. 1.600 Positionen fielen bereits am selben Tag weg. Die Maßnahme fiel in dieselbe Woche, in der Microsoft konzernweit etwa 4.800 Arbeitsplätze strich – rund 2,1 Prozent der globalen Belegschaft. Bei Xbox allein entspricht der Einschnitt etwa einem Fünftel der Abteilungsbelegschaft.

Parallel dazu ordnet Microsoft sein Studio-Portfolio neu. Compulsion Games und Double Fine Productions kehren in die Unabhängigkeit zurück, behalten ihre Markenrechte und erhalten eine Übergangsfinanzierung. Ninja Theory und Undead Labs wechseln unter neuen Bedingungen den Eigentümer. Bei Arkane Lyon läuft ein Konsultationsverfahren mit der französischen Belegschaft, das noch nicht abgeschlossen ist und im schlimmsten Fall in einer Schließung münden könnte. Auf der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen verteidigte Konzernchef Satya Nadella den Kurs: Die Entscheidungen bei Inhalten, Plattform und Betrieb von Xbox seien notwendig gewesen, um das Geschäft für langfristiges Wachstum neu aufzustellen.

Konsolenpreise steigen deutlich

Zusätzlich verschärft eine Preisrunde die Lage für Xbox-Kunden. Seit Anfang August kostet die 512-GB-Version der Xbox Series S in Großbritannien 429,99 Pfund statt zuvor 299,99 Pfund, die 1-TB-Ausführung 519,99 statt 349,99 Pfund. Die Xbox Series X verteuerte sich dort je nach Modell auf bis zu 669,99 Pfund. In Europa zog die Series S von 349,99 auf 499,99 Euro an, die Series X in der Disc-Version von 599,99 auf 799,99 Euro. Microsoft begründet den Schritt mit stark gestiegenen Kosten für Speicher- und Arbeitsspeicherkomponenten, die durch die wachsende Nachfrage der KI-Industrie zusätzlich befeuert würden.

Rekordquartal trägt trotz Gaming-Belastung

Losgelöst von den Turbulenzen bei Xbox lieferte der Konzern Ende Juli ein starkes Quartal ab. Der Umsatz stieg auf 90 Milliarden Dollar, ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 4,74 Dollar und übertraf die Erwartung von 4,24 Dollar deutlich. Die Cloud-Sparte Intelligent Cloud mit Azure wuchs um 31,6 Prozent auf 39,31 Milliarden Dollar, im Geschäftsjahr 2026 überschritt Azure erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Die Sparte Productivity and Business Processes legte um 14,3 Prozent auf 37,85 Milliarden Dollar zu, getragen von mehr als 30 Millionen zahlenden Microsoft-365-Copilot-Nutzern – im April waren es noch über 20 Millionen.

Ein Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar aus der Beteiligung am KI-Labor Anthropic sowie geringere Kosten des freiwilligen Vorruhestandsprogramms stützten das Ergebnis zusätzlich, wurden aber teilweise durch Abfindungszahlungen und Wertminderungen bei Xbox aufgezehrt – ein direkter Bilanzniederschlag des Konzernumbaus. Finanzchefin Amy Hood senkte zudem die Investitionsprognose für das Kalenderjahr 2026 auf rund 175 Milliarden Dollar von zuvor etwa 190 Milliarden Dollar, indem sie die angenommene Nutzungsdauer von Büro- und Rechenzentrumsimmobilien von 15 auf 25 Jahre verlängerte. Die Wall Street Journal berichtete zudem, Microsoft rechne im Geschäftsjahr 2027 weiter mit positivem freiem Cashflow. Für das laufende Quartal stellte Hood ein Azure-Wachstum von 45 Prozent zu konstanten Wechselkursen in Aussicht, deutlich über dem Konsens von 41,4 Prozent, während die kommerziellen Auftragsbestände auf 678 Milliarden Dollar kletterten – ebenfalls über den erwarteten 647,6 Milliarden Dollar.

Klagewelle und Kursverlauf

Der Erfolg schützt Microsoft nicht vor rechtlichen Risiken. Mehrere US-Anwaltskanzleien werben derzeit um Anleger für eine Sammelklage vor dem Bundesgericht im Westlichen Bezirk von Washington. Sie richtet sich gegen Käufer von Microsoft-Wertpapieren zwischen Mai 2025 und Januar 2026 und wirft dem Unternehmen sowie vier namentlich genannten Führungskräften vor, irreführende Angaben zu den KI-Initiativen und der Copilot-Produktfamilie gemacht zu haben. Die Frist für Hauptkläger endet am 11. August.

Vor den Zahlen hatten Analysten noch vorsichtig agiert: Mitte Juli senkte Citi ihr Kursziel von 620 auf 570 Dollar, beließ aber die Kaufempfehlung, während Wells Fargo bei einem Ziel von 625 Dollar blieb und ein gemischtes Bild für das vierte Quartal erwartete. Der tatsächliche Ausgang übertraf diese Vorsicht deutlich. Die Aktie notiert aktuell bei 432,60 Euro, nach einem Anstieg von 29,04 Prozent binnen 30 Tagen. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro vom 28. Oktober 2025 fehlen dennoch noch 9,52 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Rekordzahlen honoriert, den Umbau bei Xbox aber weiter im Blick behält.

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